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"Hilafet Devleti": Die Genese des "Kalifatstaates"

Metin Kaplan fehlte das Charisma seines Vaters. Als er nach dessen Tod die Führung des ICCB übernehmen wollte, begannen die Probleme. Schon bald wurde ihm von allen Seiten seine Führungsposition streitig gemacht.

Als Metin Kaplan 1995 nach dem Tod seines Vaters Cemaleddin Kaplan, des "Khomeini von Köln", die Führung des extremistischen Moslemverbandes ICCB ("Islami Cemaat ve Cemiyetler Birligi") übernehmen wollte, begannen die Schwierigkeiten für den heute 47-Jährigen: Ihm fehlte das Charisma seines Vaters. Schon bald wurde ihm von allen Seiten seine Führungsposition streitig gemacht. Andere machten dem Sohn, der nie an das Charisma des Vaters herankam, die Führung streitig. Metin Kaplan behielt jedoch die Oberhand, ohne aber den türkischen Außenseiter-Verband zusammenhalten zu können.

Untergruppen spalteten sich ab, die die Vormachtstellung für sich beanspruchten. In Berlin wurde 1997 ein Abweichler, der sich zum "Gegenkalifen" hatte ausrufen lassen, von drei Unbekannten erschossen. Nach der Festnahme Kaplans im März 1997 in Köln kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen seiner Anhänger. Dabei wurden 14 Polizisten verletzt, einige von ihnen schwer.

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sank die Zahl der Mitglieder in Nordrhein-Westfalen von 1.500 Anfang der 90er Jahre auf etwa 600 im Jahr 1998. Bundesweit wurden 1998 etwa 1.300 Anhänger des "Hilafet Devleti", des "Kalifatstaates" gezählt.

Die extremistische, am Iran ausgerichtete Politik des Vaters machte sich auch Metin Kaplan zu eigen. Wie sein Erzieher handelte sich auch Metin schnell in der Bundesrepublik ein politisches Betätigungsverbot ein. 1995 rief er zur Schaffung eines islamischen Staates und zur Abschaffung der Demokratie und der politischen Parteien auf. Die Ziele, verkündete er im vergangenen Jahr, richteten sich gegen die türkische Regierung sowie die USA und Israel.

Aggressiv verbreitet der ICCB auch antisemitische Hetze. Seit April 1997 betreibt der Verband den Angaben zufolge einen Propagandasender mit dem Namen "Hakk-TV". Einmal wöchentlich werden aus einer Kölner Moschee per Satellit bis in die Türkei Sendungen ausgestrahlt.

Der ICCB finanziert sich laut Verfassungsschutz aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erträgen aus Immobilien. Politisch hat der Verein kaum mehr Gewicht und gilt unter den türkischen Vereinen als "underdog". Um aus der Schusslinie der Beobachter zu kommen, zog der Verein zumindest offiziell von Köln nach Düsseldorf um.

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