Sturm auf Rote Moschee Anführer der Extremisten getötet


Seit Stunden versuchen pakistanische Regierungssoldaten die von Extremisten besetzte Rote Moschee zu erstürmen. Bislang vergeblich. Doch jetzt wurde der Anführer der radikal-islamischen Koranschüler getötet.

Kapitulation schloss er aus, bis zum Märtyrertod wollte er kämpfen - sein Wille wurde Abdul Rashid Ghazi nun gewährt. Der unnachgiebige Hassprediger kam beim Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad ums Leben. Er sei erschossen worden, bestätigte das pakistanische Innenministerium.

Seit Stunden fallen immer wieder Schüssen, über dem Gebäude hängen dicke Rauchwolken - die Extremisten, die seit einer Woche die Moschee besetzen, haben bislang erbitterten Widerstand geleistet. Seitdem pakistanische Sicherheitskräfte begannen, in der "Operation Schweigen" die Moschee zu erstürmen, wurden bereits an die 60 Menschen getötet.

Mit Frauen und Kindern im Keller verschanzt

Abdul Rashid Ghazi hatte sich nach Armeeangaben mit einer unbekannten Anzahl Frauen und Kindern als Geiseln im Keller des Gebäudekomplexes. Der Keller hat mehr als 70 Räumen, bietet so also eine gute Rückzugsmöglichkeit für die Besetzer.

"Es sind schwere Kämpfe im Gange. Die Extremisten haben in nahezu allen Räumen Stellung bezogen, sie kämpfen um jedes Zimmer, sie sind im Keller und auf den Treppen", sagte Armeesprecher Generalmajor Waheed Arshad. Die militanten Moslems seien mit Schnellfeuergewehren und Granaten bewaffnet. Sie feuerten von den Minaretten auf die Sicherheitskräfte. Die Verluste auf Seiten der Soldaten bezifferte Arshad mit acht Toten und fast 30 Verletzten.

Es wurden Sprengstoffgürtel verteilt

Mit wie vielen Geiseln sich der Geistliche in der Moschee verschanzt hatte, blieb zunächst unklar. Offiziellen Angaben zufolge könnten es Hunderte Frauen und Kinder sein. Etwas mehr als 50 Geiseln war nach Beginn des Einsatzes die Flucht gelungen. Regierungsvertreter äußerten die Sorge vor Selbstmordanschlägen. Früheren Angaben zufolge hatten die Islamisten Sprengstoffgürtel verteilt.

Sicherheitskreisen zufolge lehnte Ghazi vier Aufforderungen ab, sich zu ergeben. Lieber wollten er und seine an den afghanischen Taliban orientierten Anhänger den Märtyrertod sterben, um so das Fanal für eine islamische Revolution zu geben. Ein gesuchter Extremist hat für den Fall des Sturms auf die Moschee mit Vergeltung gedroht. Aus Wut über die Polizeiaktion steckten in Battagram im Nordwesten des Landes 300 Demonstranten eine Zeltstadt westlicher Hilfsorganisationen in Brand.

Angehörige äußern Wut auf Regierung

Unterdesssen harrten mehrere hundert Meter von der Moschee entfernt an einer Absperrung Dutzende besorgte Eltern und Angehörige aus. Einige äußerten Wut auf die Regierung. Sein Sohn Abdullah wolle die Moschee verlassen, fürchte aber, von den Sicherheitskräften erschossen zu werden, sagte Lali Gul aus der nordwestpakistanischen Stadt Charsadda. Er habe den 16-Jährigen zuletzt am vergangenen Freitag gesprochen.

Die Sicherheitskräfte hatten in der vergangenen Woche mit der Belagerung der Roten Moschee begonnen, die seit Jahren ein Zentrum militanter Moslems ist. Vor Beginn des Sturms waren bei Kämpfen bereits mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 1200 Koranschüler hatten die Moschee seither verlassen.

Oppositionspolitiker hatten Präsident Pervez Musharraf seit Monaten gedrängt, gegen die Extremisten vorzugehen. Die militanten Muslime bekämpfen Musharrafs pro-amerikanische Politik und streben eine Islamische Republik nach dem Vorbild der in Afghanistan von der Macht vertriebenen Taliban an.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker