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ZDF-Sommerinterview: AfD-Chef Meuthen verteidigt Anti-Merkel-Tweet nach Tod des Achtjährigen in Frankfurt

Nach dem furchtbaren Tod eines achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof hatte eine AfD-Politikerin Bundeskanzlerin Merkel "verflucht". Im ZDF-Sommerinterview äußerte Parteichef Meuthen Verständnis - und prangerte zudem die "Klimahysterie" an.

Jörgen Meuthen Verständnis für Anti-Merkel-Tweet nach Frankfurt

Anti-Merkel-Tweet nach Tod eines Achtjährigen in Frankfurt: Jörg Meuthen äußert im ZDF-Sommerinterview Verständnis für "emotionale Überreaktion" einer AfD-Politikerin.

AFP

"Frau Merkel, ich verfluche den Tag Ihrer Geburt." Mit diesem massiv kritisierten, inzwischen gelöschten Tweet hatte die AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann auf den Tod eines achtjährigen Jungen, der im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann aus Eritrea vor einen ICE gestoßen worden war, reagiert. Im Sommerinterview mit dem ZDF nahm AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen seine Parteifreundin trotz dieser Entgleisung in Schutz: "Dass Menschen da hoch emotional reagieren und vielleicht einmal einen falschen Satz raushauen, dafür habe ich ein bisschen Verständnis."

Hartmann habe emotional überreagiert, das sei verständlich, auch wenn der Satz "so nicht akzeptabel" und "unangemessen" sei. Dass seine Partei solche Taten politisch instrumentalisierte, wollte der AfD-Mann nicht gelten lassen. "Wir verfälschen nicht die Wahrnehmung, sondern wir weisen auf Taten hin, die da sind", nahm Meuthen für seine Partei in Anspruch. Dass die AfD laut einer Studie der "Kriminalpolitischen Zeitschrift" überproportional auf von ausländischen Tätern verübte Straftaten hinweise, verteidigte der Bundessprecher. Meuthen: "Was sich in diesem Land zuträgt, führt zu einer zunehmenden Verunsicherung von Millionen von Menschen", sagte er. "Das greifen wir auf und ich halte es für politisch richtig und verantwortlich."

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Jörg Meuthen: "Der Flügel ist nicht Teil der AfD"

Auch dass zuletzt weitere AfD-Mitglieder durch Tweets und Posts auf Facebook maßgeblichen Anteil an einer Verrohung des Tons in der öffentlichen Debatte hätten, wies Meuthen im Interview mit dem ZDF zurück. Als Beispiel nannte er die Forderung des rheinland-pfälzischen AfD-Chefs Uwe Junge nach "einem Aufstand der Generäle". Dies sei kein Aufruf zur Gewalt gewesen, sondern eine Kritik daran, dass mit CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer eine fachfremde Politikerin zur Verteidigungsministerin gemacht wurde. Junge sei "der Letzte, der eine Revolution anzetteln wird", so Meuthen.

Ohnehin gebe es in der AfD für extremistische Position keine Mehrheit, sagte der Europa-Abgeordnete. Das bezog in dem Interview auf den vom thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke angeführten rechtsnationalen "Flügel". Meuthen: "Der Flügel ist nicht Teil der AfD!"

Klimawandel: "Es gibt keinen Weltuntergang"

Die intensive Diskussion um die Folgen des Klimawandels hält der AfD-Bundessprecher für eine "Klimahysterie". Niemand stelle in Abrede, dass es klimatische Veränderungen gebe, allerdings gebe es "keine Einigkeit" darüber, dass der Mensch dafür verantwortlich sei. Dieser Meinung der AfD ist allerdings schon vielfach widersprochen worden. Stattdessen vertreten rund 97 Prozent der Klimawissenschaftler die Auffassung, der Klimawandel sei in seiner Art und Weise sowie seinem Tempo menschengemacht

Meuthen spricht dagegen von "Überdramatisierung" und sagt: "Es gibt keinen Weltuntergang." Derzeit belaste eine durch "grüne Ideologie" geprägte Energiepolitik die Umwelt sondergleichen. "Die Windenergie ist absurd. Die Solartechnologie kann's niemals abdecken." Deutschland werde bei einem parallelen Ausstieg aus Kohle und Kernenergie enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen - insbesondere wenn es als einziges Land auf diese beiden Energiearten verzichte. Meuthen: "Das ist ein einziger Irrweg."

Das Sommerinterview mit dem AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen läuft an diesem Sonntag, 4. August, um 19 Uhr, im ZDF und ist anschließend in der ZDF-Mediathek abrufbar. 

Quellen: "ZDF", "Klimafakten"

dho