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Krieg in Syrien: Warum greift Nato-Partner Türkei den Nato-Verbündeten YPG an?

Und die nächste Front: Die Türkei geht im Norden Syriens gegen die Kurdenmiliz YPG vor - die wiederum zusammen mit den Amerikanern erfolgreich den Islamischen Staat bekämpft haben. Warum? Und wer ist die YPG?

Türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien

Türkischer Panzer in der Nähe von Hassa an der Grenze zu Syrien

Als wäre die Situation in Syrien nicht schon vertrackt genug, eröffnet die Türkei nun eine weitere Front. Und ausgerechnet dort, wo es bislang ruhig und stabil war: in denen von Kurden beherrschten Gebietem des Bürgerkriegslandes. Trotz diverser Appelle einiger Nato-Partner zieht die Türkei die Operation "Olivenzweig" durch und greift seit dem Wochenende die Stadt Afrin an - mit Artillerie, Flugzeugen und Bodentruppen. Ziel der Attacken sind die Kämpfer der kurdischen YPG, die die Türkei als "Terroristen" einstuft, die aber an der Seite der USA sehr erfolgreich gegen den Islamischen Staat (IS) vorgegangen sind.

Im siebten Jahr des Bürgerkriegs bekämpfen sich in Syrien mittlerweile rund ein Dutzend Kriegsparteien. Die Truppen des Assad-Regimes zusammen mit den Soldaten Russlands gegen die Rebellen, den teilweise besiegten Islamischen Staat sowie al Kaida. Daneben mischen noch Iranische Revolutionsgarden mit, die Amerikaner, die Israelis und die Hisbollah, die schiitischen Extremisten aus dem Libanon. Und nun also die Türken gegen die syrischen Kurden. Warum genau? Drei Fragen und Antworten.

Warum greift die Türkei in Syrien an?

Offziell soll die türkische "Operation Olivenzweig" die Bewohner der nordsyrischen Grenzregion von der "Unterdrückung durch Terroristen" befreien, wie der türkische Generalstab bekanntgab. Die Türkei und die verbündeten Rebellen werfen der YPG vor, Araber vertrieben und so die Bevölkerung der ethnisch gemischten Region verändert zu haben. Zudem sei auch der IS Ziel der Angriffe. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einer Rede, sein Land werde "Schritt für Schritt" einen "Terror-Korridor" zerstören, den die YPG errichtet habe. Erste Ziele der Offensive sind die von Kurden kontrollierten Orte Afrin und das davon rund 100 Kilometer entfernte Manbidsch. Der Regierung in Ankara geht es vor allem darum, einen Zusammenschluss der Kurdengebiete westlich und östlich des Flusses Euphrat zu verhindern, denn sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdischen Autonomiebestrebungen im eigenen Land.

Wer ist die YPG?

YPG steht für Yekîneyên Parastina Gel und bedeutet Volksverteidigungseinheiten. Ankara betrachtet sie als syrischen Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation. Die YPG ist aber zugleich ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Kurdenmiliz kontrolliert große Teile im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei, wo die Kurden eine Selbstverwaltung eingerichtet haben. Die YPG ist der bewaffnete Arm der kurdischen PYD, die aus der PKK hervorgegangen ist. Wie eng die Verflechtungen sind, ist umstritten. Personell und ideologisch sind beide Gruppen miteinander eng verbunden, dennoch gehen Experten davon aus, dass beide relativ eigenständig agieren.

Wie reagieren Verbündete und Gegner auf die Offensive?

Der Nato-Partner Türkei geht gegen die Verbündeten des Nato-Partners USA vor. Das klingt nach Provokation. Die USA haben vor Beginn der Operation an die Türkei appelliert, von ihrem Einsatz abzusehen. Mit den USA habe Recep Tayyip Erdogan gesprochen, sie aber "bei einigen Fragen nicht überzeugen" können, sagte so der türkische Präsident. Auch mit "unseren russischen Freunden" habe Erdogan gesprochen und eine Vereinbarung gefunden. Anscheinend lässt Moskau die Kurden nun fallen, zu denen sie bislang gute Beziehungen gepflegt haben. Auf Initiative Frankreichs wollte der UN-Sicherheitsrat in New York in einer Dringlichkeitssitzung über Syrien beraten. Eine deutsche Außenamtssprecherin sagte, die Bundesregierung zähle darauf, "dass die Mitglieder des Sicherheitsrats ihrer Verantwortung gerecht werden". Der Konflikt müsse politisch gelöst werden.

Krieg Syrien Grafik

Ein unbekannter Beobachter hat eine Grafik gebaut, die zeigt, wer gegen wen in Syrien kämpft. Es gibt kaum eine Partei, die nicht nur Angreifer als auch Angegriffener ist.


nik mit DPA/AFP