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STICHWORT: Nicaragua zwischen Revolution und Bürgerkrieg

1838 wurde Nicaragua selbstständige Republik. Seit der Unabhängigkeit befehdeten sich Konservative und Liberale, hinzu kamen Auseinandersetzungen mit den Nachbarrepubliken, zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Revolution und Bürgerkrieg.

Am 15. September 1821 ging das damals spanische Mittelamerika geschlossen in die Unabhängigkeit. Doch mit der Einheit war es bald vorbei, und in wenigen Jahren zerfiel die Föderation in die heutigen Staaten Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica. In jüngster Zeit bemühten sie sich um eine engere wirtschaftliche und politische Integration, die aber durch Rivalitäten und Grenzstreitigkeiten erschwert wird.

Panama nimmt in der Region eine Sonderstellung ein, weil es zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit noch ein Teil Kolumbiens war. Als Staat entstand Panama erst 1903, als die USA die Abspaltung von Kolumbien unterstützten.

In den sechs Ländern Mittelamerikas leben auf der 1,2-fachen Fläche Deutschlands rund 31 Millionen Einwohner. Amtssprache ist Spanisch, in Belize Englisch. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Indiosprachen, allein in Guatemala sind es 22. Die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika hat ein vielfältiges Landschaftsbild mit mehr als 4 000 Meter hohen Vulkanen an der Pazifikseite, kühlen Hochebenen und tropischen Regenwäldern.

Bekannteste Touristenattraktionen sind die Strände Costa Ricas und die Mayatempel Guatemalas. Wegen des Zusammentreffens verschiedener Erdplatten und der tropischen Lage wird Mittelamerika immer wieder von Erdbeben und Hurrikanen heimgesucht.

Obwohl alle sechs Nationen zu den Entwicklungsländern zählen, gibt es auch zwischen ihnen ein Wohlstandsgefälle. So reicht das Pro-Kopf- Einkommen von 410 US-Dollar pro Jahr in Nicaragua bis 2 680 in Costa Rica. Wichtigste Export-Produkte der Region sind traditionell Bananen und Kaffee. In der 80er Jahren wurde Mittelamerika von Bürgerkriegen heimgesucht, als linke Rebellen in Nicaragua die Macht übernahmen und in El Salvador eine rechte Regierung bekämpften. Inzwischen herrscht Frieden in der Region, doch die Armut ist geblieben und die Kriminalität enorm gestiegen.

Seit 1838 selbstständige Republik

1838 wurde Nicaragua selbstständige Republik. Seit der Unabhängigkeit befehdeten sich Konservative und Liberale, hinzu lamen Auseinandersetzungen mit den Nachbarrepubliken, zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Revolution und Bürgerkrieg, in den 1912 die USA eingriffen, die bis 1933 in Nicaragua blieben. In der Folge gewann der Befehlshaber der von den USA aufgestellten Nationalgarde, A. Somoza García, rasch an Einfluss; seine Familie baute sich eine wirtschaftlich und politisch beherrschende Stellung in Nicaragua auf. Auf Somoza García

Wachsender Widerstand vor allem der 1962 gegründeten linksgerichteten Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) und der katholischen Kirche entlud sich 1978 in einem blutigen Bürgerkrieg.

Zusammen mit anderen Oppositionsgruppen übernahm die FSLN unter D. Ortega Saavedra (formal Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber) in der »Junta des nationalen Wiederaufbaus« die Regierung, in der sie sich ein Übergewicht sicherte und einen sozialistiaschen Kurs einschlug. Ab 1981 organisierte sich von Honduras aus eine bewaffnete rechtsgerichtete Opposition, die von den USA unterstützten und ausgerüsteten »Contras«. Aus den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 1984 gingen Ortega Saavedra und die FSLN als Sieger hervor. Der Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Contras sowie wachsende wirtschaftliche Schwierigkeiten (Handelsembargo der USA) zwangen Ortega Saavedra nach internationaler Vermittlung zu Zugeständnissen und zur Einleitung eines Demokratisierungs- und Versöhnungsprozesses.

Überschungserfolg für Chamorro

Nachdem sich die fünf mittelamerikanische Staaten 1989 verpflichtet hatten, die freiwillige Rückkehr der Contras zu unterstützen und deren Stützpunkte aufzulösen, bot die nicaraguanische Regierung eine weitgehende Amnestie an und zog die für 1991 vorgesehenen Wahlen auf Februar 1990 vor. Diese brachten der UNO und ihrer Präsidentschaftskandidatin Violeta Barrios de Chamorro einen überraschenden Wahlerfolg. Im Juni 1990 wurde die Entwaffnung der Contras abgeschlossen, die innenpolitische Durch den Zerfall des Regierungsbündnisses wurde die FSLN Anfang 1993 faktisch wieder Regierungspartei. Bei der Präsidentschaftswahl 1996 siegte der konservative Kandidat Arnoldo Alemán Lacayo, dessen Liberale Allianz sich auch bei der Parlamentswahl durchsetzte.