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Reaktionen: Bestürzung über Lindhs Tod

Entsetzen, Beleid, Schweigeminuten - der Tod der schwedischen Politikerin bewegt ihre Kollegen europaweit.

Mit Bestürzung ist die Nachricht vom Tod der schwedischen Außenministerin Anna Lindh im In- und Ausland aufgenommen worden. Schwedens Ministerpräsident Göran Persson bezeichnete den Tod der populären Politikerin als "ungeheure Tragödie" für ihre Famile und für ganz Schweden. Dem sonst so bulligen schwedischen Regierungschef Göran Persson liefen die Tränen über die Wangen, als er seinen Landsleuten den Tod ihrer Außenministerin Anna Lindh mitteilte. Der Mord an der 46-jährigen, äußerst beliebten Politikerin ist "im Grund noch so unwirklich", sagte er dem Volk am Donnerstag erschüttert über das Fernsehen. Auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf brachte seine Trauer zum Ausdruck.

Vor dem Eingang der Karolinska-Klinik, wo Ärzte vergeblich versucht hatten, das Leben der Schwerverletzten zu retten, wehte die Flagge auf Halbmast, weinende Menschen legen Blumen nieder. "Wir denken an Dich, Anna Lindh", schrieben Jugendorganisationen politischer Parteien auf ein Spruchband. Büros blieben geschlossen, Internetseiten von Medien brachen wegen Überlastung zusammen. "Das Leben hier steht still", berichteten zwei in Stockholm lebende Deutsche.

Deutscher Bundestag legte Schweigeminute ein

Der Bundestag legte eine Schweigeminute für die am frühen Donnerstagmorgen nach einem Messer-Attentat vom Vortag gestorbene Politikerin ein. "Ich kann nur unseren Abscheu vor dieser Tat ausdrücken und den Angehörigen unser Mitgefühl aussprechen", sagte Bundestagspräsident Thierse, als er die Bundestagsberatungen kurzzeitig unterbrach. Die Bundesregierung zeigte sich "schockiert". "Wir haben eine große Europäerin, eine große Außenministerin, aber auch eine gute Freundin verloren", sagte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) am Donnerstag in Berlin. "Unsere Gedanken sind bei der Familie", aber auch bei den Kollegen im schwedischen Kabinett. Die Bundesregierung hoffe, "dass der Mörder schnell gefasst wird".

Bundespräsident Rau schickte ein Beileidstelegramm an Schwedens König Carl Gustav. "Ich habe Frau Lindh als kenntnisreiche und sympathische Politikerin und überzeugte Europäerin kennen und schätzen gelernt", schrieb Rau. Lindh habe das "helle, engagierte Schweden" repräsentiert. Ihr Tod mache ihn fassungslos.

Bundeskanzler Schröder sagte, Lindhs Tod sei ein großer Verlust für Schweden und Europa. "Sie ist eine wirklich großartige Frau gewesen, die gradlinig ihre Politik verfolgt hat." In einem Beileidstelegramm an Schwedens Regierungschef Göran Persson schrieb Schröder, Lindhs Einsatz für Frieden und Menschenrechte weltweit und für die europäische Einigung werde fehlen.

Skandinavien: Angriff auf offene Gesellschaft

Norwegens Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik sagte in Oslo: "Dies ist auch ein schrecklicher Angriff auf unsere offene Gesellschaft in Skandinavien." Der finnische Regierungschef Matti Vanhanen hob heraus, dass der Tod Lindhs "ein großer Verlust für die internationale Zusammenarbeit" sei. Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen sagte, er sei erschüttert und bezeichnete Lindh als kompetente, respektierte und engagierte Vertreterin Schwedens.

Europäische Institutionen: "Wirkliche Europäerin"

Auch der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments gedachte der ermordeten schwedischen Außenministerin und großen Euro-Befürworterin mit einer Schweigeminute. Die Vorsitzende des Parlamentsausschusses, Christa Randzio-Plath, würdigte Anna Lindhs europäisches Engagement.

Der außenpolitische Beauftragte der Europäischen Union, Javier Solana, würdigte Lindh als "eine wirkliche Europäerin und eine gute Freundin". Weiter betonte Solana in Brüssel: "Europa und der Ministerrat, den sie so gut geleitet hat, haben eine eindrucksvolle und engagierte Persönlichkeit verloren." Der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, erklärte: "Wir werden uns ihrer erinnern als einer engagierten, mutigen und intelligenten Politikerin, vor allem aber als einer herzlichen und großzügigen Person."

"Wir werden uns ihrer erinnern als einer engagierten, mutigen und intelligenten Politikerin, vor allem aber als einer herzlichen und großzügigen Person." waren die Worte des EU-Kommisions-Präsidenten Romano Prodi.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan nannte die Verstorbene eine "große Außenministerin, eine große Schwedin und eine große Europäerin". "Ich habe eine enge Freundin verloren, und das haben auch die Vereinten Nationen", so Annan, der selbst mit einer Schwedin verheiratet ist.

Außenminister von Großbritannien, Frankreich, Belgien, Polen, Italien und Österreich trauern um Kollegin

Der britische Außenminister Jack Straw sprach von einer "schrecklichen Tragödie". "Anna war eine gute Freundin von mir", sagte der sichtlich erschütterte Straw. "Das ist ein entsetzliches Ereignis. Sie stand für alles, was an Schweden und Europa wunderbar ist." Auch der französische Präsident Jacques Chirac äußerte sich bestürzt über den Mord und brachte seine "große Trauer" in einem Telefongespräch mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Göran Persson zum Ausdruck.

Der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt erklärte fest: "Anna Lindh war eine allseits akzeptierte europäische Kollegin, die einem furchtbaren Anschlag zum Opfer fiel." Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner nahm nach eigenen Worten die Todesnachricht "mit großer persönlicher Betroffenheit" auf. "Sie war voll von Lebensfreude und dynamischem Engagement für die Ziele der Europäischen Union. Im Geist bleibt Anna Lindh weiter unter uns", hieß es in einer Mitteilung des Außenamtes in Wien.

Mit Entsetzen hat der polnische Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz auf den gewaltsamen Tod seiner schwedischen Amtskollegin Anna Lindh reagiert. "Anna Lindh war eine echte Ausnahmepersönlichkeit, sehr weise, sehr scharfsinnig, sehr freundlich", sagte er am Donnerstag. "Das ist eine schreckliche, schockierende Nachricht." Im polnischen Sejm fand eine Schweigeminute statt. Italiens Außenminister Frattini wünschte sich "dass die Verantwortlichen dieses abscheulichen Mordes sofort ausgeforscht und bestraft werden."

Beileidsbekundungen sogar aus Südafrika

Südafrikas Regierung hat den gewaltsamen Tod der schwedischen Außenministerin Anna Lindh mit Trauer und Bestürzung aufgenommen. Die 46-jährige Sozialdemokratin wurde am Kap als "große Freundin Südafrikas" und engagierte Friedens-Aktivistin gesehen, heißt es in einem Kondolenzschreiben von Präsident Thabo Mbeki und Außenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma. Darin heißt es: "Den größten Tribut, den wir Anna zollen können, ist eine Verdoppelung unserer Anstrengungen, um ihre Vision von der Schaffung einer besseren und sicheren Welt zu erfüllen, in der wir alle ohne Frucht vor anderen Menschen in Frieden und Harmonie leben können."