HOME

Koch, Schultz, Steyer: Mit Millionen und Macht: Wie Superreiche versuchen, Trumps Wiederwahl zu verhindern

Geld allein hilft bei der US-Präsidentschaftswahl zwar nichts, aber ohne Geld braucht man auch gar nicht erst zu kandidieren. Gleich eine ganze Reihe von Superreichen will Donald Trump aus dem Amt fegen. Ein Überblick.

Donald Trump Charles Koch Howard Schultz

Donald Trump und seine Kontrahenten Charles Koch (r.) und Howard Schultz (l.)

AFP / Picture Alliance

US-Wahlkämpfe sind ein teures Vergnügen. 2016, als sich Donald Trump und Hillary Clinton um die Präsidentschaft duellierten, hatten beide Kandidaten rund zwei Milliarden Dollar ausgegeben - für Werbespots, für Helfer, für Wählerdaten. Mehr Geld hat bis dahin noch kein Rennen ums Weiße Haus gekostet. Wer in den USA an die Schalthebel der Macht will, sollte entweder gut betucht sein, viele Spender haben oder großzügige Gönner hinter sich wissen – am besten alles auf einmal.

Ex-Hedgefondsmanager gegen Donald Trump

Einer der berühmtesten Vertreter des Genres Wahlkampf-Mäzen ist Tom Steyer. Der 61-Jährige hat als Hedgefondsmanager bei der Investmentbank Goldman-Sachs ein Vermögen verdient – und stellt sein Geld vor allem der demokratischen Partei zur Verfügung. Mit einer Gabe von 38 Millionen Dollar war Steyer 2016 größter Einzelspender Hillary Clintons. Und auch nächstes Jahr wird er wieder tief in die Taschen greifen, um Donald Trumps Gegenkandidaten zu unterstützen – wenn es denn dann noch einen Kandidaten Trump gibt. Denn der Ex-Banker stellt rund 100 Millionen Dollar bereit, um ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten zu ermöglichen.

Pete Buttigieg will der nächste US-Präsident werden

Vor wenigen Tagen hat der Milliardär seine "Operation Accountability" – die Operation Rechenschaft – gestartet. Dazu scharrt er massenhaft Gegner des US-Präsidenten um sich, um mit ihrer Hilfe den Druck auf die US-Kongressmitglieder zu erhöhen, ein Amtsenthebungsverfahreren (Impeachment) gegen Trump einzuleiten. 300 Freiwillige, in einer Art Anti-Trump-Fortbildung geschult, haben vor zwei Tagen entsprechende Antragsentwürfe an ihre Abgeordneten übergeben.

Steyers "Rechenschaftskampagne" ist Teil seines größeren Feldzugs "Need to Impeach", die er im Herbst 2017 begonnen hat. Sieben Millionen Unterstützer haben sich der Initiative bislang angeschlossen, unter dem Hashtag finden sich auf Twitter abertausende Motivationseinträge von Freiwilligen, Mitarbeitern und Tom Steyer selbst. Er selbst hat offenbar auch eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, für das höchste Amt der USA zu kandidieren, sich dann aber entschieden, mit seinen Millionen lieber den Amtsinhaber zu bekämpfen. "Donald Trump", so Steyer jüngst bei einem Auftritt, "ist ein Krebsgeschwür am Herzen von Amerika".

Beide Parteien taugen nichts

Erst vor wenigen Tagen hatte auch ein anderer Superreicher dem US-Präsidenten den Kampf angesagt: der frühere Starbucks-Chef Howard Schultz. Im Sender CBS holte er jüngst zum Rundumschlag gegen Donald Trump aus: "Dieser Präsident ist nicht qualifiziert, der Präsident zu sein". Und an Demokraten und Republikaner gerichtet, sagte er: "Beide Parteien machen durchgängig nicht das, was für das amerikanische Volk notwendig ist, und sind an jedem einzelnen Tag mit Rachepolitik beschäftigt."

Als Konsequenz seiner Schelte denkt er darüber nach, sich als unabhängiger Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2020 aufstellen zu lassen. An Geld für den Wahlkampf wird die Nummer 280 der "Forbes"-Reichenliste eher nicht scheitern, schon eher am politischen System der USA.

Denn realistische Chancen auf die Präsidentschaft haben seit Jahrhunderten nur die Kandidaten der beiden großen Parteien. Vertreter anderer Grupppierungen luchsen chancenreichen Bewerbern dagegen gerne einmal entscheidende Stimmen ab. So wie im Jahr 2000, als der Demokrat Al Gore gegen George W. Bush verlor, weil der Verbraucheranwalt Ralph Nader im Lager der Demokraten-Wählerschaft gewildert hatte. Howard Schultz weiß das und will jetzt erstmal durch die Staaten touren, um zu dann zu entscheiden, ob er wirklich ins Rennen einsteigt.

Erzkonservativ und reich: die Koch-Brüder

Selbst über Jahrzehnten verlässliche, erzkonservative Unterstützer-Familien der Republikaner überdenken ihr Engagement für die Trump-Partei: die Kochs, Eigentümer von Koch Industries, der zweitgrößten Firma der USA. Die Brüder Charles und David unterhalten ein riesiges Netz aus Stiftungen, Forschungsinstituten und Thinktanks, mit Hilfe superreicher Unterstützer beeinflussen sie seit Jahrzehnten die politische Agenda des Landes. Sie sind für radikal freien Handel und gegen Umweltschutz, für niedrige Steuern und gegen umfassende staatliche Sozialsysteme. Offen unterstützt haben die Kochs Trump nie, aber dennoch war nie Frage, wem sie ihre Millionen zu geben hatten: den Republikanern.

Doch vor kurzem die öffentliche Wende: Bei einem Auftritt in Kalifornien sagte Charles Koch, dass er bedauere, einige Republikaner unterstützt zu haben. "Wenn Sie ein Republikaner sind, der für das schlechteste Haushaltsgesetz in der Geschichte gestimmt hat, können Sie sich darauf verlassen, dass wir Sie zur Verantwortung ziehen werden." Diese Worte dürften bei den Konservativen wie ein Schlag in die Magengrube angekommen sein. Und schlimmer noch: Erstmals kündigte die Koch-Familie an, ihre finanzielle Unterstützung "auf beide Parteien verteilen" zu wollen. Koch-Gelder auch für Demokraten - eine größere Ohrfeige für die Republikaner und ihren Präsidenten kann es kaum geben.

Ein New Yorker gegen den New Yorker?

Und dann macht sich möglicherweise noch ein weiterer Superreicher auf den Weg, den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten abzulösen: der frühere Bürgermeister von New York City und Finanzunternehmer Michael Bloomberg. Sein Name fällt immer wieder, wenn es um linksliberale wie Wall-Street-nahe Präsidentschaftskandidaten der Demokraten geht. In Umfragen liegt der Unternehmer, dessen Vermögen auf rund 48 Milliarden Dollar taxiert wird, immerhin auf Platz acht von den bisher gehandelten Kandidaten aus dem eher linken Spektrum – während Howard Schultz abgeschlagen den letzten von 33 Plätzen belegt.

Obwohl Michael Bloomberg bislang eher mit der Ankündigung kokettiert, ins Rennen ums Weiße Haus einzusteigen, öffnet er bereitwillig seine Schatulle, um die oppositionellen Demokraten zu unterstützten. Mit 80 Millionen US-Dollar beteiligte er sich am Wahlkampf für die jüngsten Zwischenwahlen im November. Ganz gezielt förderte er, erfolgreich, drei umkämpfte Wahlkreise im Süden Kaliforniens. Während viele Demokraten, wie etwa Shootingstar Alexandria Ocasio-Cortez nach links rücken, beharrt Bloomberg in der Mitte des Spektrums – dort, wo US-weit mutmaßlich die meisten Stimmen zu holen sind.

Viel Geld hilft nicht immer viel

Dennoch hat auch Bloomberg wie seine Mitaspiranten mit einem Makel zu kämpfen: ihrem Reichtum. Nicht wenige Amerikaner betrachten die politischen Ambitionen des Geldadels skeptisch, unterstellen ihnen Egoismus und Geltungsdrang. Und die vergangene Präsidentschaftswahl hat gezeigt, dass finanzielle Mittel nicht automatisch den Sieg bringen. So war die Wahlkampfkasse von Hillary Clinton rund dreimal so voll wie die von Donald Trump – geholfen hat ihr das nicht.

Quellen: NBC News, Axios, "Tagesanzeiger", "Forbes", CBS