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Saddam Hussein: Der Tyrann starb im Morgengrauen

Die Hinrichtung des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein sorgte für Jubelstimmung auf den Straßen des Landes. US-Präsident Bush begrüßte die Hinrichtung. Kanzlerin Angela Merkel kritisierte dagegen die Todesstrafe.

Mehr als drei Jahre nach seinem Sturz ist der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein am Samstagmorgen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch den Strang hingerichtet worden. Der 69-Jährige wurde im Morgengrauen gegen 06.00 Uhr Ortszeit gehängt. Reue habe Saddam nicht gezeigt, berichtete der Sicherheitsberater der irakischen Regierung, Muwaffak al-Rubai. Sechs Stunden später zeigte das Staatsfernsehen Videoaufnahmen, wie Saddam, der das Land als Staats- und Parteichef mit eiserner Hand fast 24 Jahre lang beherrscht hatte, zum Galgen geführt und ihm der Strick um den Hals gelegt wurde.

US-Präsident George W. Bush sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak. Gegner der Todesstrafe, darunter die Bundesregierung, waren sich weltweit in ihrer Kritik an der Hinrichtung einig. "Wir respektieren das Urteil", aber es sei bekannt, dass die Bundesregierung grundsätzlich gegen die Todesstrafe sei, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Auch der finnische Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Erkki Tuomioja sagte, zwar sei Saddam für schwere Verletzungen der Menschenrechte verantwortlich, das rechtfertige aber die Todesstrafe nicht.

Wie ein gebrochener Mann

Saddam war am 5. November zusammen mit seinem Halbbruder Barsan al-Tikriti und dem Ex-Richter Awad al-Bandar wegen des Massakers an 148 Schiiten in dem Ort Dudschail im Juli 1982 zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung der beiden Mitangeklagten wurde verschoben. Der Samstag solle "allein mit der Hinrichtung Saddams in historischer Erinnerung bleiben", sagte al-Rubai.

Mit einem Koran in den gefesselten Händen sei Saddam in den kahlen Hinrichtungsraum geführt worden, berichtete al-Rubai. Kurz vor seinem Tod sei ihm nochmals das Urteil und dessen Bestätigung durch ein Berufungsgericht vor vier Tagen vorgelesen worden. Saddam habe wie ein "gebrochener Mann gewirkt", berichtete Al-Rubai. Er habe es abgelehnt, mit verhülltem Kopf zu sterben.

Gefasst und nachdenklich

Die vom Fernsehen ausgestrahlten Videobilder zeigen zwei mit Henkersmützen maskierte Männer, die Saddam ein schwarzes Tuch um den Hals binden und ihn dann mit auf dem Rücken gefesselten Händen zum Galgen führen. Die Scharfrichter, die ihm offensichtlich die Prozedur erläutern, legen ihm die Schlinge um den Hals und ziehen sie zu. Saddam im schwarzen Mantel über einem weißen Hemd wirkt auf den Bildern gefasst und nachdenklich. Einige Male schluckt er. Die eigentliche Hinrichtung, die nach Informationen des Senders Al-Arabija in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes im Stadtteil Kadhimija, erfolgte, wird nicht gezeigt.

Wann und wo der Leichnam Saddams bestattet werden soll, war am Samstag noch umstritten. Die irakische Regierung ist bestrebt, Saddam an einem geheimen Ort zu beerdigen, damit sein Grab nicht zum Wallfahrtsort für seine Anhänger wird. Eine Tochter Saddams forderte dagegen, die vorübergehende Beisetzung im Jemen. Wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, solle ihr Vater später im Irak seine letzte Ruhe finden. Nach den Vorschriften des Islam sollte ein Mensch, der vor zwölf Uhr mittags gestorben ist, möglichst noch am selben Tag beerdigt werden. Dies ist aber nicht bindend.

Jubelnde Iraker

Trotz einer Ausgangssperre zogen vorwiegend in schiitischen Vierteln Bagdads jubelnde Iraker auf die Straße. Autofahrer stimmten Hupkonzerte an. Vereinzelt wurden auch Freudenschüsse in die Luft gefeuert. Gejubelt wurde auch den Kurdengebieten im Norden des Landes. In Tikrit, der Heimatstadt Saddams, kam es zu kleineren Protesten. Dort forderten seine Anhänger, dass der Leichnam nach Tikrit gebracht wird.

Saddam war nur kurz vor seinem Tod aus amerikanischem Gewahrsam den irakischen Behörden übergeben worden. Ein US-Bezirksgericht in Washington hatte in der Nacht einen Antrag der Anwälte Saddams abgelehnt, mit dem diese in letzter Minute einen Aufschub der Hinrichtung erreichen wollten.

Im Erdloch aufgespürt

Der Diktator war im April 2003 von einer US-geführten Streitmacht gestürzt worden. Nach der Einnahme Bagdads tauchte er unter. Er wurde - mit wirren Haaren und langem Bart - erst im Dezember 2003 von US- Soldaten in einem Erdloch nahe Tikrit entdeckt. Im Oktober 2005 wurde der Prozess gegen den gestürzten Diktator und sieben seiner Gefolgsleute vor dem Sondertribunal in Bagdad eröffnet.

Unterdessen kamen bei neuer Gewalt im Irak mindestens 45 Menschen ums Leben. Wenige Stunden nach der Hinrichtung tötete ein Autobombenanschlag in der südirakischen Stadt Kufa mindestens 30 Menschen. Mindestens 15 weitere Menschen starben, als in verschiedenen Schiiten-Vierteln in Bagdad nahezu zeitgleich ebenfalls drei Autobomben explodierten.

DPA

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