Rama Yade Wirbel um die Schöne in Sarkozys Kabinett


Als Nicolas Sarkozy die gebürtige Senegalesin als erste Schwarze in die französische Regierung holte, waren die Neider nicht weit: Sie sei eine "arrogante Zicke". Doch mit ihrer Kritik am Gaddafi-Besuch verschafft sie sich Respekt, jetzt wurde sie sogar zum Covergirl.

Am Donnerstag zierte das Gesicht von Rama Yade, Frankreichs Staatssekretärin für Menschenrechte, die Titelseite von "Le Point", dem angesehenen französischen Nachrichtenmagazin. Und was für ein Gesicht: Die gebürtige Senegalesin ist von außergewöhnlicher Schönheit und die erste Schwarze in einer französischen Regierung. Als Präsident Nicolas Sarkozy sie in sein Kabinett berief, ließen die Stimmen der Neider nicht lange auf sich warten: Sie sei eine "arrogante Alibifrau". Mit einem dramatischen Appell für die Menschenrechte hat sie zum umstrittenen Besuch des libyschen Herrschers Muammar al-Gaddafi in Paris nun für Aufsehen gesorgt.

Die Ankunft Gaddafis ausgerechnet am internationalen Tag der Menschenrechte sei "skandalös", schimpfte Yade in einem Interview mit "Le Parisien" am vergangenen Montag. "Gaddafi muss begreifen, dass unser Land kein Fußabtreter ist, auf dem sich ein Staatsführer, ob Terrorist oder nicht, das Blut seiner Untaten abstreifen kann." Es ist nicht das erste Mal, dass Yade die Stimme gegen den Staatschef erhebt. Dass sie an Sarkozys jüngster China-Reise nicht teilnehmen durfte, sei zumindest "auffällig", hatte sie der Presse lanciert. Soweit wie im Fall Gaddafis sei Yade aber noch nie gegangen, schreibt "Le Point".

Inwieweit war Yades Schmähruf mit dem Élyséepalast abgesprochen? Einig sind sich Beobachter, dass es aus dem Präsidialamt zumindest grünes Licht für einen "Hinweis" auf den Tag der Menschenrechte gegeben haben muss. Sarkozy habe der Opposition und Menschenrechtlern den Wind aus den Segeln nehmen müssen, heißt es. Sie werfen ihm vor, den geächteten Gaddafi salonfähig zu machen. Aber Frankreich als "Fußabtreter"? Der Tritt vors Schienbein Sarkozys hätte für Yade auch das Aus bedeuten können. Noch am Montagvormittag bestellte der Präsident sein Kabinettsküken in den Élysée. Sie solle mit ihrer Kritik künftig bitte "im Rahmen" bleiben. Mehr aber auch nicht.

Kabinettküken musste zum Rapport

"In seinem tiefsten Innern liebt er sie", zitiert "Le Monde" einen Vertrauten Yades. Sarkozy dürfte auch weniger gefühlige Gründe haben: In sein Kabinett berief der Konservative profilierte Linke wie den "Ärzte-ohne-Grenzen"-Gründer Bernard Kouchner. Die eloquente Ex-Parteisprecherin Yade holte er als Signal an Frankreichs schwarzafrikanische Bevölkerung. Jetzt muss Sarkozy zeigen, dass seine Regierung das Stimmengewirr aushält.

Mit ihrer Breitseite gegen Gaddafi dürfte Yade, die als Diplomaten-Tochter behütet in einem Pariser Vorort aufwuchs und eine Eliteausbildung am Institut für politische Wissenschaften absolvierte, so manchem Franzosen aus dem Herzen sprechen. Noch bis Samstag will der exzentrische Libyer in Paris bleiben. Ob Sarkozy und Gaddafi die Menschenrechtslage in Libyen besprochen haben, bleibt ungewiss. Ja, beteuert Sarkozy. Nein, entgegnet der Libyer und dreht den Spieß um: Ob denn etwa Einwanderer in Frankreich Menschenrechte genössen? Diese Frage könnte er mit Yade trefflich diskutieren. Doch eine Begegnung ist nicht geplant.

Dorothée Junkers/DPA DPA

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