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Abwasch der Woche: Oettinger, Westerwelle und der iPad

It's sooo simple. Einfach die Politik auf den iPad umstellen, Englisch-Kurs und Afghanistan-App runterladen, alles wird besser. Zeit für den Abwasch.

Von Jan Rosenkranz

Die Welt ist gerettet. Nicht mehr, aber keinesfalls weniger. Seit Mittwochabend dieser Woche verbreitet sich diese Gewissheit über den gesamten Planeten - schneller als sich jeder Schweinegrippen-Virus zu erträumen wagte. Die Menschheit atmet auf, seit im entlegenen Kalifornien ein Mann im dunkelgrauen Rolli einen Tablett-Computer in die Höhe hielt. Wir schreiben das Jahr 1 nach der Geburt des iPad.

Die ganze Welt wird i sein - iPhone, iPad, iWorld.

Apple-Chef Steve Jobs hat ein "magisches" Produkt vorgestellt. Einen Computer, den man überall mit hinnehmen kann. Wow. Mit dem sich überall surfen lässt. Hui. Und einen Touchscreen hat er auch, so wie diese famosen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. Doch, doch. Die passende Mondfähre steht sicher bald als Download im App-Store bereit. Applikationen gegen Klimawandel, Krebs, Aids und vorzeitige Hautalterung lassen sich dort bald ebenso laden. Nichts, was dieses Teufelsteil nicht könnte.

It's so simpel.

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Sogar Sprachen kann man damit lernen. Entsprechende Software ist schon jetzt ab 0,79 Euro zu haben. Das ist die gute Nachricht für Günter Oettinger, den neuen deutschen I-Ju-Komischnärr for Ännadschi, über dessen freie Auslegung englischer Ausspracheregeln dieser Tage ein youtube-Video Auskunft gibt. Noch lacht halb "Öhörp" über "Okaneisätschn" und "Ekwitiwities", dabei spricht vielleicht schon im Jahr 2 nach iPad ganz Brüssel Oetti-English.

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Die Letzten werden die Ersten sein. Wer wüsste das besser als Kurt Beck. Viel Häme hatte sich der damalige SPD-Chef anhören müssen für seinen Vorschlag, "gemäßigte Taliban" zu einer Afghanistan-Friedenskonferenz einzuladen. Aber das war im Jahre drei vor iPad, die FDP saß in der Opposition und Guido Westerwelle noch nicht im Außenamt. Als iGuido will er jetzt nicht mehr nur mit "gemäßigten Taliban" reden, er hat sogar eine eigene Exit-App am Start, ein Aussteiger-Programm, das aus moderaten Fundamentalisten moderne Liberale macht - Krawatte statt Turban, schlanker Staat statt Gottesstaat. Der Friede am Hindukusch - nur einen Touch entfernt. Und wenn auch das nicht fruchtet, bliebe als Ausweg noch immer der Rückzug - Drücken Sie die "Home"-Taste. It's so simple.

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Ein Manöver, welches Oskar Lafontaine perfekt beherrscht. Er will sich nun mehr um seine Gesundheit kümmern. Statt seiner sollen künftig Gesine Lötzsch und Klaus Ernst die linken Truppen führen. Dabei hätte Bodo Ramelow eigentlich näher gelegen. Der wäre immerhin schon mal fast aus Versehen Ministerpräsident von Thüringen geworden - und er trägt genauso gerne Rollis wie der Apple-Guru. Wenn Rolli-Ramelow dereinst in einem abgedunkelten Saal, auf der leeren Bühne nur ein Sessel, in ausgewaschener Jeans das sehnsuchtsvoll erwartete Parteiprogramm lässig in die Höhe hielte, "Wir nennen es iLink", ja dann gäbe es vielleicht auch mal jubelnde Reporter auf einer deutschen Pressekonferenz. It's so simpel.

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Einfach zu bedienen, schlicht und edel im Design - das war schließlich auch die Devise der letzten Gesundheitsreform. Alles in einen Topf, Deckel drauf, fertig. Millionen von gesetzlich Krankenversicherten werden darum bald die Gelegenheit bekommen, mit nur acht Euro Zusatzbeitrag im Monat ihrer Kasse das Leben zu retten. Sicher, einige reagierten ob dieser Ankündigung etwas über, aber einer blieb cool wie ein Touchscreen: iKid, das Küken der Koalition. "Wenn mir mein Stromanbieter zu teuer ist, sehe ich mich ja auch nach einem anderen um", sprach Gesundheitsminister Philipp Rösler von der FDP. It's so simple.

Doch Vorsicht, vor einem muss man sich in Acht nehmen, da geht's iKid nicht anders als iPad: Wenn er runterfällt, ist er kaputt.