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Sacharow-Preis für Raif Badawi: "Er hatte gehofft, den Preis selbst entgegennehmen zu können"

In Straßburg wird dem inhaftierten saudischen Blogger Raif Badawi der Sacharow-Preis für geistige Freiheit verliehen. Seine Frau Ensaf Haidar nimmt die Auszeichnung entgegen - und lässt die Öffentlichkeit wissen, wie sich der 31-Jährige gerade fühlt.

Ensaf Haidar kämpft für die Freilassung ihres Ehemannes Raif Badawi

Ensaf Haidar kämpft für die Freilassung ihres Ehemannes Raif Badawi. Der Blogger sitzt seit 2014 in Saudi-Arabien im Gefängnis.

Heute ist ein wichtiger Tag für Raif Badawi: Der saudi-arabische Blogger ist in Straßburg mit dem renommierten Sacharow-Preis des EU-Parlaments "für die geistige Freiheit" ausgezeichnet worden. Entgegennehmen konnte er ihn jedoch nicht - Badawi sitzt in seinem Heimatland im Gefängnis. Seine Frau Ensaf Haidar nahm den Preis für ihn in Empfang. Sie ist in diesen Tagen sein einziges Sprachrohr, gibt Einblicke in die abgeschirmte Welt, in der Badawi sich derzeit befindet.

"Ich höre an seiner Stimme, dass er sehr müde ist, dass seine Stimmung schlecht ist", sagte die im kanadischen Exil lebende Haidar im Interview mit der "Tagesschau". Vor etwa zehn Tagen habe sie zuletzt telefonischen Kontakt mit ihrem Mann gehabt. Seine Gesundheit sei "in einem sehr schlechten Zustand".

Ensaf Haidar im Interview, die Frau des saudischen Bloggers Raif Badawi


Haidar kämpft für Freilassung Badawis

Über die Auszeichnung habe er sich sehr gefreut, sagte Haidar. Doch die Gefühle seien gemischt gewesen. "Er hatte gehofft und ich hatte es auch gehofft, dass er selbst es sein könnte, der diesen Preis persönlich mit seinen Händen entgegennehmen würde."

Haidar wiederholte ihre Forderung, dass ihr Mann aus dem Gefängnis entlassen wird. "Alles, was ich will, ist, dass Raif das Gefängnis verlässt, dass er frei sein wird und unter uns weilen wird", sagte sie. "Ich überzeuge mich immer wieder, optimistisch zu bleiben."

Vergangene Woche hatte Haidar erklärt, Badawi sei in ein anderes, isoliertes Gefängnis verlegt worden - was bedeute, dass sein Fall abgeschlossen worden sei. Der 31-Jährige sei deswegen in einen Hungerstreik getreten. 

Raif Badawis Gedanken in einem Buch

Der Blogger verbüßt im islamisch-konservativen Saudi-Arabien eine zehnjährige Haftstrafe wegen angeblicher Beleidigung des Islams. Außerdem wurde der 31-Jährige zu 1000 Stockhieben verurteilt. Die ersten 50 Stockhiebe hatte er im Januar erhalten. Dagegen gab es weltweit Proteste. Die weitere Vollstreckung wurde ausgesetzt, offiziell aus Gesundheitsgründen.

Das Buch von Raif Badawi ist am 1. April im Ullstein Verlag erschienen

Das Buch "1000 Peitschenhiebe - Weil ich sage, was ich denke" von Raif Badawi ist am 1. April im Ullstein Verlag erschienen

Badawi hatte Online-Foren gegründet und betrieben, auf denen Politik, Religion und Freiheit in Saudi-Arabien kritisch diskutiert wurden.

Wegen seiner liberalen Ansichten wurde Badawi 2012 verhaftet. Saudi-Arabien folgt in seiner Rechtsprechung einer strikten Interpretation der islamischen Scharia. Badawi hatte unter anderem Kritik an der saudischen Religionspolizei geübt. 

Im April dieses Jahres erschien im Ullstein Verlag das Buch "1000 Peitschenhiebe -Weil ich sage, was ich denke". Die Streitschrift sammelt die zentralen, verbotenen Texte Badawis. Herausgeber ist der Journalist Constantin Schreiber.

kis mit DPA