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Präsident mit Covid-19 Wer was wann gesagt hat: Rekonstruktion von Donald Trumps Krankheitsverlauf

Sehen Sie die wichtigsten Passagen im Video: "Habe mich nicht gut gefühlt" – Trump meldet sich mit Video aus Klinik.
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Wird Donald Trump am Montag das Krankenhaus verlassen? Und falls ja, in welchem Zustand ist er dann? Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass den Aussagen der Ärzte nicht unbedingt zu trauen ist. Eine Rekonstruktion der Diagnosen.

Schon für den herkömmlichen Durchschnittsbürger ist eine Corona-Infektion mehr als lästig – von der Krankheit einmal ganz abgesehen. Wer mit einer Sars-Cov-2-Diagnose vom Arzt kommt, muss erst einmal alle Kontakte der vergangenen Tage alarmieren. Und die wiederum ihre Leute. Das ist auch beim US-Präsidenten so. Nur, dass der Angestellte dafür hat. Die dürften gerade damit beschäftigt sein, Trumps Gäste in dessen Golfclub in Bedminster, New Jersey, rückzuverfolgen. 200 Personen haben am vergangenen Donnerstag an einer Spendenveranstaltung teilgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war der US-Präsident möglicherweise schon infiziert.

Möglicherweise ist dabei das entscheidende Wort. Offenbar ist das Weiße Haus nicht in der Lage oder nicht willens, einen Zeitpunkt zu benennen, wann genau der mächtigste Mann der Welt das letzte Mal negativ getestet wurde und wann genau er das erste Mal ein positives Testergebnis erhielt. Auch seine Sprecherin machte dazu bis zuletzt keine eindeutigen Angaben. Laut "Wall Street Journal" hat er das Ergebnis eines ersten positiven Schnelltests am Donnerstag zunächst für sich behalten. Angeblich auch, als er die Infektion seiner Beraterin Hope Hicks bei Fox News bestätigte.

Positiv-Meldung am späten Donnerstagabend

Offiziell hatte Trumps Arzt Sean Conley in der Nacht zu Freitag (Ortszeit) verkündet, dass der 74 Jahre alte Präsident und First Lady Melania Trump positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Zunächst hieß es, beide würden nur "milde Symptome" aufweisen – diese Darstellung aber schien nicht zu stimmen, wie die Ärzte später einräumen mussten. Auch passten die verschriebenen Medikamente eher zu einem heftigen als zu einem milden Verlauf, wie Experten im Laufe des Wochenendes befanden.

Stand Freitagabend, Washingtoner Zeit: Eine der wichtigsten Mitarbeiter des US-Präsidenten ist an Covid-19 erkrankt. Auch sein Schnelltest ist positiv, dennoch reist er zu einem Treffen mit Spendern, bei dem Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden (können). "Es wurde befunden, dass es sicher für den Präsidenten ist, dorthin zu reisen", sagte Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany später. Das hilft allerdings denen nicht, die sich in der Nähe Trumps aufhalten werden oder müssen.

"Heute Morgen geht es dem Präsidenten sehr gut"

Die Trump-kritische "Washington Post" schreibt, man könne diesem Weißen Haus nicht vertrauen, dass es wahrheitsgemäß über Trumps Gesundheitszustand informiere. Selbst tendenziell Trump-freundliche Journalisten zeigen sich inzwischen genervt vom laxen Umgang mit der Wahrheit in der Regierungszentrale.

Nachdem Trump per Helikopter in das Krankenhaus nördlich der US-Hauptstadt gebracht worden war, hieß es, der Aufenthalt sei nur vorbeugend. Am Samstag sagte Leibarzt Conley: "Heute Morgen geht es dem Präsidenten sehr gut. Zum jetzigen Zeitpunkt sind das Team und ich sehr zufrieden mit dem Fortschritt, den der Präsident gemacht hat." Trotz seines Optimismus wich er wiederholt der Frage aus, ob Trump zusätzlichen Sauerstoff bekommen habe. Nur wenig später war es ausgerechnet Mark Meadows, der Stabschef des Präsidenten, der der versammelten Presse verriet, Trumps Zustand sei zwischenzeitlich "besorgniserregend" gewesen.

Nach einigem Hin und Her räumte Sean Conley dann doch ein, dass die Sauerstoffwerte des Präsidenten zwei Mal gefallen seien. Am späten Freitagmorgen habe Trump hohes Fieber gehabt, und die Sauerstoffsättigung seines Bluts sei unter 94 Prozent gesunken. Trump sei deshalb zusätzlicher Sauerstoff verabreicht worden. Am Samstag sei seine Sauerstoffsättigung erneut auf rund 93 Prozent gefallen. Wenn die Lunge bei einer Covid-19-Erkrankung angegriffen wird, wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt.

Was genau wünscht Donald Trump? 

Die "New York Times"-Journalistin Maggie Haberman schrieb über Conleys Auftritt vom Samstag, der Arzt habe seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. "Das liegt zum Teil daran, dass er den Wünschen eines Patienten nachkommt, der nicht will, dass die Information über gestern offengelegt wird." Sein ganzes Leben lang habe Trump eine Phobie vor Krankheiten und ein extremes Misstrauen gegenüber Krankenhäusern gehabt. "Er wäre nicht in ein Krankenhaus gegangen, wenn es ihm relativ gut ginge."

Sonntag also mussten die Ärzte einräumen, dass der Verlauf der Krankheit schwerer war als zunächst dargestellt. Dennoch stellte der Arzt Brian Garibaldi eine baldige Entlassung aus der Klinik in Aussicht. Sollte es Trump weiterhin so gut gehen, "hoffen wir, dass wir für eine Entlassung ins Weiße Haus bereits morgen planen können".

Später an seinem möglichweise vorletzten Tag sagte Trump in einem Twittervideo: "Das ist die wahre Schule." Es sei etwas anderes als nur darüber zu lesen. "Ich verstehe es, und es ist eine sehr interessante Sache, ich werde es Euch wissen lassen. In der Zwischenzeit lieben wir die USA und lieben das, was passiert", sagte er – ohne zu verdeutlichen, was er genau damit meinte.

Quellen: DPA, AFP, "New York Times", "Washington Post", Donald Trump auf Twitter


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