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Presseschau zu Paul Ryan Wahlkampf wird zur Grundsatzdebatte


Im Rennen um die US-Präsidentschaft hat Mitt Romney einen harten Sparfuchs zur Nummer zwei gemacht. Kann die Rechnung aufgehen? In den europäischen Zeitungen gehen die Meinungen weit auseinander.

Mit Paul Ryan als Vizekandidat hat der republikanische Präsidentenbewerber Mitt Romney Amtsinhaber Barack Obama bei der US-Wahl im November herausgefordert. Am Samstag stellte er den wirtschaftsliberalen Kongressabgeordneten und radikalen Sparer als seinen "Running Mate" vor. Eine weise Entscheidung? Die Kommentatoren der europäischen Zeitungen sind sich alles andere als einig.

"Le Figaro" (Frankreich)

Die konservative Pariser Zeitung "Le Figaro" begrüßt die neue Klarheit, die die Ernennung Ryans in den Präsidentenwahlkampf bringt:

"Mit seinem Vizekandidaten Paul Ryan kann Mitt Romney nun ein wirklich alternatives Programm vorstellen, dass dem des Amtsinhabers Barack Obama diametral entgegengesetzt ist. Der Auftritt dieses Theoretikers einer konservativen Haushaltsführung, die den neuen Parteigängern der Republikaner entgegenkommt, elektrisiert den Wahlkampf und macht aus dem Urnengang im November ein Duell zwischen zwei radikal unterschiedlichen Konzepten über die Zukunft Amerikas: Dem von Obama vertretene fürsorgenden Staat steht ein neues Konzept über eine bescheidene Rolle des Bundesstaates gegenüber, wodurch neuer Wohlstand geschaffen werden soll. Mitt Romney setzt darauf, den Wettkampf um das Weiße Haus zu einer Grundsatzdebatte zu machen."

"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz)

Die "Neue Zürcher Zeitung" glaubt, dass gerade die ideologische Zielstrebigkeit von Paul Ryan dem US-Wahlkampf neuen Zündstoff geben könnte:

"Romneys Entscheidung ruft in diesem an Ideen und Aufrichtigkeit bisher so armen Wahlkampf unvermittelt in Erinnerung, dass der Urnengang eigentlich Anlass sein sollte, eine nationale Debatte über die Herausforderungen der Zukunft zu führen. Was die finanzielle Schieflage der Sozialwerke betrifft, so verkörpert Ryan einen ersten konkreten, wenn auch noch unausgegorenen Reformvorschlag, während Präsident Obama dazu den Kopf bisher in den Sand steckte. Ryan ist im Urteil der "National Review" ein Ideologe im besten Sinne - jemand, der von Ideen angetrieben werde und wisse, was er glaube und warum. Das sind Qualitäten, die das republikanische Fussvolk bei Romney lange schmerzlich vermisst hat."

"Der Standard" (Österreich)

Die liberale Wiener Zeitung "Der Standard" sieht die Ernennung dagegen als Glücksfall für das Team Obama:

"Mit Romney und Ryan haben die Demokraten nun Gegner, die der eigenen Klientel das Fürchten lehren. Alte, Frauen, Studenten und Unabhängige werden nicht zufällig in einem ersten Spot der Demokraten erwähnt, der Ryan dämonisieren soll. Werte? Ja, aber auch Furcht. Sie mobilisiert und öffnet Geldbörsen. Etwas Besseres hätte Obama nicht passieren können."

"Frankfurter Rundschau" (Deutschland)

Die "Frankfurter Rundschau" glaubt nicht daran, dass Paul Ryan als Vize-Kandidat die Dynamik des US-Wahlkampfes grundlegend verändern kann:

"Der erzkonservative Abgeordnete wird von den Anhängern der Tea Party hoch geschätzt und hat im Repräsentantenhaus den berüchtigten Haushaltsplan eingebracht (...) Romney riskiert also einiges. (...) Viel nutzen wird es jedoch nicht. Das hat weniger mit Ryan zu tun - als mit einer wichtigen Erfahrung der letzten Jahrzehnte. Der Vize-Kandidat ändert die Dynamik des Rennens nicht. Im besten Fall kann er dazu beitragen, seinen Heimatstaat zu gewinnen. Denn die Wähler interessieren sich am Ende nur für den Kandidaten und den Mann, den er schlagen will: den Präsidenten. Deren unterschiedliche Politikkonzepte sind schon jetzt - ohne Ryan - markant."

jwi/DPA/AFP DPA

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