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Abschuss des russischen Jets Bomben und Milliarden-Verluste – Putins Rache an der Türkei

Putin reagiert hart auf den Abschuss der russischen SU-24.
Putin reagiert hart auf den Abschuss der russischen SU-24.
© Sergei Ilnitsky/DPA
Die Türkei hat ein russisches Kampflugzeug abgeschossen. Putin ist entschlossen, Erdogan dafür zahlen zu lassen. Der Kreml dreht den Geldhahn zu und greift im syrisch-türkischen Grenzgebiet an.
 

Der Abschuss des russischen Erdkampflugzeugs durch die Türkei hat Folgen. In Moskau hat der Kreml weitreichende Sanktionen beschlossen. Einen entsprechenden Ukas hat Präsident Putin bereits unterzeichnet. Die konkrete Ausgestaltung des Erlasses muss noch folgen.

Deutlich ist aber schon, dass Russland Erdogan bei den Einnahmen treffen will. Es wird "empfohlen" Reisen in die Türkei nicht weiter anzubieten, aber auch Importe werden eingeschränkt, die Tätigkeit von türkischen Firmen und von Gastarbeitern in Russland werden erschwert. Der genaue Umfang des Sanktionskatalogs ist noch unklar, aber sicher ist, dass Putin ein milliardenschweres Strafpaket zusammengestellt hat.

Reisen

Putins leichtestes Ziel sind die Tourismuseinnahmen der Türkei. Die Russen verlieren mit der Türkei ein weiteres Reiseziel, doch spart die russische Volkswirtschaft so weitere Devisen. In Zeiten von Ölpreis-Verfall und westlichen Handelssanktionen ein nicht unerwünschter Nebeneffekt. Alle russischen Touristikunternehmen sollen die Türkei aus dem Programm nehmen, zusätzlich werden sämtliche Charterflüge zwischen Russland und der Türkei gestrichen. Im vorigen Jahr kamen noch 4,5 Millionen Russen in die Türkei, und darunter befinden sich keineswegs nur sparsame  All-Inclusive-Urlauber, sondern vor allem reiche Russen, die im Luxussegment logieren.

Der Rückgang der russischen Urlauber um 20 Prozent seit der Ukraine-Krise soll die türkische Wirtschaft bereits 4,5 Milliarden Dollar gekostet haben, entsprechend höher dürften die kommenden Verluste sein.

Importe

Weiterhin soll eine Liste von Waren erstellt werden, die nicht mehr aus der Türkei importiert werden dürfen. Russland war 2013 der sechstgrößte Exportmarkt der Türkei, die Bedeutung dürfte nach den westlichen Sanktionen in Folge der Ukraine-Krise weiter gestiegen sein. Insbesondere bei Lebensmitteln ist die Türkei für viele EU-Lieferländer eingesprungen, nachdem Moskau den Lebensmittel-Import aus der EU auf die Sanktionsliste setzte. Inzwischen soll jede fünfte Frucht in russischen Regalen aus der Türkei stammen. Hier dürfte der Kreml zuerst ansetzen, da sich Lebensmittelimporte aus der Türkei relativ einfach durch Importe aus anderen Ländern ersetzen lassen. Umgekehrt kann sich die Türkei nicht gleichwertig revanchieren, die Gas-Importe aus Russland werden sich nicht ad hoc ersetzen lassen.

Tätigkeit von Unternehmen

Die Arbeit von türkischen Unternehmen in Russland wird eingeschränkt. Eine genaue Liste soll folgen. Russische Unternehmen dürfen ab 2016 zunächst einmal keine türkischen Arbeitnehmer mehr beschäftigen. Gleichzeitig wird für Türken in Russland die Visapflicht wieder eingeführt.

Herrschaft im Luftraum

Wenige Tage nach dem Abschuss der SU-24 hat Putin sein modernstes Luftverteidigungssystem nach Syrien verlegt. Inzwischen soll die Raketenbatterie S-400 einsatzbereit sein. Mit ihrer enormen  Reichweite kontrolliert sie den Luftraum über dem östlichen Mittelmeer und einen großen Teil der türkisch-syrischen Grenze. Die S400 wurde noch nie im Ernstfall eingesetzt, sie wird aber gefürchtet. Mit dieser Batterie und den bereits in Syrien befindlichen Panzir-S1-Luftabwehrsystemen kann Putin jederzeit eine Flugverbotszone über dem nördlichen Syrien durchsetzen. Ein entsprechender Wunsch der Assad-Regierung, um die Zone zu legalisieren, dürfte nur eine Formalität sein.

Heftiges Bombardement

Nachdem turkmenische Milizen, deren Anführer angeblich ein Türke ist, einen russischen Piloten und einen Marine-Soldaten töteten und mit der Leiche des Piloten posierten, werden die Stellungen der als pro-türkisch geltenden Miliz gnadenlos beschossen und bombardiert. Zusätzlich wurden Lkws-Konvois dem Guardian zufolge an der syrisch-türkischen Grenze angegriffen. Der russische Außenminister Lawrow regte an, die Grenze komplett zu sperren. Damit wären die Rebellen-Gebiete im Norden von Nachschub, aber auch von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Da das Assad-Regime die Übergänge nicht kontrolliert, könnte eine Sperrung nicht bedeuten, dass der Schlagbaum heruntergelassen wird, sondern dass russische Flugzeuge die Übergänge bombardieren und Grenzverletzer angreifen.  

Abschuss des russischen Jets: Bomben und Milliarden-Verluste – Putins Rache an der Türkei
© Twitter Screenshot

Angeblich Einsatz von Bodentruppen

Gerüchte über den vereinzelten Einsatz von russischen Soldaten am Boden gibt es seit einiger Zeit. Seit Kurzem kündigen auch Reporter des Assad-Regimes den Einsatz von Russen im türkisch-syrischen Grenzgebiet und  bei Aleppo an. Dazu passen Fotos, die den Transport von Kampfpanzern in diese Gebiete zeigen. Auf Videos sind hochmoderne T-90-Kampfpanzer zu sehen, die mit Abwehrsystemen ausgestattet sind, die die TOW-Raketen der Rebellen abwehren können. Die TOW ist ein modernes Raketensystem der US-Streitkräfte, das über verschiedene Umwege in großer Zahl nach Syrien gelangt. 


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