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Krieg in Syrien: Russland unterstützt Assad-Offensive - jetzt auch vom Meer aus

Die Bodenoffensive von Regierungstruppen in Syrien ist angelaufen: Russlands Präsident Wladimir Putin hat bestätigt, dass die Assad-Getreuen bei ihrem Vorstoß unterstützt werden. Der Kreml ließ Luftangriffe fliegen - und schoss erstmals Raketen von Kriegsschiffen ab.

Russisches Kriegsschiff im Mittelmeer

Russisches Kriegsschiff im Mittelmeer (Archivbild): Moskau lässt nun auch Ziele in Syrien vom Meer aus angreifen.

Die russische Luftwaffe unterstützt die syrischen Streitkräfte nach Angaben von Russlands Präsident Wladimir Putin bei ihrer Bodenoffensive in der zentralen Provinz Hama. Russland werde sein Vorgehen in Syrien "mit den Einsätzen der syrischen Armee am Boden" koordinieren, sagte Putin. Dabei werde die Luftwaffe seines Landes die syrische Offensive "effizient" unterstützen.

Aus syrischen Militärkreisen hieß es kurz darauf, im Norden der Provinz Hama habe die Armee mit ihren Verbündeten eine "breite Bodenoffensive" gestartet. Dabei erhielten die Regierungstruppen Unterstützung der russischen Luftwaffe.

"Zum ersten Mal wurden die Luftangriffe von Kämpfen zwischen Regime-Kräften und Rebellen begleitet", erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Türkei warf Moskau vor, von den vor einer Woche gestarteten Luftangriffen hätten sich nur zwei wirklich gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gerichtet.

Russland wies die Vorwürfe zurück und gab an, Extremisten wie den Islamischen Staat (IS) zu bombardieren. Inzwischen seien 19 Kommandopunkte, 12 Waffendepots und 71 Einheiten Kriegstechnik der Terroristen zerstört worden, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

26 Raketen von Kreuzern abgeschossen

Russland hat zudem erstmals von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer aus Ziele in Syrien angegriffen. Mehrere Kreuzer hätten 11 Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit 26 Raketen bombardiert, so Schoigu. Die Raketen überwanden eine Strecke von 1500 Kilometern. Zivilisten seien dabei nicht getötet worden, sagte er.

Von Beginn des Einsatzes an hatte der Westen geargwöhnt, Russlands Präsident Wladimir Putin gehe es eher um eine Stärkung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad als um die Zerschlagung des IS. In der Provinz Hama versucht nicht der IS, sondern eine Allianz der selbsternannten "Eroberungsstreitkräfte", allen voran die Extremistische Al-Nusra-Front, ihren Machtbereich auszuweiten. Bei den Gefechten dort hätten Damaskus-treue Kämpfer auch Boden-Boden-Raketen einsetzt, erklärte die Beobachtungsstelle.

Die "Eroberungsstreitkräfte", welche die Nachbarprovinz Idlib kontrollieren, hätten Verstärkung nach Hama geschickt, um die Offensive zu stoppen, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Bisher sei es den regierungstreuen Kämpfern nicht gelungen, Stellungen der Extremisten zu erobern. Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Rahman erklärte, die russischen Luftangriffe in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwochmorgen seien die bislang stärksten gewesen. Demnach wurden vier Orte in der Provinz Hama und drei Ziele in Idlib bombardiert. Auch aus der nordwestlichen Provinz Aleppo wurden Luftangriffe gemeldet. Dabei sei ein Waffenlager getroffen worden. Es seien aber auch zwei Frauen und ein Kind getötet worden.

Neue Fluchtwelle wäre "sehr ernstes Problem"

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte, "nur zwei von 57" russischen Luftangriffen hätten bisher IS-Zielen gegolten. Er berief sich auf Informationen des türkischen Militärgeheimdienstes. Die anderen Angriffe hätten auf die gemäßigte Opposition gezielt, die von der Türkei und den USA in ihrem Kampf gegen Assad unterstützt werden. "Wenn die syrische Opposition geschwächt wird, wird der IS davon profitieren", sagte Davutoglu. Überdies könnten Angriffe auf zivile Ziele eine weitere Fluchtwelle in die Türkei auslösen, das sei ein "sehr ernstes Problem".

Moskau zeigte sich angesichts der scharfen Kritik zu einer engeren militärischen Abstimmung mit den USA bereit. Das russische Verteidigungsministerium habe die Vorschläge Washingtons zu einer "Koordinierung der Operationen" mit der US-geführten Allianz intensiv geprüft und stimme mit diesen weitgehend überein, erklärte der Sprecher Igor Konatschenkow. "Im Großen und Ganzen können diese Vorschläge umgesetzt werden", am Mittwoch sollten Experten des russischen Verteidigungsministeriums und des Pentagon die letzten "technischen Einzelheiten" klären.

Für Nervosität hatte auch gesorgt, dass russische Kampfflugzeuge am Wochenende zwei Mal den türkischen Luftraum verletzten. Davutoglu sagte am Mittwoch an die Adresse Moskaus, bei der Sicherung der Grenzen und des Luftraums werde Ankara "keine Zugeständnisse" machen, Russland müsse auf die Sicherheitsinteressen der Türkei Rücksicht nehmen. Zugleich betonte der Ministerpräsident die Bedeutung der türkisch-russischen Beziehungen. Russland sei ein befreundetes Land, mit dem die Türkei keinen Streit wünsche.

amt / AFP / DPA