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Neues von Edward Snowden: Britischer Geheimdienst kann deutsche User ausspähen

Der britische Geheimdienst hat offenbar viel mehr Möglichkeiten, die internationale Online-Kommunikation auszuforschen als vermutet. Auch User hierzulande können wohl problemlos ausspioniert werden.

In der von Edward Snowden aufgedeckten internationalen Spähaffäre gibt es massive neue Vorwürfe gegen den britischen Geheimdienst GCHQ. Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" und des "NDR" sollen belegen, dass das Government Communication Headquarter nicht nur Verbindungen nach Nordamerika, sondern auch nahezu den gesamten europäischen Online-Verkehr ausforschen kann - und damit auch den deutschen.

Der GCHQ ist der größte britische Geheimdienst. Beide Medien berufen sich auf Daten des US-Whistleblowers Snowden, die man habe einsehen können.

Eine Schlüsselrolle der Überwachung durch die Briten spielen demnach mehrere Glasfaserkabel. Solche Kabel sind weltweit die wichtigste Verbindung in der Internet-Kommunikation. Wer den globalen Internetverkehr ausforschen will, muss daher irgendwie Zugang zu den Glasfaserkabeln haben. Auch der Name der Deutschen Telekom fällt im Zusammenhang mit der Affäre. Das Unternehmen sitze im Betreiberkonsortium zweier Kabel, die durch die Briten ausgeforscht werden können.

Die von Snowden weitergegebenen Dokumente stammen den Berichten zufolge aus einem internen Informationssystem des britischen Geheimdienstes. Diese zeigen, dass die Briten außer dem Überseekabel TAT-14 auch 13 weitere Glasfaserleitungen ausforschen - und zwar solche, die Europa mit Afrika und Asien verbinden und zu dem solche innerhalb Europas. Auf diese Weise hätten die Briten theoretisch auf Verbindungen innerhalb Europas und sogar innerhalb Deutschlands Zugriff.

Mehrere der Kabel seien über Knotenpunkte im ostfriesischen Norden und auf der Insel Sylt direkt an das deutsche Netz angeschlossen, landen aber auch in Großbritannien an, wo der Zugriff stattfinde. Auf Nachfrage der "Tagesschau" teilte die Telekom mit, man gewähre "ausländischen Diensten keinen Zugriff auf Daten sowie Telekommunikations- und Internetverkehre in Deutschland". Zu möglichen Programmen britischer Geheimdienste habe man "keine Erkenntnisse", halte sich aber an jeweils geltende Landesgesetze.

Experten vermuten, dass Telekomfirmen auch unfreiwillig zu Handlangern der Geheimdienste werden könnten. Das liege in der Infrastruktur des weltweiten Netzes begründet, heißt es in der "SZ". Denn die Knotenpunkte, insbesondere an den Stellen, an denen die großen Untersee-Kabel auf das Land treffen, müssten aufwändig gewartet werden. Diese Aufgabe übernehme ein Dienstleister vor Ort, der dafür einen Vertrag mit dem Netzbetreiber schließt - beispielsweise mit der Deutschen Telekom.

Ein Telekom-Sprecher wurde in der "SZ" mit den Worten zitiert: "Wir haben bereits geprüft, ob es eine rechtliche Grundlage gibt, auf der wir von anderen Anbietern Aufklärung über ihre Zusammenarbeit mit britischen Sicherheitsbehörden verlangen können." Aufgrund britischer Gesetze bestehe allerdings eine Verschwiegenheitsverpflichtung dieser Unternehmen.

anb