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Zuchtprogramm nach EU-Regeln: Aus Sorge vor den Brexit-Folgen: Zoos tauschen schnell noch Tiere aus

In der EU können Zoos Tiere tauschen und so ohne Inzucht an Nachwuchs gelangen. Doch der Brexit könnte vielen Zoos ihre Zuchtarbeit erschweren. Einige handeln jetzt auf den letzten Drücker. 

Besucher in einem Zoo sehen sich Eisbären an

Tiernachwuchs im Zoo ansehen - ein Brexit könnte das zur Seltenheit machen

AFP

Vor dem Brexit befürchten viele Zoos in Deutschland und dem Rest Europas, dass es nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU Probleme beim Transport ihrer Tiere für Zuchtprogramme geben könnte. "Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt", sagte Volker Homes, Geschäftsführer des Verbands der Zoologischen Gärten, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Briten haben bisher wenig geregelt."

Um Tiere innerhalb des Zoos weiter zu züchten, tauschen sie ihre Tiere regelmäßig aus, um Inzucht und damit verbundene genetische Defekte zu vermeiden und den Genpool aufzufrischen. Dabei gelten auch hier EU-Regeln. Mehrere Zoos beeilen sich nun, Tiere auszutauschen, solange die Regeln auch noch für Großbritannien gelten. Der Tiergarten Nürnberg schickte kürzlich Nashorn Sanjay auf die Reise nach Edinburgh in Schottland. Und der belgische Zoo Planckendael tauschte eilig zwei Zwergschimpansen gegen vier britische Artgenossen aus.

Tiere müssten dank Brexit länger am Zoll warten

Großbritannien sollte eigentlich schon an diesem Freitag die EU verlassen. Wann das Königreich nun tatsächlich austritt oder ob es überhaupt austritt, das ist weiterhin unklar. Der Verband der Zoologischen Gärten vertritt 71 Zoos in Deutschland, der Schweiz, Österreich und in Spanien.

"Tiere sind das letzte, woran Entscheidungsträger beim Brexit gerade denken", sagte Kurator Sander Hofman vom Zoo Planckendael. Nach einem Brexit befürchtet er viel Papierkram - und wenig Regeln für den Tiertransport nach Großbritannien. "Die Tiere müssen wohl länger am Zoll und im Stau stehen. Das wird ein großer Stress für sie sein."

Tier-Austausch würde für Zoos schwieriger werden

Volker Homes erwartet trotz des zusätzlichen Stresses beim Transport für die Zootiere, dass die britischen Zoos weiter an den Zuchtprogrammen beteiligt sein werden. Sander Hofman befürchtet, dass der Brexit den Austausch von Tieren zwischen Großbritannien und EU-Ländern zum Erliegen bringen könnte – wenn auch nur vorerst. Das würde seiner Meinung nach mehreren europäischen Tierzuchtprogrammen mit britischer Beteiligung schaden.

Hofman koordiniert den Austausch der vom Aussterben bedrohten Okapis in Europa. In Europa gebe es zurzeit noch 73 Okapis, davon lebten 13 in britischen Zoos. "Wenn wir sie länger nicht austauschen, verringert sich ihr Genpool", sagt er.

Vom Zoo Frankfurt hieß es, der Brexit habe keinen Einfluss auf die Tierzucht in Deutschland, da namhafte Zoos europa- und weltweit vernetzt seien und weiter Tiere tauschten. Sprecherinnen des Zoos Augsburg und des Münchner Tierparks Hellabrunn warnten dagegen etwa vor großen Problemen beim Zoll. Zudem könnten sich die Transportzeiten beim ohnehin schon komplizierten Tausch von Tieren weiter in die Länge ziehen.

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rw / DPA