Neues Terror-Video Bin Laden warnt die Europäer


Ein neues Terror-Video alarmiert die deutschen Behörden: In einer fünfminütigen Botschaft warnt Al-Kaida-Chef Osama bin Laden "die europäischen Völker" und fordert den Abzug ihrer Soldaten aus Afghanistan - zum ersten Mal mit deutschen Untertiteln.

Kurz vor der Bundestagswahl hat sich Terroristenführer Osama bin Laden in einer neuen Internet-Botschaft an die Europäer gewandt. Wie das amerikanische Intel-Center, zuständig für die Einschätzung derartiger Videos am Freitag mitteilte, rief der Al-Kaida-Chef die Europäer darin auf, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Die Europäer sollten "von den Fehlern anderer lernen", heiße es in der als echt eingestuften Botschaft.

Bin Laden ist in dem Video nur als Standbild zu sehen. Er wirft den Ländern der NATO vor, in Afghanistan unrechtmäßig Menschen zu töten. Frauen, Kinder und ältere Männer seien getötet worden, "weil George W. Bush böse auf sie war". Er forderte die Europäer auf, sich aus dem Land zurückzuziehen. Sich zur Wahrheit zurückzubegeben, sei besser, als den falschen Weg zu verfolgen.

Der Terroristenanführer nimmt auch Bezug auf die Al-Kaida-Anschläge in Madrid im März 2004 und in London im Juli 2005. Hätten die Europäer mit eigenen Augen gesehen, wie brutal die Amerikaner und ihre Helfer gegen die Taliban im Norden Afghanistans vorgegangen seien, könnten sie nachvollziehen, was zu den blutigen Taten von Madrid und London geführt habe.

"Am Heiligen Krieg kann sich jeder beteiligen"

Im Bundesinnenministerium sei die Bin-Laden-Botschaft bekannt, und sie werde sehr ernst genommen, sagte am Abend ein Sprecher. Das Band, das sich in die massive Propaganda des Terrornetzes einfüge, werde derzeit ausgewertet.

Auch der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Bekkay Harrach verbreitete am Freitag ein neues Video. Er lockt darin deutschsprachige Muslime mit Sätzen wie "Am Dschihad (Heiliger Krieg) kann sich jeder beteiligen". Die im Internet veröffentlichte Botschaft enthält aber keine neuen, direkten Drohungen gegen Deutschland.

Angesichts des neuen Videos von Harrach sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, die Sicherheitsbehörden seien wachsam. Sie reagierten angemessen, sehr intensiv und mit konkreten Maßnahmen auf die Drohbotschaften. Die Bedrohungssituation sei aber nach wie vor abstrakt - es lägen keine konkreten Hinweise auf geplante Aktionen vor.

Harrach, der sich 2007 aus dem Rheinland ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet abgesetzt hatte, betont in dem neuen Video, der persönliche Erfolg sei im "Heiligen Krieg" nicht wichtig: "Ich kann mein Ziel erreichen, ich kann aber auch in Guantánamo landen."

DPA DPA

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