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US-Präsidentschaftskandidat: "Ich will da rausgehen und Trump plattmachen": Joe Biden spricht in TV-Show über die Ukraine-Affäre

Donald Trump versucht weiter, die Ukraine-Affäre herunterzuspielen und davon abzulenken. Sein Lieblingsziel: Konkurrent Joe Biden. Dieser setzt nun seinerseits bei "Jimmy Kimmel" zum Gegenschlag an.

Joe Biden war in der Talkshow von US-Moderator Jimmy Kimmel zu Gast

Joe Biden war in der Talkshow von US-Moderator Jimmy Kimmel zu Gast

Die Erde in Washington bebt gewaltig – doch kann sie den US-Präsidenten tatsächlich erschüttern? Noch versucht Donald Trump, den Auslöser dafür, die Ukraine-Affäre, kleinzureden und davon abzulenken. Seine Strategie: Mit heftigen verbalen Attacken auf den Ex-Vizepräsident und Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und dessen Sohn will er die öffentliche Aufmerksamkeit in eine andere Richtung steuern. 

Biden bezog nun seinerseits ebenfalls Kampfposition: In der Talkshow von US-Moderator Jimmy Kimmel holte er zum Gegenschlag aus.

"Ich will da rausgehen und ihn plattmachen"

Ob zur Zeit etwas los sei bei ihm, fragte Kimmel zu Beginn sein Gegenüber Biden. Der konnte angesichts der aktuellen Entwicklungen nur ironisch lachen. 

Es habe das Gefühl, fuhr Kimmel daraufhin fort, Biden habe nach seinem Amtsabtritt als Vizepräsident zusammen mit dem damaligen Präsidenten Barack Obama "die Tür zum Weißen Haus offengelassen und ein Bär ist reingelaufen." Mit Blick auf die Ukraine-Affäre fragte er Biden anschließend, ob dieser auch an ein mögliches Impeachment Trumps glaube.

Bidens Antwort: Was zurzeit geschehe, sei "so ein Machtmissbrauch". Anhand des vom Weißen Haus veröffentlichten Protokolls zum Gespräch des US-Präsidenten mit seinem ukrainischen Amtskollegen sei es in seinen Augen "extrem schwer, nicht zu dem Schluss zu kommen", dass dies ein 'impeachable offense' sei, also ein Vergehen, das zu einem Amtsenthebungsverfahren führen könnte. Trump habe außerdem verfassungsrechtliche Verantwortlichkeiten verletzt, so Biden weiter. 

Jimmy's FULL INTERVIEW with Vice President Joe Biden on the Ukraine scandal, impeachment & defeating Donald Trump…

Gepostet von Jimmy Kimmel Live am Donnerstag, 26. September 2019

Davon abgesehen habe er aber großes Vertrauen in den Senat und Kongress, damit richtig umzugehen. Was ihn persönlich angehe: "Ich will da rausgehen und ihn plattmachen." Das Publikum fing daraufhin an zu johlen. Davon unbeeindruckt bekräftigte Biden: "Ich meine es ernst."

Biden dürfte die Ukraine-Affäre besonders erschüttern, da Trump in dem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten immer wieder andeutet, sein Sohn Hunter Biden habe illegal gehandelt. Die Vorwürfe entbehren bislang jedoch einer Grundlage.

Joe Biden: Schäden durch Trump sind "markerschütternd"

Der 76-Jährige, der unter Obama Vizepräsident war, hatte anfangs gar nicht vorgehabt, sich ins Präsidentschaftsrennen für 2020 einzuschalten. Doch dann habe er gesehen, wie in Charlottesville Menschen mit Fackeln auf die Straße gegangen seien und antisemitische Parolen wie damals in Deutschland gerufen hätten. Und da seien laut Trump "feine Leute" dabei gewesen, so Biden weiter. An diesem Punkt habe er beschlossen, nicht länger still zu sein. 

stern-Korrespondent Jens König über Donald Trumps Impeachment-Verfahren

Vier Jahre Trump seien vielleicht irgendwie ertragbar, aber "acht Jahre Donald Trump werden den Charakter dieses Landes fundamental verändern. Und das können wir nicht zulassen," sagte Biden. Die Schäden, die der US-Präsident angerichtet habe, seien schon jetzt markerschütternd. "Wir müssen die Seele der USA wiederherstellen und das, was uns ausmacht und unsere Werte."

Demokraten: Gespräch "ist sehr beunruhigend"

Hintergrund der laufenden Debatte in den USA ist ein Telefongespräch zwischen Trump un dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Ein Whistleblower aus einem Geheimdienst legte nach dem Gespräch Beschwerde an den entsprechenden Stellen ein. Das Telefonat wurde öffentlich, Trumps Stab veröffentlichte Auszüge aus dem Protokoll. 

Aus Sicht vieler Demokraten zeigt das Gesprächsprotokoll, dass Trump mit Hilfe einer ausländischen Regierung seinem politischen Rivalen Joe Biden – dem wohl aussichtsreichsten demokratischen Präsidentschaftsbewerber für die Wahl 2020 – schaden und damit den Wahlkampf beeinflussen wollte. So forderte Trump Selenskyj indirekt auf, mit seinem Anwalt Rudy Giuliani zu kooperieren und gegen Bidens Sohn Hunter zu ermitteln. 

Bereits am Mittwoch hatten Mitglieder der Geheimdienstausschüsse Einblick in die Beschwerde des Whistleblowers bekommen, die dieser bei einem internen Kontrollgremium eingereicht hatte. "Nachdem ich die Beschwerde des Whistleblowers gelesen habe, bin ich sogar noch besorgter über das, was passiert ist", sagte der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer. "Es gibt so viele Fakten, die untersucht werden müssen. Es ist sehr beunruhigend."

In dem Papier schreibt der Whistleblower weiter, im Rahmen seiner Dienste habe er Informationen mehrerer Regierungsmitarbeiter erhalten, dass "der Präsident der Vereinigten Staaten die Macht seines Amtes nutzt", um die Einmischung eines anderen Landes in die US-Wahlen 2020 zu fordern.

mik