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Nahostkonflikt Gewalt, aber keine Politik: Das ist der Islamische Dschihad

Islamischer Dschihad
Kämpfer des Islamischen Dschihad bei einer Militärparade in Asch Schati im Gazastreifen.
© Mohammed Talatene / DPA
Im Gazastreifen eskaliert wieder die Gewalt. Statt der regierenden Hamas ist diesmal der Islamische Dschihad im Visier der Israelis. Wer ist die Nummer zwei der Israelfeinde?

Der Konflikt zwischen Gazastreifen kommt und kommt nicht zur Ruhe. Etwas mehr als ein Jahr ist seit der vorerst letzten Gewalteskalation vergangen. Mit Luftangriffen und Razzien geht Israel jetzt wieder im Gazastreifen als auch im Westjordanland gegen palästinensische Extremisten vor. Dieses Mal ist es jedoch nicht hauptsächlich die radikalislamistische Hamas das Ziel, sondern der Islamische Dschihad, eine kleinere aber noch extremere Terrororganisation.

Aktion "Morgengrauen" startete am Freitag

Die neue Welle der Gewalt begann mit der Festnahme von zwei ranghohen Mitgliedern des Islamischen Dschihad bei einer Razzia im besetzten Westjordanland am 2. August. Danach hatte Israel zwei Grenzübergänge zum Gazastreifen geschlossen, da es angeblich konkrete Pläne eines Angriffs auf israelische Zivilisten gegeben habe. Am darauffolgenden Freitag hat die israelische Luftwaffe mit Angriffen auf den Gazastreifen begonnen, wo seit 2006 die Hamas herrscht.

Bei dieser Aktion, genannt "Morgengrauen", sind nach Angaben von Israels Armee zwei Anführer des Islamischen Dschihads ums Leben gekommen: zunächst der Militärchef Taisir al Dschabari und dann der südliche Kommandeur, Chalid Mansur. Zwei weitere ranghohe Dschihad-Mitglieder seien dabei ebenfalls getötet worden, darunter Mansurs Stellvertreter. "In den vergangenen Tagen hat Mansur an der Vorbereitung eines Angriffs auf Israel mit einer Panzerabwehrrakete sowie Raketen gearbeitet", hieß es in der Mitteilung des israelischen Militärs. Er sei auch für Terroranschläge in der Vergangenheit verantwortlich.

Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden bei den Angriffen mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 260 verletzt. Als Reaktion auf die Luftangriffe feuerten Kämpfer der Organisation Islamischer Dschihad hunderte Raketen in Richtung Israel ab. Israel macht den Islamischen Dschihad wiederum für den Tod von fünf Kindern und einem Erwachsenen im Flüchtlingslager Dschabalia verantwortlich. Nach Angaben des Militärs wurden sie durch eine fehlgeleitete Dschihad-Rakete getötet.

Wie viele andere islamistische Terrorgruppen, die gegen Israel kämpfen, etwa die Hisbollah und die Hamas, hat der Islamische Dschihad enge Verbindungen zum Iran – dem Erzfeind Israels. Der Name selbst kommt in islamistischen Kreisen häufiger vor, mittlerweile aber meint er palästinensischer Kämpfer. Gegründet wurde die Gruppe Anfang der 80er-Jahre; sie besteht Schätzungen zufolge aus rund 8000 Mitgliedern. Zum Vergleich: die im Gazastreifen regierende Hamas wird auf bis zu 80.000 Mitglieder geschätzt, die aus dem Libanon stammende auf rund 100.000.

Iran unterstützt Islamischen Dschihad

Sie hat das Ziel, ein strikt islamisches Palästina zu schaffen, was nichts anderes als die Auflösung des Staates Israel bedeutet. Explizit soll dies nicht politisch sondern mit Gewalt umgesetzt werden. Die Al-Kuds-Brigaden sind der bewaffnete Arm des Islamischen Dschihads. Zahlreiche Staaten darunter auch Deutschland und USA stufen den Islamischen Dschihad als Terrororganisation ein. Seit Ende der 80er-Jahre haben die Kämpfer zahllose Anschläge verübt. Unterstützt werden sie dabei auch von der Hamas, die sowohl Konkurrenz als auch Verbündeter sind. Beide wiederum erhalten Geld, Waffen und logistische Hilfe aus dem Iran.

"Neunzig Prozent des militärischen Knowhows der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihads stammen von dort", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen hohen israelischen Offizier. Dabei sind die Mitglieder der Organisation eigentlich Sunniten, die den Schiiten im Iran eher distanziert gegenüberstehen. Doch wenn es um den Erzfeind Israel geht, verblassen die Animositäten zwischen den beiden großen Glaubensrichtungen des Islam.

Trotz der jüngsten Verluste denkt die Terrororganisation nicht daran, ihres Kurses zu ändern: "Die Kämpfer des Islamischen Dschihad sind bereit, den Krieg fortzusetzen", teilte die Organisation mit. Der mit Israel vereinbarte Waffenstillstand aber hält bislang.

Quellen: DPA, AFP, "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Haaretz


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