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Wahlkampf in Brasilien Reichlich Beschimpfungen und ein Eklat: Präsident Bolsonaro und Rivale Lula liefern sich erstes TV-Duell

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro während der ersten TV-Debatte vor den Wahlen Anfang Oktober
"Ich glaube, Du denkst beim Einschlafen an mich": Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro während der ersten TV-Debatte vor den Wahlen Anfang Oktober
© Rodrigo Paiva / Getty Images
Vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien haben sich Amtsinhaber Jair Bolsonaro und Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva im TV heftig gegenseitig attackiert. Bolsonaro knöpfte sich dabei auch gleich noch eine Moderatorin vor.

Das Duell war mit Spannung erwartet worden: Amtsinhaber Jair Bolsonaro und sein aussichtsreicher Kontrahent Luiz Inácio Lula da Silva haben sich in ihrer ersten Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien gegenseitig massive Vorwürfe gemacht. Der ultrarechte Bolsonaro nannte Lula gleich in seinem Eröffnungsstatement einen "Dieb" und warf dem linksgerichteten ehemaligen Präsidenten vor: "Seine Regierung war die korrupteste in Brasiliens Geschichte."  Mehrfach bezeichnete er ihn als "Ex-Sträfling".

Lula hatte zwischen April 2018 und November 2019 nach einer Verurteilung wegen Korruption und Geldwäsche in Haft gesessen. 2021 erhielt er aber sämtliche politischen Rechte zurück, nachdem der Oberste Gerichtshof Brasiliens die Urteile gegen ihn aufgehoben hatte.

Bolsonaro und Lula bezichtigen einander der Lüge

Lula entgegnete, er sei "viel sauberer" als Bolsonaro, weil er vom Obersten Gerichtshof für unschuldig befunden wurde, und erklärte, dass er "nur aus politischen Gründen inhaftiert" worden sei, damit Bolsonaro die Wahl gewinnen konnte. Der Politiker der Arbeiterpartei (PT) zählte darüber die hinaus die Anti-Korruptionsmaßnahmen auf, die er während seiner Amtszeit ergriffen habe.

Lula regierte Brasilien von Anfang 2003 bis Ende 2010. Mit Sozialprogrammen holte er Millionen Menschen aus der Armut. Auch wirtschaftlich boomte das Land. Allerdings breitete sich die Korruption in der größten Volkswirtschaft der Region weiter aus.

Im TV-Duell verwies Lula auf die Sozialreformen aus seiner Regierungsperiode und sprach auch lange über den Schutz der Umwelt – insbesondere des Amazonas-Regenwaldes, dessen Zerstörung nach Daten der brasilianischen Weltraumbehörde INPE im ersten Halbjahr einen Rekordwert erreicht hatte. Bolsonaro sei nun aber dabei, das Land zu "zerstören", so der 76-Jährige. Beide Kandidaten bezichtigten sich gegenseitig der Lüge.

Außer Bolsonaro und Lula beteiligten sich noch vier weitere der insgesamt zwölf Präsidentschaftskandidaten an der dreistündigen Debatte, darunter Ex-Finanzminister Ciro Gomes von der Mitte-links-Partei PDT und die Senatorin Simone Tebet von der Mitte-Partei MDB.

Frage von Moderatorin bringt Bolsonaro auf die Palme

Bolsonaro sorgte in der Debatte für einen Eklat, als er auf eine Frage der Journalistin Vera Magalhaes an einen der anderen Kandidaten mit massiven Vorwürfen gegen sie reagierte. Magalhaes hatte Ciro Gomes gefragt: "Die Durchimpfungsrate ist in den letzten Jahren stark gesunken. Inwieweit könnten die vom Präsidenten verbreiteten Falschinformartionen die Covid-Pandemie verschlimmert haben?"

Bolsonaro sagte darauf, an Magalhaes gerichtet, "Vera, von dir konnte man nichts anderes erwarten. Ich glaube, Du denkst beim Einschlafen an mich. Du hast eine gewisse Schwärmerei für mich." Er warf ihr "falsche Anschuldigungen" vor und sagte: "Du bist eine Schande für den brasilianischen Journalismus."

Als Simone Tebet der Journalistin beisprang und Bolsonaro Frauenfeindlichkeit vorhielt, attackierte der Präsident auch die Senatorin: "Sie sind eine Schande für den Bundessenat und ich greife keine Frauen an", wetterte er. "Kommen Sie nicht mit dieser Geschichte, dass ich Frauen angreife, um sich selbst zum Opfer zu machen."

Tatsächlich fällt Bolsonaro regelmäßig mit frauenfeindlichen Aussagen auf. Als seine Tochter geboren wurde, entschuldigte er sich in einer Rede für diesen "Schwächeanfall".  Zu einer linksgerichteten Abgeordneten sagte er, sie sei zu hässlich, um von ihm vergewaltigt zu werden und über Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron machte er sich lustig, weil dessen Ehefrau Brigitte fast 30 Jahre älter ist als seine eigene Gattin.

In der Corona-Pandemie hat Bolsonaro die Infektion immer wieder als "Grippchen" verharmlost, Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln oder Mundschutz abgelehnt und sogar den Sinn von Impfungen öffentlich angezweifelt: Man könne sich durch sie in ein Krokodil verwandeln, sagte er. 

Umfragen sehen Lula vor der ersten Wahlrunde am 2. Oktober derzeit klar vor Bolsonaro. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Datafolha kann der Ex-Präsident mit 47 Prozent der Stimmen rechnen, der 67-jährige Amtsinhaber hingegen nur mit 32 Prozent. Erringt keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen, findet am 30. Oktober eine Stichwahl statt.

Quellen: "Correio Brasiliense", "Estado de Minas"ntv, DPA, AFP

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