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Brisante Recherche Lindners #PorscheGate: Das Netz reagiert auf die Klüngel-Vorwürfe um den Bundesfinanzminister

Christian Lindner sitzt in einem Porsche
Christian Lindner macht sich's bequem – hier in einem Porsche SC
© Dennis Williamson / VISUM
Bundesfinanzminister Christian Lindner soll enger mit Porsche zusammengearbeitet haben, als es sich gebührt. So der Vorwurf, der derzeit im Raum steht. Was ist passiert? Eine kleine Chronologie.

Der Vorwurf hat es in sich. Deutschlands Bundesfinanzminister Christian Lindner soll überaus enge Kontakte zur Automobilbranche gepflegt haben. Das zumindest soll Porsche-Chef Oliver Blume bei einer internen Sitzung behauptet haben. "Fast stündlich" habe Lindner ihn über die Koalitionsverhandlungen auf dem Laufenden gehalten. Öffentlich wurde die brisante Aussage durch die ZDF-Satiresendung "Die Anstalt". 

"Wir haben sehr großen Anteil daran, dass die E-Fuels in den Koalitionsvertrag eingeflossen sind. Da sind wir ein Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt mit den Koalitionsparteien", sollen die Worte Blumes gewesen sein. Für viele riecht das nach Einflussnahme. Wie viel haben die Autobauer bei politischen Entscheidungen mitgeredet? Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten: der Hashtag #PorscheGate trendet. 

Der Bundesfinanzminister selbst fackelte nicht lange, dementierte brüsk. Lindner habe entsprechend seiner Position zu E-Fuels gehandelt, ließ sein Team via Twitter verlautbaren. Kontakt zu Blume oder gar Einflussnahme irgendeiner Art habe es ne gegeben.

Die Volkswagen-Gruppe scheint den ganzen Rummel eher gelassen zu nehmen und versuchte es gar nicht erst mit Erklärungen auf Twitter, sondern mit einem eher süffisanten Witz. Christian Lindner, heißt es in dem Post, sei bekanntlich Porsche-Fan. Das freue das Unternehmen "Einen Liveticker hat es aber nicht gegeben. Zwinkersmiley." Na, was denn nun? Kontakt oder kein Kontakt? Wenig oder viel?

Und Porsche? "Den Austausch hat es so nicht gegeben", zitiert der "Spiegel" eine Erklärung des Unternehmens. Richtig sei, dass das Unternehmen grundsätzlich mit allen relevanten Stakeholdern einen konstruktiven Austausch pflege. Ein Schelm, der sich bei solchen Aussagen fragt, welche Form des Austausches denn dann stattdessen stattgefunden habe, wenn nicht "so". Die Redaktion, die hinter der ZDF-Recherche steht, beruft sich jedenfalls auf vorliegende Beweise, welche die brenzligen Aussagen Blumes auf der Porsche-Betriebsversammlung belegen sollen. Problematisch scheint man das im Hause VW, zu dem Porsche gehört, alles eher nicht zu finden. Da wird Blume passend zum #PorscheGate eine Position nach oben befördert. Wie gestern bekannt wurde, räumt Volkswagen-Chef Herbert Diess überraschend seinen Posten. Raten Sie mal, wer übernimmt. Genau. Die Börse quittierte das nicht gerade mit Wohlwollen. Die VW-Aktien fielen um drei Prozent.

Lindner und Porsche - einst schimpfte er noch über Weil 

So mancher erinnert sich dieser Tage an Aussagen Lindners aus grauer Vergangenheit. 2017 stand der niedersächsische Ministerpräsident Weil am Pranger, als Unterlagen öffentlich wurden, die belegen sollten, dass ein VW-Vorstand an Regierungserklärungen zur Abgas-Affäre mitgeschrieben haben soll. Die "Bild am Sonntag" berichtete damals. Lindner war es, der Weil damals auf Twitter anging, um die Ecke die Frage aufwarf, ob dessen Interessen tatsächlich lauter sind. 

Wenn schon (neutral ausgedrückt), so eng miteinander zusammengearbeitet werde, warum dann nicht mal, so fragen sich manche, im Sinne der Unterstützung für den Klimaschutz? Der Vorschlag: Standleitung zu Klimawissenschaftler:innen statt zu Konzernbossen.

Während die Causa rund um Porsche und Lindner derzeit virale Wellen schlägt, schlägt jemand anderes eher ruhige Töne an, wie einige Twitter-Nutzer festgestellt haben wollen: die Springer-Presse. Und sie haben auch eine Antwort parat, woran das ihrer Meinung nach liegen könnte. 

Oder wie es ein anderer Nutzer formulierte: "Schon praktisch so eine Heirat. Lindner kann einfach so die Interessen von Porsche in den Koalitionsvertrag einfließen lassen und der Springer Verlag verliert kein Wort darüber.." Erst Anfang Juli heiratete der Bundesfinanzminister die Journalistin Franca Lehfeldt auf Sylt. Eine pompöse Feier, die vielen in der jetzigen wirtschaftlich schwierigen Zeit sauer aufstieß. Lehfeldt war fünf Jahre lang bei RTL, zuletzt Chefreporterin bei Polit-Magazine. Inzwischen arbeitet sie beim Nachrichtensender "Welt", ebenfalls als Poltik-Chefreporterin. Das Auto, in das die beiden nach der Trauung stiegen? Klar, ein Porsche.

Längst hat sich neben dem Hashtag #PorscheGate ein anderer auf Twitter breit gemacht – #lindnerruecktritt. Der Bundesfinanzminister ist angezählt. Zumindest im virtuellen Raum.

Quelle: "Die Anstalt", Spiegel, Twtter


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