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Volksentscheid: Malteser wollen sich scheiden lassen dürfen

Die katholische Kirche auf Malta hatte bis zum Schluss dagegen gekämpft: Die Einwohner Maltas haben sich per Referendum dafür ausgesprochen, künftig Ehescheidungen zuzulassen. Geduld müssen die Trennungswilligen dennoch mitbringen.

Die Trennungswilligen haben sich durchgesetzt: Auf Malta sollen nach dem Willen der Mehrheit der Bürger Scheidungen künftig möglich sein. Dies sei das Ergebnis des zu der Frage abgehaltenen Referendums, teilte der Regierungschef der Mittelmeerinsel, Lawrence Gonzi, am Sonntag in Valletta mit. Malta zählt neben den Philippinen und dem Vatikan bislang zu den einzigen Ländern weltweit, in denen Scheidungen verboten sind.

Zur Abstimmung am Samstag waren 304.000 Wahlberechtigte aufgerufen. Die Befürworter der Scheidung erklärten am Sonntag auf der Basis von Hochrechnungen, etwa 54 Prozent der Wähler hätten sich für die Einführung der Scheidung ausgesprochen.

Auch Regierungschef Gonzi gestand den Sieg der Scheidungsbefürworter ein. "Das ist nicht das Ergebnis, das ich mir gewünscht hätte", sagte der Politiker, der im Vorfeld des Referendums für ein "Nein" geworben hatte. "Aber der Wille der Bevölkerung muss respektiert werden." Das Parlament werde jetzt ein Gesetz zur Einführung von Scheidungen erarbeiten und dann darüber abstimmen. Auch der Vize-Chef der Kampagne gegen die Scheidung, Arthur Galea Salomone, sagte, die Bevölkerung habe sich klar für die Einführung der Scheidung ausgesprochen.

95 Prozent der Malteser sind katholisch

Nach dem Referendumsvorschlag sollen Scheidungen künftig möglich sein, wenn die Ex-Partner vier Jahre getrennt gelebt haben und keine Aussicht auf Versöhnung besteht. Bislang konnten sich die Ehepartner zwar trennen, eine erneute Heirat war aber schwierig, da dazu zunächst die erste Ehe von der Kirche offiziell annulliert werden musste. Dies bedurfte aber einer langen und komplizierten Prozedur von etwa acht Jahren, die nur selten von den katholischen Gerichten vorgenommen wurde. Von den etwa 400.000 Maltesern sind 95 Prozent katholisch.

Obwohl die Kirche keine offizielle Kampagne für die Beibehaltung des Scheidungsverbots gemacht hatte, hatte der Erzbischof von Valetta den Gläubigen in einem Brief mitgeteilt, die Wähler müssten sich entscheiden, die Familienwerte entweder "zu erschaffen oder zu zerstören". Augenzeugen berichteten zudem, dass Geistliche damit drohten, den Befürwortern der Scheidung beim Kirchengang die Kommunion zu verweigern.

be/AFP / AFP