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RASSISMUS: Stress, Streik und Kakerlaken

Vor der Küste patrouillieren Marine-Boote, am Flughafen werden die roten Teppiche ausgerollt: In der südafrikanischen Küstenstadt Durban beginnt heute die UN-Weltkonferenz gegen Rassismus.

Vor der Küste patrouillieren Marine-Boote, am Flughafen werden die roten Teppiche ausgerollt: In der südafrikanischen Küstenstadt Durban begann bereits am Mittwoch der Endspurt der Vorbereitungen auf die UN-Weltkonferenz gegen Rassismus.

Das Tagungszentrum am Indischen Ozean, in dem heute die achttägige Mammutveranstaltung mit rund 14 000 Teilnehmern beginnt, ist mittlerweile Gelände der Vereinten Nationen. UN-Generalsekretär Kofi Annan nahm es am Mittwoch offiziell in Empfang. Am Flughafen konnte bei seiner Ankunft schon mal das Zeremoniell für die erwarteten 20 Staats- und Regierungschefs geübt werden.

Dazu dürfte mit ziemlicher Sicherheit Kubas Präsident Fidel Castro gehören. Über das Erscheinen von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat wurde in Durban spekuliert. Die Sicherheitskräfte sind derweil schon im Stress. Denn ausgerechnet im Vorfeld der Konferenz begann am Mittwoch ein landesweiter zweitägiger Generalstreik, mit dem rund vier Millionen Menschen gegen die Privatisierungspläne der Regierung demonstrieren wollen. Am Eröffnungstag selbst soll ein Protestmarsch gegen Rassismus mit 200 000 Teilnehmern stattfinden. Zwischenfälle wie in Italien beim G-8-Gipfel in Genua sollen unter allen Umständen vermieden werden.

Vier Boote und zwei Helikopter der Küstenwache sorgen dafür, dass Durban von der Wasserseite abgesichert ist, der

Luftraum über dem Konferenzort wurde abgeriegelt, mehrere Straßen gesperrt. Während sich die ersten Delegierten und Journalisten über Organisationsmängel und hoffnungslos überteuerte, mit Kakerlaken verseuchte Unterkünfte beklagten, setzten angereiste Gruppen mit Palästinensertüchern, Stirnbändern, Plakaten und Musik bereits erste Akzente.

USA schicken doch noch Delegation

Die USA schicken doch noch eine Delegation zur Rassismus-Konferenz in Südafrika. Es handelt sich nach Angaben des Washingtoner Außenministeriums um einen letzten Versuch, die beanstandeten kritischen Formulierungen über Israel aus den Konferenzdokumenten zu tilgen.

Wie US-Außenamtssprecher Richard Boucher mitteilte, wird die kleine Delegation von Michael Southwick, dem stellvertretenden Abteilungsleiter des Außenministeriums für internationale Organisationen, geleitet. Falls es gelinge, die »anstößigen Textstellen« auszumerzen, sei eine volle Konferenzbeteiligung möglich. Wie diese aussehen würde, könne noch nicht gesagt werden.

Auch Israel vermutlich dabei

Auch Israel wird nun voraussichtlich doch an der UN Konferenz gegen Rassismus in Durban teilnehmen. Dies berichtet die gewöhnlich gut unterrichtete Tageszeitung »Haaretz« in ihrer Ausgabe vom Donnerstag. Nach Angaben des Blattes wird die Regierung in Jerusalem vermutlich jedoch mit einer weniger ranghohen Delegation nach Südafrika reisen, als ursprünglich geplant. Israel hatte - zusammen mit den USA - heftig gegen die Pläne vor allem arabischer Staaten protestiert, die auf der Tagung den Zionismus als Form von Rassismus auf die Tagesordnung setzen wollten.

Wie das Blatt unter Berufung auf den stellvertretenden Außenminister Michael Melchior berichtete, steht noch nicht fest, ob er selbst an dem Treffen teilnimmt. In Jerusalem habe man sich jedoch grundsätzlich für eine Teilnahme entschieden, nachdem nun möglicherweise auch die USA eine, wenn auch weniger prominente Delegation nach Südafrika entsenden wollten.

Die US-Regierung hatte, nicht zuletzt auf Druck jüdischer Organisationen in den USA, am Wochenende einen Boykott der Konferenz verkündet, so lange dort die Gleichsetzung von Zionismus und Rassismus auf der Tagesordnung stehe. Der Zionismus bildete die ideologische Grundlage für die Gründung des Staates Israel als Zufluchtstätte für Juden aus aller Welt. Die UN-Vollversammlung hatte Mitte der 70er Jahre in einer Resolution Zionismus auf Druck der arabischen Welt mit Rassismus gleichgesetzt und diese Resolution erst nach beginn des Nahost-Friedensprozess zurückgenommen.