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Nahost-Konflikt: Israel und Hamas einigen sich auf fünfstündige Feuerpause

220 Menschen sollen bereits ums Leben gekommen sein. Nun einigten sich Israel und die Hamas auf eine fünfstündige Feuerpause. Zugleich verdichten sich Anzeichen auf eine israelische Bodenoffensive.

Zweiter Anlauf für eine Feuerpause im Gaza-Konflikt: Israel und die Hamas haben einer UN-Initiative für eine befristete, humanitäre Waffenruhe am Donnerstag zugestimmt. Sie soll um 10 Uhr Ortszeit (9 Uhr MESZ) beginnen und fünf Stunden dauern, wie die Streitkräfte am Mittwoch mitteilten.

Der UN-Nahostgesandte Robert Serry hatte die Feuerpause angeregt, damit sich die Bevölkerung im Gazastreifen mit Hilfsgütern und Lebensmitteln versorgen kann. Am Dienstag hielt eine von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe nur wenige Stunden. Lediglich Israel hatte seinen Raketenbeschuss kurzzeitig eingestellt, nicht aber die Hamas. Dies soll sich am Donnerstag ändern, wie der US-Sender CNN unter Berufung auf den offiziellen Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri berichtete.

250.000 Menschen sollen Häuser verlassen

Die Armee betonte, wenn militante Palästinenser noch einmal die Feuerpause missachten und Raketen abschießen, werde man "entschlossen" antworten. Die Einwohner der Ortschaften Beit Lahia und Sadschaija seien weiterhin aufgefordert, ihre Häuser zu räumen.

Bereits früh am Mittwoch hatten die israelischen Streitkräfte mindestens eine Viertelmillion Menschen im nördlichen Gazastreifen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Bis zum Nachmittag hatten rund 21.000 Menschen in Schulen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) Schutz gesucht.

EU bietet Hilfspaket an

US-Präsident Barack Obama forderte am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington, "sämtliche diplomatische Ressourcen und Beziehungen" zu mobilisieren, um eine Waffenruhe herbeizuführen. "Von keinem Land der Welt kann man erwarten, dass es unter einer täglichen Flut an Raketen lebt." Weder Israelis noch Palästinenser wollten so leben, sagte Obama.

Die Europäische Union rief die Hamas auf, einem Waffenstillstand zuzustimmen. "Die EU steht bereit, um nötige Unterstützung zu leisten", hieß es in einem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Beschluss der Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Länder. Darin wurde auch das Angebot eines politischen und wirtschaftlichen Hilfspakets sowie einer privilegierten Partnerschaft mit Israel und den Palästinensergebieten erneuert.

Die EU-Gipfelrunde erklärte, sie verfolge "mit großer Besorgnis" die Lage im Gazastreifen. Sie forderte beide Seiten auf, die Situation zu deeskalieren, die Gewalt zu stoppen und das Leid der Zivilbevölkerung dadurch zu beenden, dass die Menschen Zugang zu humanitärer Hilfe bekommen.

Anzeichen auf Bodenoffensive verdichten sich

Die Zahl der Toten seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli war bis zum Mittwochabend nach palästinensischen Angaben auf 220 gestiegen, darunter waren demnach mindestens 48 Kinder. Mehr als 1600 Palästinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite kam infolge des Raketenbeschusses ein Zivilist ums Leben.

Besondere Aufmerksamkeit erregte am Mittwoch der Tod von vier spielenden palästinensischen Jungen, die an einem Strand in der Stadt Gaza von israelischen Granaten getroffen wurden, wie Augenzeugen berichteten. Die Kinder im Alter zwischen neun und elf Jahren wurden demnach beim Fußballspielen getroffen. Zehn weitere Jungen wurden schwer verletzt, wie palästinensische Rettungsdienste mitteilten. Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte erklärte am Abend, der Vorfall werde untersucht.

Zugleich verdichteten sich aber auch Anzeichen für eine baldige Bodenoffensive der israelischen Armee. Das Kabinett billigte die Einberufung von weiteren 8000 Reservisten - 42.000 waren bereits zuvor aktiviert worden.

fme/DPA / DPA