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Zehntausend Usbeken auf der Flucht: Medwedew erwägt Militäreinsatz im Süden Kirgistans

Mit 150 bis 300 Fallschrimjägern will Russland seine militärischen Einrichtungen im zentralasiatischen Kirgistan schützen. Zuvor war die Gewalt zwischen den rivalisierenden Volksgruppen Usbeken und Kirgisen zunehmend eskaliert. Nun wird im Kreml offen über die Frage eines militärischen Beistands diskutiert.

Kremlchef Dmitri Medwedew will wegen der blutigen Unruhen im Süden des zentralasiatischen Landes Kirgistan nun doch die Frage eines militärischen Beistands erörtern lassen. Dazu treffen sich an diesem Montag in Moskau die Gremien der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), einer Militärorganisation früherer Sowjetstaaten, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtete.

In der Stadt Osch war die Lage laut kirgisischen Medien am Montagmorgen etwas ruhiger, während es in Dschalal-Abad zu neuen ethnischen Zusammenstößen zwischen Kirgisen und Usbeken kam. Die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben auf 114. Mehr als 1500 Menschen wurden verletzt. Zehntausende Usbeken sind auf der Flucht.

Die ethnischen Auseinandersetzungen im Fergana-Tal müssten nun so rasch wie möglich beendet werden, sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax. Bei der Krisensitzung der OVKS sollten alle Mittel ausgelotet werden, um den "Bürgerfrieden" im Süden Kirgistans wiederherzustellen. Medwedew reagierte damit auf eine neue Bitte der kirgisischen Übergangsregierungschefin Rosa Otunbajewa, Friedenstruppen zur Verstärkung zu schicken. Russland hatte dies am Samstag zunächst abgelehnt. Das Militär des Hochgebirgslandes an der Grenze zu China gilt als chronisch unterfinanziert und schwach.

Russland hatte am Sonntag ein Sonderkontingent mit Fallschirmjägern in drei Militärmaschinen nach Kirgistan transportieren lassen. Die Soldaten sollten aber nur den russischen Stützpunkt im nordkirgisischen Kant beschützen, hieß es. Nur im Süden ist die Führung nicht mehr Herr der Lage. Kirgistan kommt seit dem Sturz des autoritären kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew Anfang April nicht mehr zur Ruhe.

Die Interimsregierung vermutet Bakijews Familienclan hinter den Krawallen. Provokateure sollen durch gezielte Morde unter Kirgisen und Usbeken die seit langem in Spannung lebenden Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgebracht haben. Die Usbeken geben die Zahl der Toten mit über 500 an. Das Rote Kreuz beklagte, dass viele Leichen ohne vorherige Identifizierung begraben würden. Es sind die schwersten Zusammenstöße seit 20 Jahren.

DPA / DPA