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Vertuschung in USA Der Journalist Ronan Farrow hat die Liste gesehen, auf der beerdigte Trump-Geschichten stehen

Donald Trump macht die sogenannte "Hexenjagd" auf ihn wirklich zu schaffen. Kein Wunder, dass der Präsident ein Ventil für seine Aggressionen braucht. Sein jüngstes Opfer: Iran.


"Bedrohen Sie niemals wieder die USA, oder Sie werden Konsequenzen von der Art zu spüren bekommen, wie sie wenige zuvor in der Geschichte erleiden mussten. Wir sind nicht länger ein Land, das Ihre wahnsinnigen Worte von Gewalt und Tod hinnehmen wird. Seien Sie vorsichtig!"


Das sind heftige Worte. Aber wie kommt Trump zu diesem Wutausbruch?


Seitdem die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen sind, ist die Stimmung zwischen den beiden Ländern noch angespannter, als sowieso schon. Denn damit sind auch wieder wirtschaftliche Sanktionen gegen iranische Firmen in Kraft getreten.


Trump reagiert mit seiner Drohung auf eine Rede von Irans Präsident Hassan Ruhani, der davon sprach, dass die USA mit dem Feuer spielen würden und es für immer bereuen könnten.


Kurz gesagt: Der iranische Präsident droht den USA – und Trump schlägt dreimal so doll zurück. Es ist eine altbekannte Verhaltensweise des US-Präsidenten und zeigt einmal mehr, wie leicht sich Trump provozieren lässt. Insbesondere wenn man darüber nachdenkt, dass er die Macht über Amerikas Atomwaffen hat.


Wahrscheinlich war Trump auch deshalb so gereizt, weil ihm neben der Russland-Affäre auch die nicht aufhören wollenden Sex-Affären zu schaffen machen. Das Playmate Karen McDougal hat im Interview mit dem Magazin "New Yorker" bereits im Februar erzählt, dass sie und Trump eine Affäre hatten. Kennengelernt haben sie sich 2006 während eines Drehs von Trumps Sendung "The Apprentice" auf Hugh Heffners Playboy Mansion.


Aktuell geht es um eine brisante Tonaufnahme aus dem Jahr 2016, die Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen heimlich von Trump gemacht hat. Ermittler haben den Mitschnitt bei einer Durchsuchung des Anwaltbüros sichergestellt.


Die Frage, die jetzt im Raum steht: Haben Trump und Cohen Geld aus dem Wahlkampfbudget genommen, um das Image des zukünftigen US-Präsidenten zu schützen?


Besonders unangenehm an der Geschichte: Während der Affäre mit McDougal war Trump gerade mal ein Jahr mit Melania verheiratet. Klar also, dass ihm das Bekanntwerden der Affäre kurz vor der Wahl nicht gerade Sympathiepunkte unter den Amerikanern eingebracht hätte. 


In der Aufnahme ist zu hören, wie Cohen zu Trump sagt:
"Wir werden bezahlen müssen".
Dann ist zu hören, wie Trump sagt: "Bezahl in bar".
Aber hören Sie selbst:


Trump: "Welche Finanzierung?"
Cohen: "Wir werden bezahlen müssen."
Trump: "[Unverständlich] in bar bezahlen."
Cohen: "Nein, nein, nein. Ich bin dran."


Trumps Anwalt Rudolph Giuliani hat laut "New York Times" bestätigt, dass Trump mit Cohen über Zahlungen gesprochen habe – aber letztendlich sei aber kein Geld geflossen.


Trump spielt wie immer das Unschuldslamm und erzählt seinen treuen Wählern:
"Die gute Nachricht ist, dass der von euch favorisierte Präsident nichts Unrechtes gemacht hat."


Und jetzt noch gute Nachrichten zum Schluss:


Es hat kaum einer dran geglaubt, aber EU-Präsident Jean-Claude Juncker ist es tatsächlich gelungen, Trump in Sachen Handelskrieg zur Vernunft zu bringen – für den Moment zumindest. Statt immer mehr Strafzölle auf EU-Produkte zu verhängen, will der US-Präsident nun doch lieber freien Handel.


Das heißt, es wird wohl vorerst keine gefürchteten Autozölle geben.


"Wir haben uns heute geeinigt, gemeinsam auf keine Zölle, keine Barrieren und keine Bezuschussung für Industrieprodukte hinzuarbeiten."


Das scheint also wirklich mal ein Durchbruch zu sein. Sogar ein Küsschen war drin.
Aber bevor wir uns zu früh freuen, noch gibt es kein schriftliches Abkommen. Und wenn wir eins wissen: Auf Trumps Unberechenbarkeit ist immer Verlass.


Das war es von dieser Woche! Bis zum nächsten Mal bei "The Trump of the Week".
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"Catch and Kill" heißt eine Praxis, mit der Prominente versuchen, unliebsame Enthüllungen zu unterdrücken. Der Enthüllungsjournalist erzählt nun im US-TV, wie viele Geschichten über US-Präsident Donald Trump im Giftschrank verschwunden sind.

Ronan Farrow ist Jurist und war einer der Journalisten, die maßgeblich den Weinstein-Missbrauchsskandal mit aufgedeckt haben – dafür wurde er mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. In seinem Privatleben ist er nebenbei der Sohn von Mia Farrow und Woody Allen. Nun hat der 31-Jährige ein Buch über die Schwierigkeiten geschrieben, mit denen er im Zuge der Weinstein-Recherche zu kämpfen hatte. "Catch and Kill" heißt es, rangiert auf Platz zwei der "New-York-Times"-Bestsellerliste und ist benannt nach einer fragwürdigen Verheimlichungspraxis, mit der Prominente versuchen, unliebsame Enthüllungen zu unterdrücken.

"Kultur der Vertuschung in den Medien"

In der US-Talkshow von Stephen Colbert erklärte Farrow das Prinzip, von dem sowohl der gefallene Hollywood-Produzent Henry Weinstein lange Jahre profitierte als auch andere einflussreiche Personen wie etwa US-Präsident Donald Trump. Farrow spricht von einer "Kultur der Vertuschung in den Medien und einem System geheimer Abmachungen", um Verfehlungen zu verheimlichen. Besonders das den US-Präsidenten nahestehende US-Revolverblatt "National Enquirer" aus dem AMI-Verlag ist eine regelrechte Anlaufstelle für Promis, die eine Geschichte "eingefangen und beerdigt" sehen wollen.

Farrow erzählte in der Sendung von einem Gerücht, dass den ebenfalls wegen Missbrauch beschuldigten und mittlerweile verstorbenen US-Banker Jeffrey Epstein als auch Donald Trump betrifft. So habe es eine anonym aufgegebene Anzeige gegeben, die Epstein und Trump des Missbrauchs einer Minderjährigen bezichtigt. "Ob die Anschuldigungen stimmen, ist völlig unklar", sagte der Journalist. "Aber uns ist der Nachweis gelungen, dass das Trump-Team mit dem AMI-Verlag deswegen im engen Austausch stand und der seine Reporter losgeschickt hat, die Geschichte zu bekommen."

Material für und gegen Donald Trump

Problematisch sei das Ganze auch deswegen, weil das Blatt auf diese Weise Donald Trump im Wahlkampf geholfen habe, und zugleich an potenziell erpresserisches Material gegen ihn komme, mit dem sich sogar Einfluss auf die große Politik nehmen lasse, so Farrow.

Die bislang bekannteste "Catch and Kill"-Geschichte aus dem "Enquirer"-Trump-Universum betrifft einen lange zurückliegenden Seitensprung mit dem Model Karen McDougal. Das Blatt hatte die Informationen ursprünglich im aufziehenden Wahlkampf vom Markt weggekauft, um Trump zu schützen. Farrow will im Zuge seiner Recherche sogar die gesamte Trump-"Giftliste" gesehen haben, auf der alle potenziell schädlichen Verfehlungen versammelt waren. "Sie heißt in etwa 'beerdigte Geschichten über Donald Trump' und umfasst rund 60 Einträge", sagt Farrow. Er schränkt aber sofort auch ein, dass darunter keine bislang unbekannten Skandale seien. "Da gibt es etwa fünf Affären oder einen Vorwurf des Ehebruchs, der aber schon bekannt ist."

Am Ende gabs eine Schredderparty

Die eigentliche Geschichte dabei ist nach Ansicht von Ronan Farrow aber der Umstand, dass der Verlag das Material überhaupt gesammelt und darüber mit Trump und seinem Team in Kontakt gestanden habe. "Und dann vor der Wahl haben sie sie in dem Aktenvernichter geworfen. "Es gab sogar eine Schredderparty", so Farrow.

Quellen: Late Show with Stephen Colbert, DPA, "Hollywood Reporter", "New York Times"-Besteller


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