HOME

Clinton ernennt ihren Vize: "Langweiler" Tim Kaine - Das Gegenteil von Donald Trump

Hillary Clinton hat benannt, wer im Falle ihres Wahlsieges US-Vizepräsident wird: Tim Kaine bezeichnet sich selbst zwar als Langweiler, ist aber gleich aus mehreren Gründen der richtige Mann für den Job.

Auf einem Pdoium stehen Hillary Clinton und Tim Kaine Arm in Arm und winken mit der freien Hand ins Publikum

Ziehen gemeinsam in den US-Präsidentschaftswahlkampf: Hillary Clinton und ihr Vize Tim Kaine

Als "langweilig" hat sich Tim Kaine selbst beschrieben - und damit selbstironisch dem Eindruck zugestimmt, den viele von ihm haben. Gleichwohl kommt es nicht überraschend, dass der Senator und Ex-Gouverneur von Virginia von der Demokratin Hillary Clinton zu ihrem Kandidaten für das US-Vizepräsidentenamt ernannt worden ist. Wegen seiner langjährigen politischen Erfahrung, seiner verbindlichen und kooperativen Art, seiner Verwurzelung in einem wichtigen Bundesstaat und auch seines fließenden Spanisch galt er als einer der Topfavoriten für den Job.

Kaine sei "ein Mann, der sein Leben dem Kampf für andere gewidmet hat", schrieb Clinton bei der Bekanntgabe ihrer Entscheidung über Twitter. "Er ist ein unerschütterlicher Optimist, der kein Problem für unlösbar hält."

Der 58-jährige Jurist ist in vielfacher Hinsicht ein Antipode des Mannes, den er zusammen mit der Ex-Außenministerin im November besiegen soll. Kaine macht kein Aufhebens um sich, vertritt moderate Ansichten, pflegt eine milde Rhetorik und kommt auch mit politischen Gegnern gut zurecht - größer könnte der Kontrast zu Donald Trump kaum sein.

Tim Kaine zu nett für den Wahlkampf?

So sehr ist Kaine der "nice guy", dass die Zeitung "Washington Post" im Vorfeld seiner Ernennung bereits fragte, ob er nicht viel zu nett für diesen Wahlkampf sei. Doch Clinton setzt wohl darauf, dass viele Wähler die verbindliche Art ihres Vize als wohltuenden Kontrast zum aggressiven Trump empfinden werden. Sie selber ist offensichtlich bereit, die Abteilung Attacke großteils selber zu übernehmen.

Kaine soll aber auch die Kontrastfigur zu Trumps ultrakonservativem Vizekandidaten Mike Pence sein, der mit seinen rigiden Positionen gegen Abtreibungen und Homosexuellenrechte polarisiert. 

Der Mann für parteiunabhängige Wähler

Gleich in mehrere Richtungen soll der Senator integrierend wirken: Als Mann der Mitte soll er moderate Republikaner und parteiunabhängige Wähler ansprechen, sein Spanisch, das er als junger Mann während eines Helferjahres in Honduras lernte, erleichtert ihm den direkten Draht zur Latino-Wählerschaft, und aus seinen Zeiten in Virginia bringt er gute Beziehungen zur afroamerikanischen Gemeinde mit.

Kaine wuchs in Kansas City im Mittelweststaat Missouri auf, wo er in der Schweißerwerkstatt seines Vaters aushalf. Er absolvierte sein Jurastudium an der berühmten Harvard Law School und lernte dort auch seine Frau kennen, die Tochter eine Ex-Gouverneurs von Virginia, mit der er in ihren Heimatstaat zog.

Stadtrat, Bürgermeister, Gouverneur

Als Bürgerrechtsanwalt spezialisierte sich der progressive Katholik dort auf Diskriminierungen im Wohnungswesen. Seine politische Laufbahn begann im Stadtrat von Richmond, dessen mehrheitlich afroamerikanische Mitglieder ihn einige Jahre später zum Bürgermeister wählten. Danach folgte der Aufstieg zum Gouverneur.

Zum Amtsantritt von Präsident Barack Obama, mit dem ihn ein persönliches Verhältnis verbindet und der ihn seinerzeit als Vizepräsidenten in Betracht gezogen hatte, wurde Kaine Vorsitzender der Demokratischen Partei. Vor vier Jahren wurde er dann in den Senat gewählt.

Vorbelastet in den Wahlkampf mit Hillary Clinton

Der bodenständige Senator, der bei Wahlkampfauftritten schon mal Mundharmonika spielt und gerne wandert, vertritt im Senat einen Bundesstaat, der bei der Präsidentenwahl eine wichtige Rolle spielen könnte. Virginia gilt als "swing state", als Staat auf der Kippe zwischen Demokraten und Republikanern.

Der dreifache Vater zieht allerdings nicht unbelastet in den Wahlkampf mit Clinton. Aus seinen Amtszeiten in Virgina hängt ihm an, dass er teure Geschenke von Geschäftsleuten angenommen hat, darunter Kleidung und einen Karibikurlaub. Dies alles war zwar nicht illegal, könnte Trump und Pence aber Wahlkampffutter liefern.

tkr/Daniel Jahn / AFP