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Unruhen: Der Irak steht in Flammen

Knapp ein Jahr nach dem Einmarsch der US-Truppen in Bagdad weitet sich der erbitterte Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak wie ein Flächenbrand aus.

Knapp ein Jahr nach dem Einmarsch der US-Truppen in Bagdad weitet sich der erbitterte Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak wie ein Flächenbrand aus. Von Kirkuk im Norden bis weit in den Süden kämpften Aufständische am Mittwoch gegen ausländische Soldaten. In Falludscha wurden bei Gefechten in der Nacht 60 Iraker getötet, wie Krankenhäuser mitteilten. Bei einem Hubschrauber-Angriff auf das Gelände einer Moschee in Falludscha kamen nach Berichten von Augenzeugen rund 40 Menschen ums Leben.

Schiitische Milizionäre kontrollieren Ortschaften

Die Kämpfe breiteten sich am Mittwoch in mehrere Richtungen aus. Schiitische Milizionäre übernahmen die Kontrolle über einige Ortschaften im Süden des Landes. Die El-Mahdi-Armee, eine Miliz des gesuchten Geistlichen Muktada el Sadr, besetzte in Kut und Kufa Regierungsgebäude und patrouillierte in den Straßen. Das ukrainische Verteidigungsministerium zog seine Soldaten aus Kut ab. In Kerbela lieferten sich Anhänger Sadrs Gefechte mit polnischen Soldaten. Dabei wurde Sadrs Berater Muntadhir el Mussawi getötet, wie dessen Büro mitteilte. Nahe Kirkuk kam es zu Kämpfen, bei denen laut Polizei acht Iraker getötet wurden.

Abschuss eines Hubschraubers

In Bakuba musste ein US-Militärhubschrauber laut Armeeangaben nach einem Beschuss notlanden. Verletzt wurde niemand. Ein AP-Fotograf hatte zuvor von einer Explosion berichtet, der Hubschrauber sei in Flammen aufgegangen. In Bakuba lieferten sich US-Truppen und schiitische Milizionäre am Mittwoch heftige Kämpfe.

USA wollen die Miliz Sadrs vernichten

US-Brigadegeneral Mark Kimmitt versicherte, die Truppen würden die Miliz Sadrs vernichten. US-Marine-Infanteristen drangen wieder in das Zentrum von Falludscha vor. Schwere Explosionen und Maschinengewehrfeuer waren im Norden der Stadt zu hören. Das Gelände der Moschee wurde laut Augenzeugen von einem US-Hubschrauber mit drei Raketen beschossen, anschließend seien zahlreiche Leichen weggebracht worden. Die Moschee selbst blieb unbeschädigt, wie ein AP-Reporter berichtete.

Straßenkämpfe in Falludscha

In Falludscha waren die Marineinfanteristen am Dienstag in Straßenkämpfe verwickelt worden, in denen schwere Waffen wie das für die Bekämpfung von Bodenzielen konzipierte Kampfflugzeug AC-130 und Panzer eingesetzt wurden. Am Dienstagabend waren bei US-Luftangriffen auf vier Häuser der Stadt mindestens 26 Iraker getötet worden, darunter auch Frauen und Kinder, wie Augenzeugen berichteten.

Der Tod von zwölf US-Soldaten wurde bestätigt

Wie ein Gewährsmann in Washington unter Berufung auf Berichte aus Ramadi mitteilte, griffen Dutzende Iraker eine Stellung der Marineinfanteristen nahe des Gouverneurspalastes an. US-Generalmajor James Mattis erklärte, zwölf US-Soldaten seien bei den Kämpfen getötet worden.

Verstärkung der US-Truppen ist wahrscheinlich

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schloss angesichts der schweren Kämpfe eine Verstärkung der US-Truppen in Irak nicht aus. In einer Konferenzschaltung mit dem auf seiner Ranch in Crawford weilenden Präsidenten George W. Bush, der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und anderen engen Mitarbeitern sagte Rumsfeld, die Entscheidung darüber liege bei der Militärführung vor Ort. Sollten sie mehr Soldaten anfordern, würden sie sie bekommen.

Bush trauere "um jeden Gefallenen"

US-Präsidentensprecher Scott McClellan sagte zu den zunehmenden Verlusten, Bush trauere "um jeden Gefallenen". Die US-Regierung bekräftigte erneut ihre Absicht, zum 1. Juli die Souveränität an die Iraker zurück zu geben.

Die bulgarischen Truppen sollen nach Regierungsangaben trotz des Aufstands in Irak bleiben. Auch das Verteidigungsministerium in Rom wies Forderung nach einem Rückzug der italienischen Soldaten zurück. Japan rief die UN zu einer Intervention auf.

AP