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Stammzellenforschung in den USA Richter stoppt staatliche Förderung


Ein US-Gericht hat per Eilentscheid die staatliche Förderung für die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen vorerst gestoppt. Durch die Forschung würden menschliche Embryonen zerstört, begründete der Richter Royce Lamberth am Montag seine Entscheidung.

In den USA deutet sich erneut eine mögliche Kehrtwende in der Stammzellenforschung an. Ein Gericht in Washington stoppte am Montag per Eilentscheid die staatliche Förderung der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen. Nun kann ein Zusammenschluss mehrerer Gruppen, darunter christliche Organisationen, gegen die umstrittene Forschungsförderung klagen, die US-Präsident Barack Obama erst im vergangenen Jahr erlaubt hatte.

Nach Auffassung von Richter Royce Lamberth wiesen die Antragsteller, darunter mehrere christliche Organisationen, nach, dass eine Klage gegen die Förderung "gute Erfolgsaussichten" habe. Das Bündnis argumentiert, dass Obamas Regelung gegen Gesetze verstößt, nach denen es untersagt ist, Forschung finanziell zu unterstützen, bei der menschliche Embryos zerstört werden.

Die Forschung an embryonalen Stammzellen sei "eindeutig Forschung, bei der ein Embryo zerstört wird", urteilte Richter Lamberth. "Wenn Stammzellen aus einem Embryo entnommen werden, hat das die Zerstörung des Embryos zur Folge", heißt es in seiner Begründung weiter. Deshalb sei die embryonale Stammzellenforschung sogar "darauf angewiesen", dass menschliche Embryos zerstört werden.

Das Justizministerium in Washington kündigte an, die Entscheidung des Gerichts prüfen zu wollen. Die Regierung von Präsident Obama hat nun die Möglichkeit, den Gerichtsentscheid anzufechten, oder abzuwarten, bis der Fall abschließend vor Gericht geklärt wird.

Erst im März des vergangenen Jahres hatte Obama den Kurs seines Amtsvorgängers George W. Bush in der Stammzellforschung revidiert und angekündigt, dass die Forschung an embryonalen Stammzellen in den USA wieder mit staatlichen Mitteln unterstützt und vorangetrieben werden solle. Als Begründung hatte Obama unter anderem angeführt, dass es durch die Stammzellenforschung Durchbrüche bei der Heilung schwerer Krankheiten geben könnte.

Forscher hoffen, dass embryonale Stammzellen in der Zukunft bei der medizinischen Behandlung schwerer Krankheiten möglicherweise als Ersatzmaterial dienen könnten - denn embryonale Stammzellen" sind "pluripotent", das heißt sie können sich zu jedem Zelltyp des menschlichen Organismus entwickeln.

Unter Bush war der Einsatz von Staatsgeldern für die Stammzellenforschung eingegrenzt. Staatliche Gelder gab es nur für die wissenschaftliche Arbeit an solchen menschlichen embryonalen Stammzell-Linien, die vor August 2001 gewonnen worden waren. Obama erlaubte dann die staatliche Förderung der Arbeit auch an neu gewonnenen Stammzell-Linien.

Zu einer Stammzell-Linie zählen alle in vitro - also künstlich im Reagenzglas - gezüchteten Zellen, die sich auf den selben Ursprung zurückführen lassen. Die Vermehrung von Stammzellen in Labors hat den Vorteil, dass Experimente zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten an identischem Erbmaterial vorgenommen werden können.

Die Nutzung embryonaler Stammzellen ist ethisch allerdings stark umstritten, weil dazu Zellen aus Embryonen entnommen werden, die künstlich erzeugt wurden, dann aber keiner Frau eingepflanzt werden. Gegner der embryonalen Stammzellforschung argumentieren, dass menschliches Leben bereits mit der Befruchtung der Eizelle beginnt.

AFP AFP

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