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Referendum zu Unabhängigkeit Cameron beschwört Schotten, im Königreich zu bleiben


Den Briten schwant allmählich Übles. Schon in wenigen Tagen könnte das United Kingdom zerbrechen. Premierminister Cameron fleht die Schotten nun an, sich gegen eine Unabhängigkeit zu entscheiden.

Der britische Premierminister David Cameron hat vor dem Unabhängigkeitsreferendum kommende Woche eindringlich an die Schotten appelliert, Teil Großbritanniens zu bleiben. "Es würde mir das Herz brechen, wenn diese Familie der Nationen auseinandergerissen würde", sagte Cameron am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Edinburgh. "Dies ist etwas völlig anderes als eine Parlamentswahl. Dies ist keine Entscheidung für fünf Jahre, sondern eine Entscheidung über das nächste Jahrhundert." Zugleich bekräftigte der Regierungschef, dass Schottland im Falle einer Abspaltung das britische Pfund nicht weiter als Währung verwenden könne.

Neben Cameron warben am Mittwoch auch der Oppositionsführer von der Labour-Partei, Ed Miliband und der Chef der mitregierenden Liberaldemokraten, Nick Clegg, auf getrennten Veranstaltungen für einen Verbleib Schottlands. Der schottische Regierungschef Alex Salmond sprach von einer Panikreaktion der Politiker aus London, die nur den Befürwortern der Unabhängigkeit etwas nützen werde. Unter den Schotten sei Cameron der unpopulärste Chef der Konservativen in der Geschichte. Miliband sei der Labour-Chef, dem am meisten misstraut werde.

Premier hatte sich bisher nicht geäußert

Cameron hatte sich bislang aus der Debatte über eine Loslösung Schottlands nach mehr als 300 Jahren weitgehend herausgehalten. Dahinter steht die Befürchtung, dass seine Herkunft aus der englischen Oberschicht und seine konservativen politischen Ansichten bei den allgemein stärker linksgerichteten Schotten nicht gut ankommen würden. Von den 59 schottischen Sitzen im Londoner Unterhaus wird nur einer von der Konservativen Partei Camerons gestellt.

Allerdings hat das "Nein"-Lager in den vergangenen Wochen deutlich an Boden verloren. Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage könnte allerdings den Unionisten etwas Luft verschaffen. Laut der Befragung von Survation für die Zeitung "Daily Record" sind 53 Prozent gegen eine Abspaltung und 47 Prozent dafür. Das Verhältnis hat sich seit der Survation-Umfrage vom 28. August nicht verändert. Unberücksichtigt sind dabei zehn Prozent unentschiedene Wähler.

Zentralbank warnt vor geldpolitischem Chaos

Die britische Zentralbank warnte unterdessen vor den geldpolitischen Folgen einer Abspaltung Schottlands. Es bräuchte enorme Währungsreserven, wenn es auch gegen den Widerstand Großbritanniens am Pfund als Zahlungsmittel festhalten wolle, sagte der Chef der britischen Notenbank, Mark Carney, vor dem Parlament in London. Eine eigene Zentralbank der Schotten müsste nach seinen Schätzungen mindestens den Gegenwert von 25 Prozent des schottischen Bruttoinlandsprodukts vorhalten. Die schottischen Nationalisten wollen am Pfund festhalten, obwohl die britische Politik eine Währungsunion mit einem souveränen Schottland geschlossen ablehnt.

dho/Reuters Reuters

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