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Tony Blairs Memoiren "A Journey": "Der Alkohol war zu einer Stütze geworden"

Den Angriff auf den Irak 2003 bedauert er nicht, seinen Nachfolger Gordon Brown nennt er "unerträglich". Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair nutzt seine Memoiren zur großen Abrechnung. Aber auch sein eigener Alkoholkonsum ist ein Thema.

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hat am Mittwoch seine mit Spannung erwarteten Memoiren "A Journey" ("Ein Weg") veröffentlicht. In dem Werk verteidigt er noch einmal die wohl umstrittenste Entscheidung seiner Amtszeit, den Krieg im Irak: "Auf der Grundlage dessen, was wir jetzt wissen, glaube ich immer noch, dass es ein größeres Risiko für unsere Sicherheit gewesen wäre, Saddam (Hussein) an der Macht zu lassen, als ihn zu stürzen", schreibt der frühere britische Regierungschef. Zugleich drückt Blair sein tiefes Bedauern über den Tod zahlreicher Soldaten und Zivilpersonen aus. Er habe viele Tränen um die Toten vergossen. Die Entscheidung für den Krieg selbst könne er aber nicht bedauern.

Innenpolitisch reißt Blair in seinem Buch alte Wunden auf. Seinen innerparteilichen Rivalen und Nachfolger Gordon Brown bezeichnet er als schwierig und unerträglich. "Politisches Kalkül, ja. Politisches Gefühl, nein. Analytische Intelligenz, absolut. Emotionale Intelligenz, null." Blair trat im Juni 2007 zurück, seine zu Beginn seiner Amtszeit hohe Popularität war zu diesem Zeitpunkt auf einem Tiefpunkt angelangt. Sein Nachfolger Brown und die Labour-Partei verloren die Parlamentswahl im vergangenen Mai, und Blair lässt in seinen Memoiren kaum ein gutes Haar an Browns Amtsführung. "Man kann jetzt leicht sagen, angesichts seiner Amtszeit, dass ich das hätte stoppen sollen, damals wäre das aber praktisch unmöglich gewesen." Über den früheren US-Präsidenten George W. Bush äußert sich Blair positiver. Er beschreibt ihn als intelligent, als "wahren Idealisten" und als Mann von Integrität.

"Whisky oder Gin Tonic vor dem Abendessen"

Auf persönlicher Ebene berichtet Blair von seinem Verhältnis zum Alkohol. Er habe "einen Whisky oder einen Gin Tonic vor dem Abendessen" getrunken, "dann ein oder zwei Gläser Wein oder sogar eine halbe Flasche". Er habe zwar geglaubt, er habe die Kontrolle über seinen Konsum, und er habe eine Grenze gehabt. "Aber mir war klar, dass er zu einer Stütze geworden war, schreibt Blair über den Alkohol.

Über die Zeit nach dem Unfalltod von Prinzessin Diana berichtet Blair, er habe Königin Elizabeth II. damals gedrängt, eine öffentliche Erklärung abzugeben. Und er habe befürchtet, dass sie ihn deswegen für anmaßend halte. Er selbst habe sie für "etwas hochmütig" gehalten.

Blair stürmt die Bestsellerlisten

Bereits vor dem Verkaufsstart der Autobiografie "A Journey" verzeichneten die Händler ein enormes Interesse: Auf der britischen Seite des Online-Versandhauses Amazon rangiert das vom Verlag Random House als offene Beschreibung des Lebens an der Spitze der Macht angekündigte Buch schon seit Tagen unter den Top Ten.

Blair selbst, der sich am Tag der Veröffentlichung in seiner Rolle als internationaler Nahost-Vermittler zu den Friedensgesprächen in Washington aufhielt, hat erklärt, er wolle die menschlichen ebenso wie die politischen Dimensionen des Lebens als Regierungschef beschreiben. Für das Buch erhielt der 57-Jährige dem Vernehmen nach ein Honorar in Höhe von 4,6 Millionen Pfund (5,6 Millionen Euro). Die Einnahmen will er einer Wohltätigkeitsorganisation spenden, die sich um verwundete Kriegsveteranen kümmert. "A Journey" soll in zwölf Ländern erscheinen, die deutsche Ausgabe kommt am 8. September in den Handel. Neben der gedruckten Version wird ein E-Book sowie ein von Blair selbst gesprochenes Hörbuch verkauft.

Jill Lawless/AP/be/mad / AP
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