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Kandidat für Senatswahl: Nur noch Pastoren stehen hinter dem ultrarechten Republikaner Roy Moore

Es wird eng für den ultrakonservativen und umstrittenen Senatskandidaten Roy Moore aus Alabama. Mittlerweile werfen ihm fünf Frauen sexuelle Belästigung vor. Selbst das Weiße Haus drängt ihn zum Rücktritt.

Roy Moore

Roy Moore und seine Frau Kayla nach der innerparteilichen Abstimmung über den Senatskandidaten für Alabama

Und jetzt sind es schon fünf Frauen, die dem ultrakonservativen Senatskandidaten sexuelle Belästigung vorwerfen. Die heute 55 Jahre alte Beverly Young Nelson schilderte auf einer Pressekonferenz in New York, wie sie als 16-jährige Kellnerin von dem umstrittenen Republikaner aus Alabama in ein Auto gelockt und belästigt worden sei. Der jetzt 70-Jährige habe ihr angeboten, sie nach Hause zu fahren, sagte Nelson. Dann aber habe er die Türen verriegelt "und versucht, meinen Pulli hochzuziehen", so Nelson. "Ich dachte, er will mich vergewaltigen." Sie habe sich gewehrt, woraufhin Moore schließlich aufgegeben habe.

Roy Moore wittert eine "schmutzige Intrige"

Bereits vor einigen Tagen hatten sich in der "Washington Post" Frauen zu Wort gemeldet, die Moore sexuelle Belästigung vorwerfen. Der Jurist, der sich bei einer Nachwahl am 12. Dezember um einen freigewordenen Senatsplatz bewirbt, weist die Beschuldigungen kategorisch zurück und spricht von einer "schmutzigen Intrige", die ihn zerstören solle. Doch bei seiner Partei scheint Moore, der bis vor wenigen Monaten noch Oberster Richter des US-Bundesstaats war, bereits in Ungnade gefallen zu sein. Was allerdings nicht nur an neuen Vorwürfen liegt.

Nach einigen Parteifreunden forderte nun auch der Chef der Republikaner-Fraktion im Senat, Mitch McConnell, Rückzug des Kandidaten. McConnell halte die Vorwürfe für glaubwürdig: "Ich glaube den Frauen", sagte er, Moore müsse abtreten. Der prominente republikanische Senator Lindsey Graham erklärte: "Moore würde sich selbst, dem Bundesstaat, der Partei und dem Land einen Gefallen tun, wenn er abtritt." Das Weiße Haus hatte erklärt, Moore solle aufgeben, falls die Vorwürfe gegen ihn zuträfen.

Stimmzettel können nicht mehr geändert werden

Den Wahlgesetzen von zufolge kann sein Name nicht mehr von den Stimmzetteln getilgt werden. McConnell und weitere Parteiführer erwägen deshalb, einen anderen republikanischen Kandidaten für eine so genannte "Write-in"-Kandidatur zu gewinnen. Die Wähler müssten dann den Namen dieses Gegenkandidaten handschriftlich auf den Wahlzettel einfügen.


Der Rechtsaußen-Politiker und fundamentalistische Christ hat ein angespanntes Verhältnis zum republikanischen Partei-Establishment. Vielen, vor allem gemäßigten Mitgliedern, ist er mit seinen Positionen zu extrem. So fordert Moore etwa, das "Gesetz Gottes" zur Richtlinie amerikanischer Politik zu machen.

Unterstützung durch 50 Pastoren

Unterstützung bekommt der Kandidat durch einen offenen Brief, der von 50 Pastoren aus Alabama unterzeichnet wurde. "Seit Jahrzehnten ist Roy Moore ein unumstößlicher Fels im Krieg der Kulturen, ein kühner Vertreter des 'kleines Mannes'. Ein Krieger für das ungeborene Leben, Verteidiger der heiligen Ehe und ein Verfechter religiöser Freiheit", heißt es in dem Schreiben. Es endet mit den Worten: "Wir sind bereit zu kämpfen, und schicken an das dreiste Washington die Botschaft: Unehrlichkeit und Sittenlosigkeit sind ein Affront gegen unsere Überzeugungen, den wir nicht länger hinnehmen werden."

mit DPA

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