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US-iranischer Konflikt Persepolis, Schuschtar und Isfahan - diese Kulturstätten sind allen Iranern heilig

Die Scheich-Lotfollāh-Moschee am berühmten Platz des Imams oder auch Königsplatz in Isfahan - der Sakralbau aus dem 17. Jahrhundert gehört zum Unesco-Weltkulturerbe
Die Scheich-Lotfollāh-Moschee am berühmten Platz des Imams oder auch Königsplatz in Isfahan - der Sakralbau aus dem 17. Jahrhundert gehört zum Unesco-Weltkulturerbe
© James Strachan / Picture Alliance
Tempel- und Königsstädte, Klöster und Moscheen, Gärten, sogar hydraulische Bewässerungsanlagen sind noch aus dem antiken Persien erhalten. Und geschützt. Dennoch droht US-Präsident Donald Trump damit, diese kostbaren Kulturstätten anzugreifen.

Viel Aufregung um nichts? Nachdem Donald Trump gleich zweimal damit gedroht hat, im Falle einer militärischen Reaktion gegen den Iran auch nicht vor dessen Kultusstätten halt zu machen, rudert sein Verteidigungsminister Mark Esper zurück: "Wir werden die Gesetze des bewaffneten Konflikts befolgen", sagte er schmallippig. Die Gesetze, die die USA dann doch befolgen wollen, verbieten Angriffe auf zivile Kulturgüter. In anderen Worten: Zumindest absichtlich soll, Stand jetzt, keiner der wichtigen Orte im Iran bombardiert werden – und von denen gibt es reichlich.

Persien war eines der ersten Weltreiche der Geschichte. Es erstreckte sich zeitweise vom heutigen Libyen über Griechenland bis zum Hindukusch und existierte länger als das Imperium Romanum. Bis heute wimmelt es im Iran deshalb von antiken Kulturstätten. Aus Persepolis etwa, der mehr als 2500 Jahre alten Hauptstadt des Reiches, ist zum Beispiel noch die städtische Buchhaltung erhalten. 22 Kulturerbe-Orte zählt die Unesco, darunter das hydraulische Bewässerungssystem von Schuschtar, die verwinkelte Altstadt aus Lehmhäusern von Jasd und der riesige historische Basar von Tabris. Dazu der Königsplatz von Isfahan, die persischen Gärten, die armenischen Klöster sowie prächtige Mausoleen, Moscheen und Paläste.

Große Rolle für iranische Identität

"Diese Orte spielen für die iranische Identität, sowohl von religiösen Menschen als auch Intellektuellen eine große Rolle", sagte Kianoosh Rezania, Professor an der Ruhr-Universität Bochum der Nachrichtenagentur DPA. Für den Experten altiranischer Kultur und Religion ist alleine die Aussprache einer solchen Drohung ein Zeichen dafür, dass es tatsächlich geschehen könnte. Wichtige kulturelle Orte im Iran sieht er beispielsweise in den jahrtausendalten Ruinen von Persepolis. Kaum ein Ort repräsentiert die Kulturgeschichte Irans so symbolisch wie dieser. Aber auch die religiöse Stadt Isfahan mit seinen Moscheen und dem berühmten Platz "Naghsch e Dschahan" (Platz des Iman, früher Königsplatz) stünden symbolisch für iranische Kulturgeschichte.

Neben den Zeugnissen der altpersischen Epoche, gehören auch zwei Naturgebiete sowie Bauten aus der Zeit nach der Islamisierung im siebten Jahrhundert zum Unesco-Welterbe. Sie alle zählen heute zum nationalen Stolz Irans. Eine Zerstörung hätte hohen symbolischen Charakter, Rezania. Die Drohung Trumps das kulturelle Erbe des Irans ins Visier zu nehmen, führe dazu, dass sich nun auch religiöse Schichten mit nichtreligiösen Iranern solidarisieren, sagt der Experte.

Buddhastatuen und Teile von Palmyra zerstört

Im kulturreichen aber kriegsgeplagten Nahen Osten wurde zuletzt die antike Oasenstadt Palmyra teilweise zerstört. Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat hatten 2015 einige den Tempel des Baalschamin zerstört und einen anderen versucht, zu sprengen. 14 Jahre zuvor hatten die radikalislamischen Taliban die riesigen Buddhastatuen im afghanischen Bamijan in die Luft gejagt.


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