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Proteste in Syrien: Opposition will die Gunst der Stunde nutzen

Am Rande der Freitagsgebete hat die syrische Opposition zu großen Protesten aufgerufen, die unter den Augen der Beobachter der Arabischen Liga stattfinden sollen. Die Aufständischen wähnen ihre Chance, der Erfolg der Friedensmission wird jedoch an anderer Stelle bezweifelt.

Die syrische Opposition hat zu Demonstrationen am Rande der Freitagsgebete aufgerufen. "Wir planen große Proteste morgen", sagte ein Aktivist aus der Widerstandshochburg Idlib am Donnerstagabend. Die Menschen sollten auf die Straße gehen und den Beobachtern der Arabischen Liga ihre Lage vor Augen führen. "Wir wissen, dass das Blutvergießen nicht allein deshalb enden wird, weil sie da sind", sagte ein weiterer Oppositionsvertreter aus Hama über die Vertreter der Arabischen Liga, die seit Mittwoch im Land unterwegs sind. "Aber wenigstens werden sie es sehen."

Blutvergießen trotz Beobachter

Vor dem Hintergrund anhaltender Gewalt in Syrien äußerten sich die USA zurückhaltend über den bisherigen Erfolg der Beobachtermission. "An einigen Orten, an denen die Beobachter unterwegs sind, sehen wir positive Signale, aber sie reichen nicht aus", sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Donnerstag in Washington. Derweil gehe das Regime weiter gewaltsam gegen das eigene Volk vor.

Nuland hob jedoch hervor, dass erst ein Teil der von der Arabischen Liga vorgesehen 150 bis 300 Beobachter im Land unterwegs sei. "Wir sollten sie weiter versuchen lassen, ihre Leute zu entsenden und dann sehen, ob ihre Zahl ausreicht", sagte sie.

Landesweit wurden am Donnerstag nach Angaben Oppositioneller mindestens 29 Menschen von Regierungstruppen getötet, viele in den Protesthochburgen Homs und Hama. Am Stadtrand von Damaskus sollen Sicherheitskräfte des Regimes von Präsident Baschar al-Assad das Feuer auf Demonstranten eröffnet haben, als eine Delegation von Beobachtern der Arabischen Liga in die Gegend kam.

Aktivisten äußerten heftige Kritik an der Friedensmission. Vor allem Bemerkungen des Missionschefs Mustafa al-Dabi sorgten für Empörung unter den Assad-Gegnern. Der sudanesische General war nach einem Besuch in der seit Wochen unter Beschuss stehenden Stadt Homs mit der Aussage zitiert worden, dass er dort nichts Besorgniserregendes gesehen habe.

Sheikh Anas Airut vom Nationalrat der syrischen Opposition sagte in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur dpa aus der Türkei, diese Einschätzung sei "sehr enttäuschend". Das Assad-Regime spiele allen etwas vor. "Das ist eine Tragödie."

General al-Dabi wiederum bat die Oppositionsaktivisten um mehr Zeit, bevor die Arbeit der Beobachter kritisiert werde, wie die dpa aus dem Umfeld der Delegation erfuhr.

Ende Dezember sollen zwischen 150 und 200 Beobachter in Syrien sein. Sie sollen bis Ende Januar den Rückzug der Armee aus den Städten und die Freilassung der politischen Gefangenen überwachen. Ziel ist ein Ende des Blutvergießens. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März wurden laut UN-Schätzungen mehr als 5000 Menschen getötet.

tmm/Reuters / Reuters