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Protest gegen Rentenreform: Frankreich geht auf die Straße

Beim Streiken sind die Franzosen alles andere als zurückhaltend: Präsident Nicolas Sarkozy will das Mindestalter für den Renteneintritt auf 62 anheben - und rund zwei Millionen Menschen gehen auf die Straße. Auf Bahnhöfen und Flughäfen kommt es zu vielen Ausfällen, auch Verbindungen nach Deutschland sind betroffen.

Bei den größten Massenprotesten in Frankreich seit Jahren sind am Dienstag mehr als eine Million Menschen gegen die Rentenreform der konservativen Regierung auf die Straße gegangen. Das Innenministerium sprach von landesweit 1,12 Millionen Teilnehmern, die Gewerkschaften sogar von mindestens 2,5 Millionen. Das Parlament beriet über das Projekt zur Erhöhung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre.

Die Proteste richten sich vor allem gegen die Anhebung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre. Mit dem Umbau will Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy einen Kollaps des Rentensystems verhindern und das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen. Die Umfragewerte Sarkozys liegen derzeit jedoch nur knapp über ihrem Allzeit-Tief.

Die Gewerkschaft CFDT sprach am frühen Abend nach Beginn der Hauptkundgebung in Paris von rund 2,5 Millionen Teilnehmern an Streiks und Protestkundgebungen im ganzen Land, die Gewerkschaft SUD sogar von mehr als drei Millionen. Das Innenministerium nannte zwar eine deutlich niedrigere Zahl bei den rund 220 Protestaktionen, zählte aber fast genauso viele Teilnehmer wie bei den großen Rentenprotesten im Jahr 2003 mit 1,13 Millionen Menschen. Damit hätten die Gewerkschaften ihr Ziel erreicht, den Druck auf die konservative Regierung von Sarkozy noch einmal zu erhöhen.

Auch Verkehr nach Deutschland betroffen

Im Pariser Nahverkehr kam es durch die Streiks zu Behinderungen, die U-Bahn fuhr nur eingeschränkt, die S-Bahn zum Flughafen Charles de Gaulle fiel komplett aus. Dort und am Flughafen Orly sollte bis zum Abend jeder vierte Flug gestrichen werden. Bei der Staatsbahn SNCF beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben gut die Hälfte der Beschäftigten an dem Streik - betroffen waren davon vereinzelt auch Verbindungen mit den Hochgeschwindigkeitszügen zwischen Deutschland und Frankreich, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Gestreikt wurde auch im Öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern, an Schulen, bei Medien sowie in Banken, der Industrie und bei France Télécom.

Verkehrschaos auch in London

Auch in einer anderen europäischen Metropole wird gestreikt: In London legten die Bediensteten der U-Bahn am Dienstagmorgen ihre Arbeit nieder. Dort kam es im morgendlichen Berufsverkehr ebenfalls zu großen Behinderungen: Millionen von Pendlern mussten auf Busse, Fahrräder und Themse-Boote ausweichen, kamen häufig aber dennoch nicht rechtzeitig zur Arbeit. Viele Straßen waren blockiert, weil Pendler versuchten, mit dem Auto voranzukommen. Mit dem Ausstand will das U-Bahn-Personal den Abbau von 800 Stellen an den Ticketschaltern verhindern. Die Zahl der Fahrkartenverkäufer soll zurückgefahren werden, weil immer mehr Londoner ihre Dauer-Fahrkarten am Automaten oder online aufladen.

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DPA/AFP/be/fw / DPA