Südostasien "Schlimmste Flut seit Menschengedenken"


Neue Regengüsse haben die Lage der Flutopfer in Indien und Bangladesch verschärft: Rund zwei Millionen Dorfbewohner sind von der Außenwelt abgeschnitten, die Zahl der Todesopfer stieg auf 289, etwa 19 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Bundesregierung stellte 500.000 Euro Soforthilfe bereit.

Nach neuerlichen schweren Regenfällen in Südasien ist die Zahl der Toten und Flüchtlinge weiter gestiegen. Die Vereinten Nationen (UN) sprachen von "den schlimmsten Überschwemmungen seit Menschengedenken". In Indien berichteten lokale Medien am Sonntag von über 200 Menschen, die allein in den vergangenen drei Wochen in den überfluteten Monsun-Gebieten ums Leben kamen. Hilfsorganisationen gehen von rund 20 Millionen Menschen in den Regionen Bihar, Uttar Pradesh und Assam sowie den Nachbarstaaten Bangladesch und Nepal aus, die von den Fluten aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben wurden. Darunter seien rund drei Millionen Kinder.

Seit dem Beginn des Monsuns Mitte Juni starben nach inoffiziellen Angaben bereits über 1000 Menschen in den Fluten. Genaue Zahlen lassen sich wegen der unübersichtlichen Lage noch nicht abschätzen. Tausende verloren Hab und Gut, Ernten wurden vernichtet. Die Bundesregierung in Berlin stellte am Sonntag Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Welt, 500.000 Euro für Nahrungsmittel zur Verfügung.

"Die bisherige Hilfe reicht nicht aus"

Mittlerweile werfen Hubschrauber der indischen Armee in den abgeschnittenen Regionen Essenspakete für die hungernden Menschen ab, die unter anderem auf Dächern, Bäumen oder Brücken Zuflucht gesucht haben und völlig erschöpft dort ausharren. "Wir befürchten jetzt den Ausbruch von Typhus, Cholera und Malaria. Die Krankenhäuser sind voll von Menschen mit Fieber", sagte ein verzweifelter Dorfbewohner im indischen Darbhanga den Reportern.

Hilfsorganisation wie UNICEF, die Deutsche Welthungerhilfe oder Diakonie Katastrophenhilfe riefen unterdessen zu Spenden für die Flutopfer auf. Weltweit laufen Hilfsaktionen an. Es fehle unter anderem an sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen, Medikamenten und Nahrung. Viele Menschen litten unter Durchfall, Fieber oder Hautausschlägen. "Das Ausmaß der Naturkatastrophe ist enorm. Die bisherige Hilfe reicht nicht aus", sagte der stellvertretende Leiter von UNICEF in Indien, Eimar Barr. Die Behörden warnten vor einer Malaria-Epidemie.

Indische Offizielle hoffen allerdings auch, dass sich die Situation in den kommenden Tagen etwas entspannt. Sie gehen von einer Regenpause aus, die die übergetretenen Flüsse möglicherweise wieder abschwellen lassen. Gewöhnlich dauert die Regenzeit in Indien bis September. Jedes Jahr sterben in dieser Zeit hunderte Menschen, Häuser werden zerstört und Ernten vernichtet.

DPA/AP AP DPA

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