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Krieg in der Ukraine Russland in besetzten Gebieten massiv unter Druck – Briten beobachten Probleme bei Putins Mobilmachung

Soldaten der Ukraine untersuchen einen verlassenen russischen T-90A-Panzer in der Nähe von Kharkiv
Soldaten der Ukraine untersuchen in der Nähe von Kharkiv einen verlassenen russischen T-90A-Panzer
© Yasuyoshi Chiba / AFP
Nach der Vertreibung der Kreml-Truppen aus Lyman versucht die Ukraine weitere Gebiete von Russland zurückzuerobern. Die britischen Geheimdienste beobachten derweil Probleme bei der russischen Teilmobilmachung.

In den von Russland annektierten Gebieten in der Ukraine stehen Moskaus Streitkräfte angesichts des Vormarsches der Kiewer Truppen weiter unter massivem Druck. Aus den Gebieten Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk berichteten die russischen Besatzer am Montag von zahlreichen Versuchen der Ukraine, Frontlinien zu durchbrechen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor von neuen Erfolgen bei der Rückeroberung von Ortschaften berichtet.

Kremlchef Wladimir Putin hatte die vier Gebiete am Freitag gemäß einem international nicht anerkannten Vertrag in die Russische Föderation aufgenommen. Abgeschlossen ist die als Völkerrechtsbruch kritisierte Annexion erst mit der Verabschiedung zahlreicher Gesetze zur Integration der Gebiete. Die Staatsduma wollte die Gesetze noch am Montag verabschieden. Eine anschließende Zustimmung des Föderationsrates gilt als reine Formsache. Dann muss Putin die Einverleibungsgesetze noch unterschreiben.

Die Besatzer gehen davon aus, dass dann eine russische Großoffensive im Osten und Süden der Ukraine beginnt. Der Separatistenführer Denis Puschilin in Donezk zeigte sich im Staatsfernsehen am Montag zuversichtlich, dass sich die Lage an der Front zugunsten der Okkupanten entwickeln werde. Durch die Teilmobilmachung komme neues Personal und auch neue Technik in die Kampfgebiete, prognostizierte er. "Deshalb wird sich das Bild dessen, was an der Front passiert, ändern. In positiver Hinsicht." Erfolge gebe es etwa schon jetzt im Raum Bachmut, meinte Puschilin.

Briten melden Probleme bei Russlands Teilmobilmachung

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste stößt Russland dagegen bei der am 21. September von Putin angeordneten Teilmobilmachung auf erhebliche Probleme. Eingezogene Reservisten würden sich derzeit übergangsweise in Zeltlagern versammeln, hieß es am Montag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Das deute daraufhin, dass das Militär Schwierigkeiten habe, die Rekrutierten auszubilden und Offiziere für die Führung neuer Einheiten zu finden. Die Geheimdienste gehen außerdem stark davon aus, dass seit der Verkündung der Teilmobilmachung am 21. September auch bereits Russen eingezogen wurden, die eigentlich nicht unter die Definition der Rekrutierungswelle fallen, wie ältere Menschen, Kranke, Männer ohne Erfahrung sowie Studenten.

Sogar Putin habe eine Woche später vor seinem nationalen Sicherheitsrat eingestanden, dass Fehler passiert seien, und gewarnt, diese dürften nicht erneut passieren. Die Briten sehen dieses Eingeständnis als Zeichen für große Schwierigkeiten. Regionale Offizieren wüssten mutmaßlich nicht über den exakten Rahmen oder die Ziele der Mobilmachung Bescheid.

Zudem hat die Mobilmachung in Russland eine regelrechten Massenexodus ausgelöst. Zehntausende Männer flüchteten sich vor dem Kriegseinsatz in Nachbarländer wie Georgien, Finnland, Kasachstan, Kirgistan und die Mongolei. An der Grenze zu Georgien stoppten die russischen Behörden eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 180 Wehrpflichtige. Ihnen sei direkt am Grenzübergang Werchni Lars ein Einberufungsbescheid übergeben worden, meldete die Agentur Interfax.

Russland verhängt Einfuhrverbot für Laster aus EU-Ländern

Die russische Regierung hat unterdessen Lastwagen aus EU-Ländern die Einreise untersagt. Verboten sei sowohl der Gütertransport im bilateralen Handel als auch der Transit oder die Einfahrt aus Drittländern, heißt es in der am Samstag veröffentlichten Verordnung. Die Bestimmungen betreffen neben der EU auf dem europäischen Kontinent auch Norwegen, Großbritannien und die Ukraine. "Die Verordnung tritt am 10. Oktober in Kraft und gilt bis zum 31. Dezember", hieß es in dem Dokument.

Nach Putin-Drohungen: Welche Folgen hätte ein russischer Atomwaffen-Einsatz? (Symbolbild einer Atombombe)

Das Verbot ist ausdrücklich auch eine Reaktion der russischen Führung auf ein Einfuhrverbot seitens der europäischen Länder gegenüber Lkw-Transporten aus Russland und Belarus. Die EU hatte diese Maßnahme am 8. April als Teil eines Sanktionspakets wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine ergriffen.

mad DPA

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