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Al-Kaida-Botschaft im Internet: Polizei patrouilliert verstärkt

Die Behörden nehmen die Drohungen ernst: Nachdem am Freitag ein neues Video der Al Kaida aufgetaucht ist, werden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und auf Bahnhöfen erhöht. Polizisten gehen mit Schutzwesten und Maschinenpistolen auf Streife.

Knapp eine Woche vor der Bundestagswahl hat sich das Terrornetzwerk al Kaida mit einem neuen Drohvideo direkt an die deutsche Bevölkerung gewandt. Für den Fall, dass bei der Wahl "das deutsche Volk sich nicht für den Abzug seiner Soldaten aus Afghanistan entscheidet", wird in den zwei Wochen nach dem Wahltag mit Anschlägen gedroht. Die Sicherheitsbehörden reagierten mit erhöhter Polizeipräsens vor allem an Flughäfen und Bahnhöfen, dort patrouilliert die Bundespolizei nun auch mit schweren Schutzwesten und Maschinenpistolen. "Es geht um die Präsenz, wir wollen den Reisenden Sicherheit geben", sagte eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Die Anweisung für die Bundespolizisten auf Streife gilt demnach zunächst unbefristet. Vor allem in Berlin wurden die Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Terroranschläge weiter verschärft. Das Bundesinnenministerium erklärte, das Sicherheitskonzept für die Zeit um die Bundestagswahl sei bereits vor einigen Wochen von Bund und Ländern beschlossen worden. Bereits seit längerem weise man auf die Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus hin. "Das Terrorvideo bestärkt uns in der Richtigkeit der Maßnahmen", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Adrett mit Anzug und Krawatte

Der Sprecher der Bundesanwaltschaft sprach von einem "verdichteten Deutschland-Bezug" des Videos. Offenbar spricht in der knapp halbstündigen Erklärung erneut der Bonner Islamist Bekkay Harrach, der bereits im Januar und im Februar in zwei Video-Drohbotschaften der Al Kaida aufgetreten war. Seitdem wird gegen ihn wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt. Er soll sich seit 2007 im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten und in Deutschland von dem inzwischen zu acht Jahren Haft verurteilten ranghohen Al-Kaida-Miglied Aleem N. für das Terrornetzwerk angeworben worden sein. Mit Harrachs Videos hatte sich das Terrornetzwerk erstmals direkt an Deutschland gewandt. Experten hatten damals von einen neuen Qualität der Bedrohung gesprochen. Anders in den früheren Auftritten ist der Sprecher nun aber nicht teilweise vermummt und mit Waffen zu sehen. Vielmehr wendet sich ein bartloser junger Mann, adrett mit Anzug und Krawatte bekleidet, vor einem roten Stoffhintergrund an die Zuschauer und erklärt mit sanfter Stimme: "Sollte allerdings das deutsche Volk seine zur Auswahl stehenden Parteien mehrheitlich nicht dazu bewegen wollen, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, dann wird es nach den Wahlen ein böses Erwachen geben." Die Muslime in Deutschland fordert er für diesen Fall auf, "in den zwei Wochen nach den Wahlen von allem, was nicht lebensnotwendig ist, fernzubleiben".

Das neue Video wird nun von Spezialisten der Sicherheitsbehörden ausgewertet. Laut Bundesanwaltschaft spricht einiges dafür, dass es authentisch ist. Sicherheitskreise sehen das Video nach ersten Einschätzungen aber nicht als konkrete Anschlagsdrohung, sondern gehen von einer allgemeinen Drohung im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr aus. "Die seit Jahresbeginn verstärkt auch unmittelbar gegen Deutschland gerichteten Drohungen von Al Kaida und anderen islamistischen Organisationen erreichen eine neue Qualität", heißt es auf der Homepage des Bundesinnenministeriums. "Die Bundestagswahl bietet dabei einen besonderen Ansatz für propagandistische und operative Handlungen terroristischer Gruppierungen."

AP / AP