HOME

Korea-Krise: Trump droht Nordkorea mit Einsatz von Atomwaffen

Der jüngste Test einer Wasserstoffbombe durch Nordkorea wird von den USA als höchste Provokation verstanden. US-Präsident Donald Trump drohte angesichts der Bedrohung indirekt mit einem Nuklearwaffen-Einsatz.

Nach dem bisher gewaltigsten Atomwaffentest Nordkoreas spitzt sich der Konflikt erneut gefährlich zu: US-Präsident Donald Trump verwies explizit auch auf die Atomwaffen seines Landes, um die USA und ihre Verbündeten gegen jegliche Bedrohung aus Nordkorea zu verteidigen. Südkorea hielt eine eigene Raketen-Übung ab, bei der ein Angriff auf Nordkorea simuliert wurde. Der UN-Sicherheitsrat wollte angesichts der Krise noch am Montag zusammenkommen.

Nordkorea hatte die Weltgemeinschaft am Sonntag mit einem erneuten Atomwaffentest schockiert, das nordkoreanische Staatsfernsehen meldete die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe von "beispielloser Kraft". Nach nordkoreanischen Angaben können Interkontinentalraketen mit der Wasserstoffbombe bestückt werden - damit könnten auch die USA erreicht werden. Der Atomtest löste ein Erdbeben der Stärke 6,3 aus, die Sprengwirkung des Tests übertraf nach Expertenangaben die der Atombombe von Hiroshima.

Schluss mit Nordkorea "Besänftigungspolitik"

Trump erklärte die "Besänftigungspolitik" gegenüber Nordkorea daraufhin für gescheitert. Auf die Frage eines Reporters, ob er einen Militärangriff auf Nordkorea plane, sagte Trump am Sonntag: "Wir werden sehen." Später telefonierte er mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe und sagte ihm laut Weißem Haus erneut zu, dass die USA ihr eigenes Gebiet sowie ihre Verbündeten verteidigen würden, wobei "die volle Bandbreite der diplomatischen, konventionellen und nuklearen Möglichkeiten eingesetzt" würde. Beide Seiten verurteilten die ständigen "Provokationen" Nordkoreas.


Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats der USA machte auch US-Verteidigungsminister James Mattis deutlich, dass Washington vor Härte nicht zurückschreckt. Jede Bedrohung durch Nordkorea werde mit einer "massiven militärischen Reaktion" beantwortet, sagte er. Laut Trump wird auch geprüft, Handelsbeziehungen zu Staaten abzubrechen, die mit Nordkorea Geschäfte machen - was vor allem Pjöngjangs Verbündeten China treffen würde.

Südkorea antwortet mit Raketen-Übung

Als Reaktion auf den jüngsten Atomwaffentest Nordkoreas hat Südkorea eine eigene Raketen-Übung. Die südkoreanische Armee habe einen Angriff auf das Atomgelände des nördlichen Nachbarn simuliert, wobei auf "bestimmte Ziele" im Meer geschossen worden sei, teilte der südkoreanische Generalstab nach Angaben der amtlichen Agentur Yonhap mit. Die Übung sei eine "Antwort auf den sechsten Atomtest des Nordens", es seien ballistische Hyunmoo-Raketen und Kampfjets vom Typ F-15k zum Einsatz gekommen. Der UN-Sicherheitsrat berief für diesen Montag (16 Uhr MESZ) eine Dringlichkeitssitzung ein. Bereits am Sonntag hatten neben Südkorea, Japan und europäischen Ländern wie Deutschland auch China und Russland den nordkoreanischen Atomtest klar verurteilt. Russlands Präsident Wladimir Putin mahnte zugleich eine politische Lösung an.

Der jüngste Atomwaffentest überraschte die internationale Gemeinschaft auch deshalb, weil sich der Konflikt zwischen Washington und Pjöngjang in den vergangenen Wochen ohnehin schon dramatisch hochgeschaukelt hatte. Trump drohte Nordkorea mit "Feuer und Wut", doch hielt dies Machthabe Kim Jong Un nicht von weiteren Raketenstarts ab - zuletzt überflog eine Rakete sogar Japan. China war deshalb - und unter dem Druck der USA - von seinem Verbündeten zunehmend abgerückt.


Bereits im Januar 2016 hatte Pjöngjang verkündet, erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Damals bezweifelten Experten allerdings, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen. Sie haben eine weit stärkere Explosionskraft als herkömmliche Atombomben.

Xiomara Bender: Fotografin dokumentiert seit 2011 Nordkorea - das ist ihr Blick auf das isolierte Land


dho / AFP