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AfD-Wahlkampf in Hamburg: Henkel nennt Schäuble einen "Schreibtischtäter"

AfD-Vize Henkel bilanziert bitter den Wahlkampf in Hamburg: Plakate seien abgerissen, Redner attackiert worden. Verantwortlich dafür seien auch die "Schreibtischtäter" Schäuble und Fahimi.

Der Europaabgeordnete der AfD, Hans-Olaf Henkel, beim Wahlkampfendspurt der AfD in Hamburg: "Ich habe immer gesagt: Wenn wir es in Hamburg schaffen, schaffen wir es überall!"

Der Europaabgeordnete der AfD, Hans-Olaf Henkel, beim Wahlkampfendspurt der AfD in Hamburg: "Ich habe immer gesagt: Wenn wir es in Hamburg schaffen, schaffen wir es überall!"

Herr Henkel, 6,1 Prozent bei der Hamburg-Wahl, die AfD ist damit erstmals in einem westdeutschen Parlament vertreten. Wie wichtig ist das Ergebnis für Ihre Partei?
Sehr wichtig! Wichtig nach außen, weil wir gezeigt haben, dass die AfD es nicht nur im Osten, sondern auch in einer weltoffenen und liberal eingestellten Großstadt schaffen kann. Ich habe immer gesagt: "Wenn wir es in Hamburg schaffen, schaffen wir es überall!" Aber es ist auch nach innen wichtig, weil wir uns in Hamburg auf die wichtigen Themen wie Eurokrise, Universität, Bildung, Sicherheit und Zuwanderung in einer Art konzentriert haben, die keine Raum für rechtspopulistische Übertreibungen zuließ.

Wäre mehr drin gewesen, wenn es die Flügelkämpfe in Ihrer Partei in den vergangenen Wochen nicht gegeben hätte?


Auf jeden Fall! Wie oft bin ich bei meinen vielen Auftritten darauf angesprochen worden. Die Einigung auf einen Sprecher und eine neue Satzung kam buchstäblich in letzter Minute. Viel zu lange mussten wir in Hamburg dagegen ankämpfen, mit "Pegida" verwechselt zu werden oder uns zu viele Sympathien für Putin vorwerfen zu lassen. Der beste Beweis ist das Abschneiden der FDP: viele der FDP-Wähler, die bei der Europawahl noch für uns stimmten, gingen in Hamburg wieder zu ihr zurück.

Gibt das Ergebnis Rückenwind für AfD-Chef Bernd Lucke?
Ja, eindeutig. Aber es gibt der Partei insgesamt großen Schub, denn meine Kollegen im Westen waren es überdrüssig, als Mitglieder einer nur im Osten verankerten Partei dargestellt zu werden. Das ist seit Hamburg vorbei.

Wie muss der nächste Entwicklungsschritt der AfD aussehen?


Kurzfristig: Jetzt ist Bremen dran. Das ist ein noch schwierigeres Pflaster. Aber wir werden es auch dort schaffen. Mittelfristig: Wir werden unsere Programmarbeit zu Ende führen. Bisher haben wir nur Programme für die vier Bundesländer, in denen wir erfolgreich waren und für Europa. Jetzt arbeiten neun Arbeitsgruppen an einem gesamtgesellschaftspolitischen Angebot.

Die AfD hat zwei Gesichter. Ein stramm konservatives, fast reaktionäres im Osten und ein eher liberales im Westen. Kann das auf Dauer gut gehen?


Wenn es so wäre, sicher nicht. Aber grundsätzlich versteht sich "konservativ" durchaus mit "liberal", "bewahren" mit "reformieren". Wir müssen nur sicherstellen, dass wir das Richtige bewahren und nichts Falsches reformieren. Da ist zum Beispiel das Festhalten an einem konservativen Familienbild, also Vater, Mutter mit möglichst vielen Kindern. Oder die Rückkehr zu einem leistungsorientierten Bildungssystem, statt dem jetzt ausgebrochenen laissez-faire in Schulen und Universitäten. Wir bekennen uns eindeutig zu einem Europa der Vaterländer und sind gegen einen europäischen Zentralstaat. Das ist alles konservativ, wenn Sie so wollen. Auf der anderen Seite brauchen wir typisch liberale Elemente in der Euro- und Europapolitik: Wettbewerb statt Harmonisierung, Subsidiarität statt Zentralismus und nationale Eigenverantwortung für Bank- und Staatsschulden, statt deren Vergemeinschaftung.

Deutsche Großstädte sind für Konservative seit längerem kein gutes Pflaster. Selbst die CDU tut sich schwer dort zu punkten. Muss die AfD ihre Klientel eher in der Provinz suchen?
Die Antwort haben die Wahlergebnisse gegeben: im Osten war es sicher leichter als es in westlichen Großstädten sein wird. Deshalb brauchen wir für beides maßgeschneiderte Programme und das dazu passsende Personal. Professor Kruse war der ideale Kandidat für Hamburg, er wäre es sicher nicht für Brandenburg gewesen.

Braucht die Union langfristig die AfD als strategischen Partner?


Auf Landesebene kommt die CDU über kurz oder lang nicht an uns vorbei. Auf Bundesebene würde ich die CDU nicht mal mit der Kneifzange anfassen, solange diese Partei an ihrer unseligen Euro- und Europapolitik festhält und wir von einem der Hauptverantwortlichen, Schäuble, als Schande für Deutschland bezeichnet werden. Wenn in Hamburg fast alle unsere Plakate zerstört, AfD-Wahlkämpfer tätlich angegriffen wurden und ich nur noch unter Polizeischutz auftreten konnte, dann sollte man nicht nur die unmittelbaren Täter verfolgen. Man sollte sich auch mal die neuen Schreibtischtäter vorknöpfen, die diese aufwiegeln; Schäuble, Fahimi & Co.

<Das Interview mit Hans-Olaf Henkel wurde per Email con Axel Vornbäumen geführt.

Interview: Axel Vornbäumen