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Hadley Gamble Neues Hassobjekt der Kreml-Propaganda: Womit diese US-Moderatorin sich Putin zum Feind machte

Moderatorin Hadley Gamble im Gespräch mit Wladimir Putin 
Moderatorin Hadley Gamble im Gespräch mit Wladimir Putin 
© Mikhail Metzel/TASS PUBLICATION / Imago Images
Wladimir Putin markiert bekanntlich gerne den Macho. Wehe dem, der ihm da in die Quere kommt. US-Moderatorin Hadley Gamble nahm jedoch keine Rücksichten auf seine Befindlichkeiten und wurde prompt zum Hassobjekt der Kreml-Propagandisten. 

Die US-Moderatorin Hadley Gamble ist in Russland zur plötzlichen Bekanntheit gelangt. Seit über einer Woche haben sich Kreml-Propagandisten auf sie eingeschossen. Im staatlichen Fernsehen übergießen getreue Anhänger Wladimir Putins die Journalistin des US-Senders CNBC mit Beleidigungen und Schimpfwörtern. Der vermeintliche Grund: Gambles Auftritt an der Seite Putins.

Auf dem internationalen Forum "Russische Energiewoche" moderierte die 39-Jährige eine Diskussionsrunde. Ihr Gegenüber nahm der Kreml-Chef persönlich Platz. Das Interview verlief wie so viele andere auch: Gamble stellte obligatorische Fragen nach Alexej Nawalny und der Meinungsfreiheit in Russland, Putin wich wie gewohnt allen Fragen aus oder lenkte mit Gegenanschuldigungen ab.

So weit, so vorhersehbar. Das Interview wäre am nächsten Tag wohl auch schon vergessen gewesen, hätte Gamble bei Instagram nicht ein bedeutungsschwangeres Bild veröffentlicht. Auf der Aufnahme schreitet die Moderatorin mit stolzem Gang voran, während der Kreml-Chef gebeugt hinter ihr her trottet. "Power walk", schrieb Gable einfach dazu und betitelte damit offensichtlich nicht den Auftritt Putins.

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Wladimir Putin auf den Schlips getreten 

Mehr noch: Nicht nur, dass Putin auf dem Bild ziemlich tatterig daherkommt, er sieht auch noch kleiner aus als die Moderatorin. Dabei gibt sich der russische Staatschef die größte Mühe, größer zu wirken als er ist. Zu seinen Mittelchen gehören Schuhe mit Absätzen oder gekürzte Hosen, die seine Beine länger erscheinen lassen sollen. Die russischen Staatsmedien sind außerdem ausdrücklich angewiesen, Putin ausschließlich von unten zu filmen, damit seine fehlende Größe nicht ins Auge fällt.

Internationale Medien halten sich erwartungsgemäß aber nicht an solche Regeln, genauso wenig wie Gamble. Damit trat sie aber offenbar jemandem so sehr auf den Schlips, dass sie zur Zielscheibe der Kreml-Propagandisten wurde.

Putins liebster Propagandist von der Leine gelassen 

Es war Dmitri Kisseljow, aktuell wahrscheinlich Putins liebster Propagandist, der die Welle der Häme lostrat. In seiner Sendung "Westi Nedeli" (Nachrichten der Woche") wusste er nichts besseres mit sich anzufangen, als in aller Ausführlichkeit über das Aussehen der US-Amerikanerin herzuziehen. 

Gamble habe sich offensichtlich auf das Treffen mit Putin so vorbereitet, als ob sie auf den Laufsteg wolle, fing Kisseljow seine Tirade an. Sie habe sogar ein paar Kilo abgenommen, behauptete er und führte als Beweis eine höchstens etwas unvorteilhafte Aufnahme der Reporterin an. "In Moskau zwängte sie sich in ein kleines schwarzes Kleid, wuschelte ihre unordentliche Haarpracht auf, zog sich Louboutins an, damit ihre Beine länger wirken. Mit einem 12-Zentemeter-Absatz und einer Plattform", kommentierte der Chef-Propagandist des Kremls, wie er von russischen Medien gerne tituliert wird, mit offener Verachtung. 

In der Darstellung Kisseljow wurden die ikonischen Highheels zum Wahrzeichen der Verwerflichkeit, ja gar Prostitution. Gamble unterstellte er faktisch einen Verführungsversuch. Als Beleg für ihre angeblichen unlauteren Absichten zitierte er den Designer der Schuhe, der einst gesagt habe, dass "Schuhe auf einer nackten Frau gut aussehen müssen." 

"Ohne Strümpfe und mit entblößten Armen" 

Wer hier denkt, dass die Regeln der Logik nicht noch weiter umgeworfen werden können, der irrt. "Gambe hat es vorgezogen, vor dem Präsidenten OHNE STRÜMPFE und mit ENTBLÖßTEN ARMEN zu erscheinen", hob Kisseljow theatralisch hervor. Dabei schreibe der Business-Stil doch vor, eins von beidem zu entblößen, merkte der selbst ernannte Modekenner an. Auch am Body-Shimmer, den die Moderatorin wohl verwendet hat, störte er sich. Sie sehe so aus, als ob "sie gar nicht zur Arbeit ging". 

Die Beine von Gamble ließen Kisseljow nicht los. "Auch was die Körpersprache angeht, gab Hadley Vollgas. Was hat sie nicht alles mit ihren Beinen angestellt!", führte er weiter aus. Einen Spagat vielleicht, mag man sich bei solch einer Anmoderation fragen. Diese Worte begleiteten jedoch Bilder, von leicht schwingenden Beinen, die Gamble wissentlich übereinandergeschlagen hatte. 

Doch Kisseljow machte jedoch noch mehr Anzeichen eines Verführungsversuchs aus: Die Moderatorin habe ständig ihre Haare hergerichtet, mit Augen gezwinkert, Lippen geleckt, und dabei gar ihre Zunge gezeigt. Sein Fazit: "Gamble hat sich eindeutig als Sexualobjekt präsentiert, ohne Angst vor der Kritik von Feministinnen." Dass Feministinnen seit Jahrzehnten dafür kämpfen, dass Frauen nicht aufgrund ihres Aussehens bewertet werden, ließ Kisseljow lieber unerwähnt. Genauso vergaß er, dass er selbst sehr gerne Feministinnen durch den Dreck zieht, gehören sie doch zum Feindbild der russischen Propaganda. 

Aber an solchen Feinheiten hat sich Kisseljow noch nie gestört. Das angebliche verwerfliche Auftreten der Moderatorin war für ihn das wichtigste Thema des Tages – ungeachtet der explodierenden Corona-Zahlen in Russland. Was sind schon 1000 Tote pro Tag im Gegensatz zu den schimmernden Beinen Gambles? 


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