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Brisante Tonaufnahme: Wie Netanjahus Sohn seinen Vater in Bedrängnis bringt

Diesen Ärger kann Benjamin Netanjahu gerade gar nicht gebrauchen: Eine brisante Aufnahme mit Äußerungen seines Sohnes Jair bringt den unter Korruptionsverdacht stehenden Ministerpräsidenten in Erklärungsnot.

Benjamin Netanjahu mit seinem Sohn Jair vor drei Jahren bei einem Besuch der Klagemauer in Jerusalem

Benjamin Netanjahu mit seinem Sohn Jair vor drei Jahren bei einem Besuch der Klagemauer in Jerusalem. Israels Polizei ermittelt gegen den Premier wegen Korruptionsvorwürfen in zwei Fällen.

Neuer Ärger für Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu: Eine Tonaufnahme, in der sein Sohn Jair betrunken über einen umstrittenen Erdgas-Deal seines Vaters mit einem reichen Geschäftsmann spricht, setzt den Ministerpräsidenten unter Druck. Der Fernsehsender Channel 2 sendete am Montagabend den Mitschnitt, der im Jahr 2015 vor einem Striptease-Club aufgenommen worden sein soll. Der Ministerpräsident, gegen den Korruptionsermittlungen laufen, und sein Sohn stellten die Äußerungen als Scherz dar.

"Mein Vater hat Deinem 20 Milliarden organisiert"

In der Tonaufnahme ist zu hören, wie der heute 26-jährige Jair Netanjahu mit dem Sohn von Kobi Maimon spricht, der als Anteilseigner eines Unternehmens mit dem wichtigen Gasförderprojekt verknüpft ist. In dem Gespräch geht es um Stripperinnen und Prostituierte - aber auch um ein lukratives Geschäft: "Mein Vater hat Deinem Vater 20 Milliarden organisiert, dann kannst Du mir ja wohl 400 Schekel geben", sagt Jair Netanjahu zu Nir Maimon. Offenbar bezieht sich der Sohn des Ministerpräsidenten auf einen Vertrag über die Ausbeutung des im Mittelmeer vor der Küste Israels entdeckten Erdgasfeldes Tamar.

Kobi Maimon gehört zu den reichsten Geschäftsleuten Israels. Er ist ein wichtiger Anteilseigner von Isramaco, einer der an dem Gasförderprojekt beteiligten Firmen. Laut Channel 2 fand die Unterhaltung der angetrunkenen jungen Männer in einem Auto statt, in dem neben einem Fahrer und einem Leibwächter auch ein Mitarbeiter des australischen Milliardärs James Packer saß.

Jair Netanjahu spricht von "Scherz"

Jair Netanjahu entschuldigte sich am Dienstag für seine Äußerungen und versicherte, er habe lediglich "unter Alkoholeinfluss" Witze gemacht. "Diese Äußerungen stehen nicht dafür, wer ich bin oder nach welchen Werten ich erzogen wurde", erklärte er. "Was ich über das Gas-Abkommen gesagt habe, war ein Scherz. Jeder, der ein wenig gesunden Menschenverstand hat, versteht das richtig."

Netanjahus Sohn war in der Vergangenheit schon mehrmals negativ aufgefallen. Er befindet sich in einem Rechtsstreit mit einer linksorientierten Organisation, die er im Internet als radikal und anti-zionistisch angegriffen hatte. Es gibt auch immer wieder Kritik daran, dass Jair Netanjahu auf Kosten der Steuerzahler mit Personenschützer und Fahrer unterwegs ist. 

Benjamin Netanjahu sieht sich als Opfer von Hexenjagd

Kritiker werfen Netanjahu vor, bei den Verträgen über die Nutzung des Offshore-Gasfeldes bestimmte Unternehmen bevorzugt zu haben. Der Vorsitzende der oppositionellen Arbeitspartei, Avi Gabbay, sagte, die Tonaufnahme sei "ein weiterer Makel an dem korrupten Gas-Deal".

Die Familie des Ministerpräsidenten verurteilte die Veröffentlichung des Mitschnitts. Sie sei Teil einer Hexenjagd gegen die Familie", die ein neues Tief erreicht habe. Sein Sohn habe keinerlei Kenntnis über das Gas-Geschäft gehabt, erklärte Netanjahu. Er habe lediglich unter Alkoholeinfluss "einen geschmacklosen Witz" gemacht, der "in schändlicher und illegaler Weise" vom Fahrer mitgeschnitten worden sei.

Die Tonaufnahme löste auch Kritik an den staatlichen Sicherheitsdiensten aus, weil ein Leibwächter den Sohn des Regierungschefs offensichtlich zu einem Striptease-Club begleitet hatte. Netanjahus Büro erklärte, es werde in die Entscheidungen über die Schutzmaßnahmen der Sicherheitsdienste für die Kinder des Regierungschefs nicht einbezogen.

Gegen Netanjahu wird in zwei Fällen ermittelt

Netanjahu steht schon länger wegen seiner Kontakte zu reichen Persönlichkeiten in der Kritik. Gegen den Regierungschef laufen Ermittlungen in zwei Korruptionsfällen. Netanjahu wird vorgeworfen, vom Australier Packer, dem Hollywood-Produzenten Arnon Milchan und anderen reichen Gönnern über Jahre hinweg illegal Geschenke angenommen zu haben.

In dem anderen Fall geht es um eine mutmaßliche Vereinbarung mit dem Verleger der Zeitung "Jediot Ahronot". Für eine vorteilhaftere Berichterstattung des Blattes über Netanjahu sollte der Ministerpräsident dabei helfen, den Erfolg der kostenlosen Konkurrenzzeitung "Israel Hajom" zu schmälern. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück.

mad/Michael Blum, AFP/DPA