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Mitch McConnell: Der Mann, der wohl am meisten vom Bannon-Aus profitiert

Der tiefe Fall von Steve Bannon ist vor allem für Mitch McConnell ein Grund zum Feiern: Der Chef der Republikaner im US-Senat ist seinen größten Widersacher los und hat nun freie Bahn, seine eigene Agenda bei Präsident Donald Trump durchzusetzen.

Mitch McConnell: Warum der Republikaner den Abstieg von Steve Bannon feiert

Der republikanische Senatsführer Mitch McConnell hat ein breites Grinsen im Gesicht - kaum ein Wunder

Als der Showdown zwischen Donald Trump und seinem ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon in der vergangenen Woche seinen Höhepunkt erreichte, twitterte das Social-Media-Team von Mitch McConnell ein animiertes GIF-Bild. Darauf zu sehen: der republikanische Mehrheitsführer im Senat, diebisch lächelnd, in Dauerschleife. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ja, das breite Grinsen dürfte Mitch McConnell in diesen Tagen wohl nicht vergehen. Nach dem tiefen Absturz von Bannon in die Belanglosigkeit - erst flog er als Trumps (buchstäblich) rechte Hand raus, am Dienstag auch als Vorstandsmitglied seines Sprachrohrs "Breitbart" und sein Image ist nach dem Enthüllungsbuch "Fire and Fury" vermutlich endgültig im Eimer - ist McConnell seinen größten Widersacher los. Nun bleibt ihm freie Hand, seine eigene Agenda für die republikanische Partei durchzusetzen.

Mitch McConnell hat seine Ziele erreicht. Andere nicht.

Der "effektivste Politiker seiner Generation", wie der "New Yorker" McConnell nannte, konnte mit Bannon seinem vorauseilenden Ruf kaum gerecht werden. Wohl wissend, welchen Einfluss Steve Bannon auf den US-Präsidenten während des Wahlkampfs ausgeübt hatte und noch ausüben würde, hielt der damals 73-Jährige den Ball lieber flach. Klar, Donald Trump hatte das Rennen (überraschend) für die Republikaner gemacht. Doch man habe nur "vorübergehend eine Vormachtstellung", mahnte McConnell im November 2016 seine Partei. Darauf angesprochen, welche Ziele er für seine Partei in Trumps erster Legislaturperiode sehe, nannte er lediglich die Steuerreform. Während ein euphorisierter Politneuling Trump allerhand Luftschlösser baute, die Bannon ihm offenbar in Teilen soufflierte, von der Grenzmauer zu Mexiko bis zum Einreiseverbot für Muslime.

Ganz davon abgesehen, dass die großspurigen Versprechungen von Trump weder auf sein noch auf das Image der Republikaner eingezahlt haben: McConnell hat sein gestecktes Ziel letztendlich erreicht. Er war effektiv, mitunter realistisch. Andere nicht.

Steve Bannon verliert an Einfluss - McConnells Glück

Auch Bannon hatte ein erklärtes Ziel: Der Kampf gegen das politische Establishment in Washington. Als der Chefstratege von Donald Trump das Weiße Haus verlassen musste, kehrte er zu seinem rechten Sprachrohr "Breitbart" zurück. "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg.", soll er in seiner ersten Redaktionskonferenz verkündet haben. Trumps "Widersacher" wurden in Bannons Augen auch die Republikaner; ein Teil des Establishments. Und damit zum Gegner von Trumps Politik.

Dass Bannon nun auch als "Breitbart"-Vorstand seinen Posten räumen musste, ist für McConnell und seine Partei daher aus vielen Gründen ein Segen.

Der offensichtlichste: Bannon verliert sein Sprachrohr; die Plattform, auf der er gegen das Establishment wettern kann.

Der entscheidende: Bannon hat nicht mehr die einflussreichen und finanziellen Mittel - nicht zuletzt durch das Abspringen von Großspenderin Rebekah Mercer - eigene Kandidaten aufzustellen.

Für McConnell dürfte dieser Umstand der befriedigendste sein. Der "Königsmacher", wie Bannon nach Trumps überraschendem Wahlsieg genannt wurde, wollte im Kampf gegen das Establishment (und wahrscheinlich für den Machterhalt) eigene Kandidaten für politische Ämter aufstellen und unterstützen. Doch sie fielen spektakulär durch. Wie etwa im vergangenen Dezember, als Hardliner Roy Moore - der gegen Homosexuelle hetzte und mit Waffe in der Hand Wahlkampf machte - durch Vorwürfe sexueller Belästigung in Bedrängnis geriet und die Senatswahl in Alabama verlor. Zum ersten Mal in 25 Jahren ging ein Demokrat in dem konservativen Bundesstaat als Sieger vom Platz.

In einer Pressekonferenz, zehn Tage nach der spektakulären Wahlschlappe, spottete der Republikaner-Chef über Bannon: "Das politische Genie, das einen Senatssitz im rötlichsten Staat der USA (Farbe der Republikanischen Partei, Anm. d. Red.) wegwirft, ist schwer zu ignorieren." Immerhin hatte Bannons hochumstrittener Kandidat die Republikaner-Vorwahl gegen McConnells Favoriten gewonnen. Beim entscheidenden Urnengang um den Senatssitz war Moore letztlich selbst eingefleischten "Roten" eine Spur zu krass. 

Endlich wieder "effektiv"?

Peinlichkeiten wie diese dürften McConnell und seiner Partei nun erspart bleiben. Und damit wohl auch kostspielige Vorwahlkämpfe im Herbst, bei denen sich die republikanischen Kandidaten gegen Bannons Scharfmacher behaupten müssten.

Wie das Politmagazin "Politico" berichtet, übrigens unter der Schlagzeile "McConnell tanzt auf Bannons Grab", erhofft sich sein Machtzirkel nun, die Partei wieder zu einen. Ohne Bannon als ultrascharfem Rechtsausleger könnten die gemäßigteren Republikaner ihre konservative Agenda zumindest leichter verfolgen, im besten Fall durchsetzen. Nicht zuletzt Trumps Abrechnung mit Bannon, der seinen "Verstand verloren" und mit der Präsidentschaft "nichts zu tun" gehabt habe, lässt die Republikaner hoffen. Und lächeln, so wie Mitch McConnell.

fs