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Analyse

Ex-Starbuckschef Howard Schultz: Dieser Trump-Gegner wird womöglich dafür sorgen, dass Trump wiedergewählt wird

Howard Schultz ist Ex-Starbuckschef, Milliardär und ein scharfer Kritiker von Donald Trump. Jetzt überlegt der 65-Jährige, den US-Präsidenten bei der Wahl 2020 aus dem Amt zu jagen. Doch der Schuss könnte mächtig nach hinten losgehen.

Howard Schultz bei der Präsentation seines Buches "From The Ground Up" in New York

Howard Schultz bei der Präsentation seines Buches "From The Ground Up" in New York

AFP

Der frühere Starbucks-Chef Howard Schultz hat eine klare Meinung zu Donald Trump: "Dieser Präsident ist nicht qualifiziert, der Präsident zu sein", sagte der Milliardär am Sonntag im US-Sender CBS. Und auch an den Republikanern sowie den Demokraten lässt der 65-Jährige kein gutes Haar, obwohl er letzteren selbst angehört. "Beide Parteien machen durchgängig nicht das, was für das amerikanische Volk notwendig ist, und sind an jedem einzelnen Tag mit Rachepolitik beschäftigt."

Weil Schultz verhindern will, dass Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2020 wiedergewählt wird, denkt er jetzt ernsthaft darüber nach, selbst gegen den 72-Jährigen ins Rennen zu gehen, allerdings nicht für die Demokraten: "Ich glaube, wenn ich als Demokrat antreten würde, müsste ich unaufrichtig sein und Dinge sagen, an die ich nicht glaube, weil die Partei sich so weit nach links verschoben hat", meint Schultz. Stattdessen erwägt er, als unabhängiger Kandidat anzutreten - und könnte damit das Gegenteil von dem erreichen, was er eigentlich will.

Als "Independent" ist Howard Schultz chancenlos

Seit George Washington ist kein unabhängiger Kandidat mehr US-Präsident geworden und seit mehr als 160 Jahren teilen Republikaner und Demokraten die Präsidentschaft unter sich auf. Unabhängige Bewerber haben den Kandidaten der großen Parteien aber wiederholt wichtige Stimmen abgenommen und damit das Wahlergebnis maßgeblich beeinflusst. So werfen die Demokraten dem US-Verbraucheranwalt Ralph Nader eine Mitschuld an der Niederlage von Al Gore im Jahr 2000 gegen George W. Bush vor. Und nach Ansicht der Republikaner geht der Sieg von Bill Clinton gegen George H.W. Bush 1992 mit auf das Konto des Geschäftsmanns Ross Perot.

Im Jahr 1912 trat der frühere republikanische Präsident Theodore Roosevelt zwar nicht als unabhängiger Kandidat an, sondern für die Progressive Partei. Die hatte er aber nur gegründet, weil seine Republikaner nicht ihn, sondern Amtsinhaber William Howard Taft zu ihrem Spitzenkandidaten gekürt hatten. Roosevelt gelang es zwar, Taft bei der Wahl hinter sich zu lassen. Die Aufteilung der republikanischen Stimmen zwischen den beiden sorgte aber dafür dass am Ende der Demokrat Woodrow Wilson mit einem gewaltigen Vorsprung an Wahlmännerstimmen ins Weiße Haus einzog.

Demokratische Politiker befürchten nun, dass eine Kandidatur von Howard Schultz ein ähnliches Szenario auslösen könnte: "Ich habe die Sorge, wenn er antreten sollte, dass das im Grunde genommen Donald Trump die besten Aussichten auf eine Wiederwahl verschaffen würde", sagte Julián Castro, ehemaliger Wohnungsbauminister und einer der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, dem US-Sender CNN. Eine aktuelle Umfrage zeige, die maximale Unterstützung für Trump, egal welcher demokratische Kandidat als Alternative angeboten werden, liege bei 41 oder 42 Prozent. Trumps einzige Hoffnung sei daher, einen Dritten dazu zu bringen, diese Stimmen abzuschöpfen, erklärte Castro.

"Helfen Sie nicht, Donald Trump zu wählen"

"Jeder, der nicht Trump ist, zerteilt einfach die Anti-Trump-Stimmen", schreibt auch das US-Magazin "New York Intelligencer". Das dominante Thema in der amerikanischen Politik im Jahr 2020 werde Donald Trump sein, und selbst ein relativ konservativer Splitterkandidat werde eher die Trump-Gegner Stimmen kosten.

Neera Tanden, Ex-Beraterin von Trumps demokratischer Widersacherin 2016, Hillary Clinton, kündigte einen Starbucks-Boykott an, sollte Schultz antreten. Sie wolle keinen "Penny" ausgeben, der "in der Wahlkampfkasse eines Typen landen könnte, der Trump zum Sieg verhilft", twitterte sie. Auch Tina Podlodowski, Parteichefin der Demokraten im Westküstenstaat Washington, wo Starbucks seine Firmenzentrale hat, befürchtet laut CNN, Schultz könne Trumps Wiederwahl sichern. "Ich habe zwei Worte für Howard Schultz hinsichtlich einer möglichen unabhängigen Kandidatur für das Präsidentenamt: 'Just don't!' (Lass es einfach)."

Wesentlich deutlichere Worte musste sich Schultz bei der Vorstellung seines Buches "From The Ground Up" am Montagabend in New York anhören: "Helfen Sie nicht, Trump zu wählen, Sie egoistisches Milliardärsarschloch. [...] Kehren Sie mit dem Rest der Milliardärselite, die glaubt, dass sie weiß, wie man die Welt regiert, nach Davos zurück!", rief ihm ein Mann zu, bevor er von Sicherheitsleuten aus dem Raum gedrängt wurde. "

Auch Donald Trump selbst hat bereits auf Schultz' Überlegungen reagiert - mit Spott: "Howard Schultz hat nicht den Mumm, für die Präsidentschaft zu kandidieren", tönte der US-Präsident am Montag auf Twitter. "Ich stimme ihm darin zu, dass er nicht die 'klügste Person' ist. Außerdem hat Amerika die schon! Ich hoffe nur, dass Starbucks mir im Trump Tower noch die Miete zahlt."

Schultz hatte am Sonntag in seinem CBS-Interview gesagt, ihm sei seit Langem bewusst, dass er nicht die klügste Person im Raum sei und dass er sich mit Menschen umgeben müsse, die schlauer seien als er, um große Entscheidungen über komplexe Probleme treffen zu können.

Der Tweet von Donald Trump klingt wie die Provokation eines Kindes, das einem anderen zuruft: "Du traust Dich ja doch nicht!", nur damit es etwas Dummes tut. Und offensichtlich war er auch so gemeint: "Trump erzählte der Menge im Trump Hotel bei der Wahlkampfspendensammlung heute Abend, dass er mit seinem Tweet heute versuchen wollte, Howard Schultz ins Rennen zu holen, weil er denkt, dass der ihm helfen wird", twitterte die "New York Times"-Korrespondentin Maggie Haberman am Montagabend.

Schultz selbst lässt sich weder von den Provokationen des US-Präsidenten noch den Befürchtungen seiner demokratischen Parteikollegen abschrecken. Der 65-Jährige will jetzt drei Monate lang auf seiner Buch-Tour die USA durchqueren, und dann entscheiden, ob er 2020 wirklich in den Ring steigt. Als Schultz auf CBS die Frage beantworte, ob er sich Sorgen darüber mache, dass er den Kandidaten oder die Kandidatin der Demokraten Stimmen kosten könnte, klang der Milliardär sogar fast wie Trump selbst: "Ich möchte, dass das amerikanische Volk gewinnt. Ich will, dass Amerika gewinnt."

Quellen: CBSCNN"New York Intelligencer", Twitter