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Oppositionsproteste in Guinea: Polizei richtet Blutbad unter Demonstranten an

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist schockiert: Sicherheitskräfte haben in der Haupstadt Guineas Conakry eine Demonstration gegen die Militärjunta gestürmt und dabei mindestens 87 Oppositionelle getötet.

Im westafrikanischen Guinea sind bei der gewaltsamen Auflösung einer Oppositionskundgebung mindestens 87 Menschen getötet worden, viele wurden verletzt. Rund 50.000 Menschen hatten im Fußballstadion der Hauptstadt Conakry friedlich gegen den Anführer der Putschisten, Moussa "Dadis" Camara, protestiert. Camara sagte dem französischen Rundfunk, die Schüsse seien das Werk "unkontrollierbarer Elemente" im Militär gewesen.

Bei der Auflösung der Kundgebung ging die Polizei mit scharfer Munition, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. "Sie haben direkt auf die Menschen geschossen. Sie haben versucht, uns zu töten", sagte der ehemalige Ministerpräsident Sidya Toure, der selbst durch Schüsse verletzt wurde, der BBC.

Von mehreren Seiten wurde die Vermutung geäußert, die Junta wolle das Ausmaß des Blutbades vertuschen. Ein Arzt im Universitätskrankenhaus sagte, es seien 58 Tote in das Leichenschauhaus der Klinik gebracht worden. Es habe sich um ein "Gemetzel" gehandelt. Seine Notfallstation sehe aus wie ein "Schlachthaus", sagte ein anderer Krankenhausarzt in Conakry dem britischen Rundfunksender BBC. Ein Arzt eines anderen Krankenhauses sagte, Soldaten hätten mit einem Militärlastwagen Dutzende Leichen abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht. Einem Rot-Kreuz-Mitarbeiter zufolge ordneten Kommandeure an, alle Leichen in das Militärlager Alpha Yaya Diallo, den Sitz der Junta, zu bringen und nicht in Leichenschauhäuser.

Ban verurteilt "exzessive Gewaltanwendung"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "exzessive Gewaltanwendung". Er sei "schockiert" angesichts der vielen Toten und Verletzten. Auch die US-Regierung war nach den Worten eines ranghohen US-Diplomaten "tief besorgt". Washington fordere die Regierung in Conakry zur Zurückhaltung auf. Die Machthaber in Guinea müssten die Sicherheit der einheimischen Bevölkerung und der Ausländer im Land gewährleisten und die Hintergründe der gewaltsamen Auflösung der Kundgebung untersuchen lassen. Das französische Außenministerium verurteilte die "gewaltsame Niederschlagung" der Kundgebung scharf.

Auch zwei Oppositionsführer, die früheren Premierminister Cellou Dalein Diallo und Sidya Touré, wurden nach Angaben der Ehefrau Diallos bei dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte verletzt und anschließend festgenommen. Die beiden seien zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort hätten Soldaten sie festgenommen und dann nach Alpha Yaya Diallo gebracht. Regierungskreise bestätigten beide Festnahmen. Die Häuser der beiden Politiker wurden nach Angaben von Nachbarn von Soldaten geplündert.

Die Demonstranten protestierten gegen die Pläne von Junta-Chef Moussa "Dadis" Camara, bei den für Januar geplanten Präsidentenwahlen selbst anzutreten. Auch die internationale Staatengemeinschaft übt derzeit auf die Junta Druck aus, bei den Wahlen die Macht wie zuvor versprochen wieder an Zivilisten abzugeben. Das Militär hatte am 23. Dezember nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Conté in einem unblutigen Putsch die Macht in dem afrikanischen Land ergriffen.

AFP/DPA / DPA