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"Kalif von Köln": Lebenslange Haft für Metin Kaplan

Nach einem langwierigen Rechtsstreit wurde Metin Kaplan aus Deutschland abgeschoben - jetzt ist der "Kalif von Köln" in der Türkei wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein Anwalt kündigte an, in Revision zu gehen.

Der als "Kalif von Köln" bekannt gewordene türkische Islamist Metin Kaplan ist in seinem Heimatland wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach sechsmonatiger Verhandlungsdauer sah es ein Gericht in Istanbul am Montag als erwiesen an, dass der Gründer der Organisation "Kalifatstaat" 1998 einen Terroranschlag auf die türkische Staatsspitze befohlen habe. Dabei sollte das Atatürk-Mausoleum in Ankara am Nationalfeiertag mit einem mit Sprengstoff beladenen Flugzeug angegriffen werden. Kaplan hatte die von den türkischen Sicherheitskräften vorzeitig aufgedeckten Attentatspläne als frei erfunden und als "Komplott" bezeichnet.

In Deutschland hatte der türkische Islamistenführer eine vierjährige Haftstrafe wegen eines Mordaufrufes verbüßt, dem ein politischer Konkurrent zum Opfer gefallen war. Nach einem langwierigen Rechtsstreit war Kaplan am 12. Oktober vergangenen Jahres überraschend aus Deutschland abgeschoben worden, nachdem die Gerichte zu dem Schluss gekommen waren, dass ihm in der Türkei "keine unmenschlichen oder folterähnlichen Haftbedingungen" drohen.

Vorwüfe gegen türkische Justiz

Seine Verteidiger hatten dagegen erst kürzlich bei einer Pressekonferenz in Berlin erneut Zweifel vorgebracht, dass der Prozess in der Türkei rechtsstaatlichen Prinzipien genüge. Die Anklage stütze sich auf Aussagen von angeblichen Mitverschwörern, die 1998 unter Folter erzwungen worden seien, erklärten sie. Vor seiner Verurteilung in dem Hochverratsprozess in Istanbul bekräftigte Kaplan erneut, dass er mit den angeblichen Attentatsplänen nichts zu tun habe. Er warf der türkischen Justiz vor, ihn allein wegen seines Glaubens zu verfolgen. Im Laufe des letzten Verhandlungstages hatten seine Anwälte mehr Zeit beantragt, um seine Verteidigung vorzubereiten. Das Gericht lehnte dies ab.

"Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen fairen Prozess handelt", sagte der Islamistenführer am letzten Verhandlungstag. Außerdem weigerte er sich, den Richter anzuerkennen. Wichtig sei für ihn stattdessen das Urteil der Geschichte. "Wir wollen ein System in der Türkei, in dem der Koran die Verfassung, die Scharia die Rechtsprechung und der Islam den Staat darstellt", sagte Kaplan.

Der "Kalifatstaat" war im Dezember 2001 in Deutschland von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) als demokratie- und verfassungsfeindliche Organisation verboten worden. Bis zu dem Verbot hatte Kaplan rund 1100 Anhänger bundesweit, davon die Hälfte in Nordrhein-Westfalen, um sich geschart. Das Vermögen der Organisation wurde auf mehrere Millionen Euro geschätzt, während Kaplan Jahre lang in Deutschland Sozialhilfe bezog.

AP/DPA / AP / DPA