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Wahlparteitag der US-Republikaner: Dunkle Wolken über Mitt Romneys Krönungsmesse

Tropensturm "Isaac" scheint Romneys Parteitagsort Tampa zu verschonen. Doch eine Sorge bleibt dem Obama-Herausforderer: Das Unwetter könnte seinen geplanten Imagewechsel mächtig durcheinanderwirbeln.

Die Wolken hängen dunkel und tief über Tampa. Eigentlich nennt sich Florida "Sunshine State", und die Organisatoren des Republikaner-Parteitags verteilen auch am Montag unbeirrt Sonnenbrillen und Sonnencreme an die Journalisten. Doch die Stimmung hat sich verdüstert. Mitt Romney, der Mann, der US-Präsident Barack Obama bei der Wahl Anfang November aus dem Weißen Haus jagen will, hat Probleme - und die nicht nur wegen des Wetters.

Irgendwas ist da in der Parteitagsplanung total schiefgelaufen. Zwar gilt Florida als wichtiger Swing-State, also als einer der rund ein Dutzend Bundesstaaten, deren Abstimmung in gut zwei Monaten entscheidend sein wird, ob Obama weiter im Weißen Haus bleibt oder ob Romney dort einzieht. Die Versuchung, das Spektakel in Florida abzuhalten, war also groß. Doch dass Florida im Sommer höchst anfällig für schwere Stürme ist, war kein Geheimnis. Die Republikaner sind ein großes Risiko eingangen - jetzt verhagelt Tropensturm "Isaac" die Veranstaltung.

Notgedrungen verkürzten die Republikaner das Vorwahl-Spektakel vorsorglich auf drei Tage. Der Parteitag wurde am Montagnachmittag (Ortszeit) offiziell eröffnet, aber nach einem kurzen Zeremoniell sofort auf Dienstag vertagt. Dann soll der 65-jährige Ex-Gouverneur und Multimillionär offiziell als Herausforderer von Präsident Barack Obama für die Wahl Anfang November nominiert werden. Die große Rede Romneys ist zum Abschluss am Donnerstag vorgesehen.

Romneys-Image: kühl, hölzern, kontaktscheu

Parteitage in den USA sind ein buntes Happening, eine Art Mischung zwischen Krönungsmesse und Popkonzert - zu viele Debatten passen ebenso wenig dazu wie dunkle Wolken und nasse Füße. Die verderben einfach die Stimmung.

Dabei könnte es geradezu rosig aussehen für Romney: Flaue Konjunktur, hohe Arbeitslosigkeit, eine weit verbreitete schlechte Stimmung unter der Amerikanern - eigentlich müssten Romneys Chancen, Obama abzulösen, überwältigend sein. Doch seit Wochen zerbrechen sich die Republikanerstrategen den Kopf, warum es dem Wirtschaftsexperten Romney immer noch nicht gelungen ist, seinen Gegner in Umfragen deutlich abzuschütteln. Die Antwort der Experten: Romney hat ein Image-Problem.

Kühl bis kalt, hölzern bis kontaktscheu: So kommt der frühere Investor und Multimillionär Romney bei vielen Amerikanern an - ganz im Gegensatz zum "Menschenfischer" Obama. Romney, so die eigenen Strategen hinter vorgehaltener Hand, gelinge es noch immer nicht, die Herzen zu öffnen, echte Begeisterung zu entfachen.

In einer "aufwendigen Choreographie", so die "Washington Post", wollen die "spin doctors", Romney auf dem Parteitag ein neues Image zu verpassen. Neben den erfolgreichen Geschäftsmann müsse das Bild des "liebevollen Ehemannes und Vaters" gestellt werden, meinen Berater. Der kühle Kopfmensch, der Erfolgsmensch Romney müsse "vermenschlicht" werden. Kein Zufall, dass die geplante Rede von Ehefrau Ann mittlerweile als Schlüsselrede gehandelt wird.

ABC-Umfrage sieht Romney vorn

Kein Zufall auch, dass ausgerechnet jetzt amerikanische Medien auffällig gehäuft "Human-Touch-Storys" über die Familie Romney veröffentlichen. So etwa über die Erkrankung seiner Frau an Multiple Sklerose oder über seinen schweren Autounfall in den 60er-Jahren als junger Mormonen-Missionar in Frankreich. Wie es heißt, raten die Berater Romney jetzt sogar, seinen Mormonen-Glauben zu Thema zu machen - zuvor galt das als großer Risikofaktor.

Ein kleiner Hoffnungsstrahl ist immerhin die jüngste Umfrage der der "Washington Post" und des TV-Senders ABC. Demnach liegt Romney derzeit mit 47 zu 46 Prozent vorn. Vor allem beim Thema Wirtschaft trauen die Befragten dem Multimillionär mehr zu.

Doch das Vertrackte: "Isaac" droht, den geplanten Imagewechsel zu mehr Menschlichkeit Romneys erheblich durcheinanderzuwirbeln. "Isaac" lässt zwar Tampa links liegen, bewegt sich aber stattdessen in Richtung Louisiana, Mississippi und Alabama. Über dem Golf könnte der Sturm weiter Kraft tanken - und dann ausgerechnet auf den Tag sieben Jahre nach Hurrikan "Katrina" auf Land treffen.

Wirbelsturm könnte zum "medialen Alptraum" werden

"Katrina" ist in schlechter Erinnerung bei Republikanern. Tod und Verwüstung brachte der Sturm damals über New Orleans - der damalige Präsident George W. Bush reagierte zu spät und überflog dann das Katastrophengebiet im Hubschrauber. Eine Geste, die die Amerikaner als hartherzig und wenig mitfühlend verstanden.

Wenn diesmal "Isaac" zuschlagen sollte, und der Parteitag dennoch mit bunten Luftballons und Popmusik Romneys Krönungsmesse feiert - es wäre ein "medialer Alptraum", wie ein MSNBC-Kommentator meinte. Unvereinbar mit Romeys Wunsch nach Imagewechsel und "Vermenschlichung".

2008, als Hurrikan "Gustav" ebenfalls an der US-Golfküste zuschlug, fuhren die Republikaner ihren Parteitag in St. Paul in Minnesota auf Sparflamme, sagten ebenfalls den ersten Tag ab. Zehn Wochen später verlor der Republikaner John McCain die Präsidentenwahl. Ein schlechtes Omen also für Romney?

kng/DPA / DPA