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Parlamentswahlen in Italien: Hauchdünner Sieg für Prodi

Es war ein wahrer Wahlkrimi: Mit nur einem Zehntelprozent Vorsprung hat das Mitte-Links-Bündnis um Herausforderer Romano Prodi die Parlamentswahlen in Italien gewonnen. Doch das noch offene Ergebnis der Senatswahl könnte Prodis Freude noch trüben.

Das Mitte-Links-Bündnis von Oppositionschef Romano Prodi hat die Wahlen zur Abgeordnetenkammer in Italien mit 49,8 Prozent der Stimmen hauchdünn gewonnen. Die Mitte-Rechts-Allianz von Ministerpräsident Silvio Berlusconi kam auf 49,7 Prozent der Stimmen, teilte das Innenministerium in Rom am frühen Dienstagmorgen mit. "Nur 25.000 Stimmen haben den Ausschlag gegeben", meinten Kommentatoren.

Das Mitte-Rechts-Bündnis "Casa delle Libertá" (Haus der Freiheiten) wollte den Wahlsieg jedoch nicht anerkennen, da das Endergebnis für den Senat noch nicht vorlag. Beobachter sprachen von einer Patt-Situation. Ob Prodi letztlich über eine regierungsfähige Mehrheit verfügt, war am frühen Dienstagmorgen noch unsicher.

"Endlich wieder wachsen"

"Heute schlagen wir ein neues Kapitel auf. Italien muss endlich wieder wachsen", erklärte Prodi vor zahlreichen Anhängern im Zentrum Roms, die begeistert applaudierten und Fahnen schwenkten. "Mitte-Links hat die Wahl gewonnen", sagte Oppositionspolitiker Piero Fassino. Nach dem neuen Verhältniswahlrecht mit einem Bonus für das stärkste Parteienbündnis erhalte das Prodi-Lager im Abgeordnetenhaus mindestens 340 von insgesamt 630 Sitzen, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Vor fünf Jahren hatte das Berlusconi-Lager eine Mehrheit von rund 100 Sitzen in der Abgeordnetenkammer gewonnen.

Im Senat liegt jedoch bisher das Mitte-Rechts-Bündnis vorn. Nach der Auszählung in Italien komme es auf 155 Sitze gegenüber 154 Mandaten für Mitte-Links, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Da jedoch erstmals auch die 2,6 Millionen im Ausland lebenden Italiener wählen durften, die über zwölf Abgeordnete und sechs Senatoren entscheiden, könnte sich dieses Ergebnis noch ändern. Jedoch werde die Stimmauszählung im Ausland mindestens bis zum Morgen dauern, hieß es.

Neuwahlen nicht ausgeschlossen

Falls der frühere EU-Kommissionspräsident Prodi über keine regierungsfähige Mehrheit verfügt, könnte eine technische Regierung unter Leitung von parteiunabhängigen Fachleuten eingesetzt werden, um zumindest eine vorübergehende Regierbarkeit zu sichern, erklärten Experten. Auch Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen.

"Unglaubliche Wahlen"

Die Wahlen in Italien hatten sich im Laufe der Stunden zu einem wahren Krimi entwickelt: Nachdem sich am Nachmittag ersten Wählerbefragungen zufolge eine deutliche Mehrheit für das Mitte- Links-Bündnis von Romano Prodi abzuzeichnen schien, bahnte sich am Abend plötzlich eine Überraschung an. Hochrechnungen ergaben einen knappen Vorsprung für Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Senat, auch in der Abgeordnetenkammer gab es ein immer engeres Kopf-an-Kopf- Rennen zwischen beiden Bündnissen.

Unterdessen wurde die Kritik der Mitte-Links-Allianz an der schleppenden Auszählung der Stimmen immer lauter: "Wir haben keinerlei Erklärung dafür erhalten, warum die offiziellen Daten vom Innenministerium so langsam veröffentlicht werden", beschwerte sich ein Oppositionspolitiker. "Unglaubliche Wahlen", meinte ein Fernsehjournalist.