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+++ Liveticker Stuttgart-21-Schlichtung+++: Ein Plädoyer für den Kopfgebrauch

Die vierte Schlichtungsrunde ist beendet: Unter Vermittlung von Heiner Geißler haben die S21-Gegner ihr Alternativkonzept vorgestellt: Den Kopfbahnhof 21. Verfolgen Sie das Spektakel im stern.de-Liveticker.

17:40 Uhr: Das vierte Treffen ist zu Ende

Nach fast acht Stunden ist der vierte Schlichtungstag beendet. Bei der nächsten Sitzung am kommenden Freitag soll es um Ökologie und Städteplanung gehen.

17:35 Uhr: Geißler hält sein Schlusswort

Die Zeit drängt. Brigitte Dahlbender vom BUND Baden-Württemberg fasst für die K21-Vertreter zusammen: "Wir haben gezeigt, dass unsere Vorschläge ein schlüssiges Gesamtkonzept ergeben."

Das Schlusswort hat Geißler: Er konstatiert, die K21-Unterstützer hätten klare Ausführungen gemacht, wie sie sich ihr Konzept vorstellen. Zudem macht der Schlichter deutlich, dass die Gerichtsurteile und Entscheidungen, die zu Stuttgart 21 geführt haben, Mitgrund für die heute vorhandene Unzufriedenheit in der Bevölkerung sind.

17:15 Uhr: Ein Funke in trockenem Gras

Zum Abschluss machen OB Palmer und Verkehrsministerin Gönner nochmal die gegenseitige Tagesleistung schlecht. Bahnvorstand Kefer resümiert, dass zentrale Fragen zur Realisierung von K21 von dessen Unterstützern heute nicht beantwortet wurden: Kosten, Dauer und Planfeststellungsfähigkeit des Konzepts.

Das Stichwort Planfeststellungsverfahren wirkt wie ein Funke in trockenem Gras: Es löst ein langes Intermezzo aus, in dem das Thema erneut ausführlich debattiert wird. Dabei geht es vor allem um das Verwaltungsgerichtshofsurteil, bei dem zu Gunsten von Stuttgart 21 und gegen die damals vorgelegten anderen Konzepte entschieden wurde. Geißler hört sich das Hin und Her an, stellt Fragen und verkündet: Er wolle sich das Urteil doch noch selbst durchlesen.

16:40 Uhr: Lärm in der Debatte

"Wir müssen heute ein bisschen länger machen, sonst werden wir nicht fertig." Geißlers Ankündigung hebt die Stimmung nicht gerade. Aber weiter geht's - jetzt mit dem Thema Lärm. Bitzer zeigt Lärmkarten, auf denen die Auswirkungen von K21 und S21 gegenübergestellt werden. Die dort verbildlichten Folgen des Kopfbahnhof-Konzepts für die Region kommentiert er mit den Worten: "Ich möchte da nicht leben müssen."

16:30 Uhr: Flughafenanbindung sorgt für dicke Luft

Jetzt geht es um die Anbindung von Flughafen und Messe. Bitzer vom Bundnis der S21-Anhänger wendet gegen das K21-Konzept ein: Die die dort angebotene Strecke, die aus dem Raum Ulm zum Flughafen und von da aus zum Hauptbahnhof führt, bedeute eine deutlich längere Anfahrtzeit zum Hauptbahnhof.

Geißler weist ihn zurecht: Es gebe auch eine kurze Strecke zum Hauptbahnhof. Und niemand, der nur dorthin wolle, werde dazu die Strecken über den Flughafen nutzen.

15:55 Uhr: Geißler wird sauer

Nachdem Heiner Geißler erneut mehr Tempo fordert, geht's weiter Richtung Flughafen: Der Bahnbevollmächtigte Ingulf Leuschel referiert über die mögliche Höhe der Bahnsteigkante, die mit dem K21-Konzept nicht vereinbar sei. "Hier wedelt doch der Hund mit dem Schwanz", sagt Leuschel, und meint wohl das Gegenteil.

Tübingens OB Palmer wirft dem Bahnvertreter vor, sich an Kleinigkeiten festzuhalten. Und Geißler wird richtig sauer: Jetzt solle wohl wegen der Bahnsteighöhen ein Bahnhofsprojekt nicht umgesetzt werden, mosert er.

15:44 Uhr: "Wir müssen in den Tunnel gehen"

Geißler wird ungeduldig, weil beide Seiten sich an den Baumaßnahmen für K21 festbeißen. "Wir kommen doch so nicht voran", ruft der Schlichter. "Ich bin schon längst unter dem Neckar durch." Damit eröffnet er das nächste Kapitel: die Trassenführung im Neckartal.

Die K21-Unterstützer sehen bei ihrem Konzept keine größeren negativen Auswirkungen für das Gebiet als bei Stuttgart 21. Es müssten Bahnhofsumbauten stattfinden, Lärmschutzwände errichtet und Teile eines Radweges geopfert werden.

S21-Unterstützer Bitzer sieht das anders. Anhand von Fotos und Grafiken versucht er zu belegen, dass Brückenbauten notwenig seien, ein Sportplatz verschwinden würde, Logistikflächen von Daimler umgesiedelt werden und zahlreiche Bäume abgeholzt werden müssten. Deshalb müsse man bei der Talquerung "in den Tunnel gehen", wie es bei S21 vorgesehen sei.

15:15 Uhr: Schon wieder das "rollende Rad"

Nächster Streitpunkt: Die für Kopfbahnhof 21 notwendigen Ausbaumaßnahmen. Die Anhänger des Durchgangsbahnofs kritisieren, dass auch für K21 erhebliche strukturelle Eingriffe am Stuttgarter Bahnhof und darum herum erforderlich seien. Zudem müssten während der Bauarbeiten Teile des Bahnhofs stillgelegt werden.

Die K21-Anhänger kontern: Das "Bauen unter dem rollenden Rad" sei kein Problem. Es werde erst der in dem Konzept vorgesehene neue Tunnel mit neuen Gleisen gebaut. Nach Fertigstellung werde darauf der Verkehr umgeleitet und die Arbeiten an den alten Röhren und Gleisen könnten beginnen.

14:50 Uhr: "Eine unglaublich lange Bauzeit"

Wieviel Zeit braucht die Realisierung von Kopfbahnhof 21? Bahnvorstand Kefer spricht von 30 Jahren und bemängelt zum wiederholten Mal einen erheblichen zeitlichen Verzug gegenüber S21: "Dieses Stufenkonzept hat eine unglaublich lange Laufzeit."

Seine Kontrahenten bestätigen eine mögliche lange Bauzeit, betonten aber erneut, dass K21 in einzelnen Schritten realisiert werden könne, und bereits nach der Umsetzung von drei Bausteinen seine positive Wirkung infrastrukturelle Wirkung entfalten werde.

14:25 Uhr: "Was ist denn K 21?"

Seit viereinhalb Stunden erläutern die Befürworter eines Kopfbahnhofes jetzt schon ihr Konzept. Für Florian Bitzer von der Initiative "Wir sind Stuttgart 21" offenbar nicht genug. "Was ist denn K 21?" fragt der Befürworter eines Durchgangbahnhofs. Und nennt den Kopfbahnhof "diffus" und "ein Phantom".

Schlichter Geißler, leicht genervt, lässt nochmals eine Folie zeigen, die schon vor Stunden ausführlich besprochen wurde. Darauf zusammengefasst: die Charakterisitika des Konzeptes Kopfbahnhof 21.

13:59 Uhr: Heiße Debatte um Planfeststellungsverfahren

Die Diskussion nimmt wieder Fahrt auf: Verkehrsministerin Tanja Gönner bekräftigt, dass für den Bau von K21 ein neues Planfeststellungsverfahren nötig werden würde. Selbst Teile der bestehenden Genehmigung ließen sich nicht - anders als von den Befürwortern vorgetragen - für einen neuen Kopfbahnhof nutzen. Conradi lässt dieser Einwand kalt: "Die Planfeststellungsverfahren wären von deutlich geringerer Komplexität als diejenigen, die für S21 nötig waren", kontert der Architekt. "Sie denken allein in Großprojekten", wirft er der Ministerin vor. "Andere Städte machen sehr gute Erfahrungen mit kleinteiliger Modernisierung."

13:40 Uhr: Geißlers Zugfahrt

Die Pause war kurz. Seit 13.30 hat Schlichter Heiner Geißler die Diskussion wieder eröffnet. Angeregt vom Vortrag von Peter Conradi erinnert sich Geißler an eine schöne Zugfahrt nach Stuttgart: "Man sieht schon etwas von der Stadt, wenn man mit dem Zug hereinrumpelt, sieht man eine Menge", so Geißler. "Stuttgart ist schon eine schöne Stadt" – und in diesem letzten Punkt sind sich die sonst so zerstrittenen Konfliktparteien tatsächlich mal einig.

12:42: "Das besprechen wir später"

Bahnvorstand Kefer würde nun noch gern in "einem zweiten Teil" zu dem eben von Tübingens Oberbürgermeister vorgestellten "integralen Taktfahrplan" Stellung nehmen. Doch Heiner Geißler ist dagegen: "Das besprechen wir später im Detail", so der Schlichter. "Jetzt wird erstmal Mittag gegessen!".

12:38 Uhr: Bau unter "rollendem Rad"

Nun ist wieder die Gegenseite an der Reihe: Volker Kefer, Vorstand Technik, Systemverbund, Dienstleistungen und Infrastruktur der Deutschen Bahn, bezweifelt die Machbarkeit von K21. Da unter "rollendem Rad", also bei laufendem Bahnbetrieb, gebaut werden müsse, prognostiziert er eine Bauzeit bis 2035. Er verweist darauf, dass ein komplett neues Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden müsse, darüber hinaus werde K21 dazu führen, dass viele Stadtteile in Stuttgart "zerschnitten" würden. Ferner würde die Lärmbelästigung für die Bürger durch die Bauarbeiten stark steigen.

12:20 Uhr: Der integrale Taktfahrplan

Nun ist Boris Palmer an der Reihe. Der Oberbürgermeister von Tübingen erläutert das Betriebskonzept für K21 und gönnt sich gleich zu Beginn eine Spitze: "Immerhin haben wir ein Betriebskonzept, das ist nicht selbstverständlich", sagt er mit Verweis auf die späte Vorlage eines solchen Planes durch die S21-Befürworter. Sein Vortrag wird untermalt durch ein Einspielfilmchen, das einen "integralen Taktfahrplan" vorstellt. Im Kern bedeutet dies: Eine relativ kurzfristige Taktfolge beim Einfahren, teilweise kommen mehrere Züge gleichzeitig rein. Ein wesentlicher Vorteil: Die Fahrgäste haben mehr Zeit beim Umsteigen. Und da die Fernzüge als erste wieder ausfahren sollen, komme es kaum zu Zeitverlust auf den Langstrecken. Palmer ist sich sicher: "K21 ist leistungsfähiger, zuverlässiger und zukunftsoffener als S21."

11.40 Uhr: Plädoyer für den Kopfgebrauch

Nach dem holperigen Anfang schildert Arnoldi einigermaßen ungestört das Konzept K21. Mithilfe zahlreicher Folien präsentiert er seine Argumente für den Alternativplan. Bei entsprechender "Ertüchtigung" - Arnoldi-Sprech für Leistungssteigerung und Verbesserung - würde der Kopfbahnhof demnach 16 Bahnsteiggleise, mehr Zufahrten, eigene Gleise für die S-Bahn, weniger Weichen, schnellere Ein- und Ausfahrten und dennoch kundenfreundliche Haltezeiten bieten. Der 16-gleisige Kopfbahnhof hätte damit eine höhere Leistungsfähigkeit als der geplante 8-gleisige Durchgangsbahnhof, so Arnoldi, und würde auch für die Zukunft ausreichende Kapazitäten bieten.

Zudem verbrauche der Kopfbahnhof weniger Fläche, könne schneller realisiert werden und sei auch noch deutlich billiger, erklärt Arnoldi. Sein Fazit: "Stuttgart 21 ist für uns nur die Lösung eines Problems, dass gar nicht besteht."

11:15 Uhr: Verkehrsexperte soll Klartext reden

Geißler ruft Klaus Arnoldi vom Verkehrsclub Deutschland in den Ring. Der S21-Gegner will die Pläne für die Alternative Kopfbahnhof 21 und das "modulare Konzept" erklären, wird jedoch vom Schlichter zunächst ausgebremst. "Was?!" fragt Geißler mehrfach nach. Arnoldi wendet sich an ihn, versucht zu erklären und wird wieder unterbrochen: "Ja ich versteh das schon. Erzählen sie's den Leuten", mahnt Geißler den Verkehrsexperten zu verständlichem Deutsch.

10:55 Uhr: Ex-Bahnhofchef zählt Züge

Auftritt Egon Hopfensitz: Der pensionierte frühere Vorstand des Stuttgarter Hauptbahnhofs will nachweisen, dass der bestehende Kopfbahnhof leistungsfähiger sei als der geplante unterirdische Durchgangsbahnhof. Auf einer Reihe von Präsentationsfolien macht er die derzeitige Gleisbelegung deutlich. Demnach könnten die Standzeiten der Züge problemlos soweit reduziert werden, dass deutlich mehr An- und Abfahrten möglich seien als bisher - nämlich 66 bis 74 Züge - und damit sogar mehr als die 42 bis 51 Züge, die der Durchgangsbahnhof nach Bahnangaben erlauben würde.

10:45 Uhr: K21-Anhänger zeigen einen "Lehrfilm"

Die S21-Gegner präsentieren Videoaufnahmen aus dem jetzigen Bahnhof. Geißler nennt das einen "Lehrfilm". Er soll zeigen, das ein schnelles An- und Abfahren der Züge nicht von der Frage Kopf- oder Durchgangsbahnhof abhängt, sondern von der Frage, wieviele Passagiere ein- und aussteigen. Ihr Argument: Ein Durchgangsbahnhof bietet nicht mehr Schnelligkeit als ein Kopfbahnhof, da jeder Zug erst dann abfahren könne, wenn das Ein- und Aussteigen beendet ist.

10:35 Uhr: S21-Gegner werben für Kopfbahnhof

Geißler beruhigt die Gemüter und übergibt das Wort an Peter Conradi. Der Architekt stellt heraus, das die S21-Kritiker nicht nur das Bahnprojekt bekämpfen, sondern auch eine Alternative anbieten: den Kopfbahnhof 21. Das Grundprinzip sei die behutsame Weiterentwicklung des vorhandenen Bahnnetztes in und um Stuttgart. Ein entscheidender Vorteil sei, dass es aus einzelnen überschaubaren Schritten bestehe, die nacheinander abgearbeitet werden könnten, und jede für sich bereits eine Verbesserung darstelle. S21 wirke sich dagegen erst aus, wenn das Bauvorhaben abgeschlossen sei.

10:25 Uhr: Jetzt wird's lauter

Die Luft wird dicker im Saal. Die S21-Gegner werfen der Bahn vor, die Friedenspflicht zu verletzen. Stuttgarter Bürger hätten gemeldet, dass an der Sigmaringer Straße gebaut werde. Davon wisse sie nichts, erklärt die Bahnseite, und spielt den Ball zurück. Hätte man sie vor dem Treffen informiert, hätte sie sich schlau machen können.

10:20 Uhr: Geißler wirbt für klares Deutsch

Geißler amüsiert das Publikum mit einem Plädoyer für eine verständliche Sprache. Schachtelsetze sollten möglichst vermieden werden. Jeder möge doch leicht verständlich ausdrücken, was er meint, um Missverständisse zu vermeiden. "Wer seinen Hund frei herumlaufen lässt, der wird erschossen", sei so ein Fall schlechten Ausdrucks, scherzt der Schlichter.

10:15 Uhr: Weder "Hinterwäldler" noch "kriminelle Lobbyisten"

Heiner Geißler wie immer höflich, begrüßt das Publikum im Saal, vor den Fernsehern und im Internet. Danach referiert er für alle "Neulinge" nochmals das Schlichtungsverfahren: Man redet auf Augenhöhe und alle Argumente werden nacheinander abgearbeitet. Die einen seien nicht "kriminelle Lobbyisten" und die anderen nicht "Hinterwäldler aus der Steinzeit".

Anschließend fordert der Schlichter, wie schon am Morgen in der ARD nochmals eine Reform des Baurechts und teilt mit, dass die Wirtschaftlichkeitsprüfung in Abstimmung mit allen Seiten drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften übertragen wird.

10 Uhr: Es geht los

In der vierten Runde der Stuttgart-21-Schlichtung befassen sich Gegner und Befürworter des umstrittenen Bahnprojekts heute mit der von den Gegnern favorisierten Alternative "Kopfbahnhof 21". Die Unterstützer des Vorschlags werben mit einem ausgetüftelten Fahrplankonzept, das den Kopfbahnhof gegenüber dem geplanten unterirdischen Durchgangsbahnhof leistungsfähiger machen soll. Zu den Kosten für die Alternative wurden bislang keine genauen Angaben gemacht. Unter Vorsitz des Schlichters Heiner Geißler sollen zudem die Auswirkungen von Stuttgart 21 auf den Regional- und Nahverkehr diskutiert werden.

Geißler forderte am Morgen bereits eine Reform des deutschen Baurechts. "Das völlig veraltete Baurecht muss renoviert werden, es muss vor allem beschleunigt werden", sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär in der ARD. Das habe die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 gezeigt. Seiner Ansicht nach dauern Planfeststellungsverfahren zu lange. "Wir diskutieren heute über Vorschläge, die möglicherweise überholt sind."

"Das können wir jetzt bei dem Projekt nicht mehr rückgängig machen", sagte Geißler weiter. "Aber für die Zukunft muss ganz selbstverständlich das Baurecht bei uns in Deutschland verändert werden. Dann können auch solche Konflikte viel früher entschärft werden."

mad